Die SBB werfen die Swisscom aus den Bahnhöfen

Die Bundesbahnen rüsten 100 Bahnhöfe mit Gratis-Internet aus. Und verzichten künftig auf die Dienste der Swisscom.

Zürich muss bis mindestens Mitte 2014 auf Gratis-WLAN warten: Reisender am Hauptbahnhof.

Zürich muss bis mindestens Mitte 2014 auf Gratis-WLAN warten: Reisender am Hauptbahnhof. Bild: Keystone

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Die Mobilfunkanbieter ärgern sich schon lange über die schlechte Handyversorgung in den Zügen. Für die SBB, die hier mit den Handyanbietern zusammenarbeiten muss, hatte das lange keine Priorität. Das hat sich jetzt geändert. Die Versorgung der Kunden mit mobilem Internet wird plötzlich als so wichtig eingestuft, dass die SBB entschieden haben, das drahtlose Internet auf 100 Bahnhöfe auszudehnen und in die eigenen Hände zu nehmen. Die gute Nachricht für die Kunden: Der Dienst wird nicht nur an viel mehr Bahnhöfen verfügbar, sondern auch kostenlos sein.

Die Idee dahinter: Druck von den chronisch überlasteten Handynetzen im Zug zu nehmen. Die SBB hoffen, dass sich die Pendler künftig, bevor sie den Zug besteigen, Zeitungen, Filme, Podcasts und mehr auf ihre Handys und Laptops laden – und so im Zug weniger Datenverkehr anfällt. Mobilfunksignale in einen Zug zu bringen, ist schwierig, weil sich besonders viele Menschen auf engstem Raum befinden, sich der Zug schnell bewegt und sein Inneres gegen Strahlen abgeschirmt ist. Es braucht daher in jedem einzelnen Wagen ein Gerät, das die Mobilfunksignale verstärkt. Der Einbau der neusten Generation dieser Geräte geht allerdings nur sehr langsam voran – sehr zum Leidwesen der Mobilfunkanbieter, die einen Grossteil der Kosten dafür tragen.

Imageschaden für Swisscom

Die ersten 20 Bahnhöfe sollen bereits Ende Jahr über Gratisinternet verfügen. Allerdings handelt es sich dabei um solche in kleineren Städten. Die Mehrheit der SBB-Kunden, die täglich an den 31 grössten Bahnhöfen verkehren, müssen sich noch über ein Jahr gedulden. Dort ist der Betrieb des WLAN heute an die Swisscom ausgelagert. Die Verträge laufen erst Mitte 2014 aus, und die SBB wollen sie nicht verlängern. Damit bleibt das Surfen in Zürich, Bern, Winterthur, St. Gallen, Luzern, Basel und 25 weiteren Bahnhöfen noch lange kostenpflichtig, während man in Schlieren vielleicht bald gratis surft.

Wer die Bahnhöfe mit WLAN-Sendern ausrüsten wird, ist noch offen. Die Verhandlungen laufen laut SBB-Sprecher Christian Ginsig. Welche Firmen infrage kommen, wollte er nicht sagen. Auch zu den Gründen, wieso die Swisscom nicht infrage komme, äusserte er sich nicht. Für die Swisscom ist das nicht nur ein Imageschaden. Ihre Kunden genossen bislang an den grossen Bahnhöfen, an denen chronisch grosse Menschenmengen aufs Handynetz zugreifen, einen riesigen Vorteil. Künftig kann die Swisscom ihr Mobilfunknetz nicht mehr mit dem drahtlosen Internet entlasten. Sie wird zusätzliche Handyantennen aufstellen müssen, um die Lücke zu schliessen.

Verbesserung in der S-Bahn?

Ursprünglich wollten die SBB die 58 neuen Doppelstockzüge mit WLAN ausrüsten. Davon hat man sich offenbar verabschiedet – aus Kosten-Nutzen-Überlegungen. Das WLAN sorgt nicht dafür, dass die Pendler schneller surfen können, sondern ermöglicht bloss den einfacheren Zugang für Nutzer von Computern und Tabletcomputern ohne eigene SIM-Karte. Die Kosten für die WLAN-Installation wollen die SBB nicht mehr tragen. Stattdessen überlegen sie sich, mit dem Geld neu auch Regionalzüge mit Verstärkern auszurüsten, die den Handyempfang im Zug verbessern.

Profitieren könnten davon insbesondere die Zürcher Pendler. Für die Aufrüstung kommen laut Ginsig vor allem Strecken infrage, auf denen viele Leute unterwegs sind oder bei denen der Empfang zusätzlich durch Tunnels behindert wird. In und um Zürich ist beides der Fall.

Erstellt: 21.02.2013, 06:17 Uhr

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