«Die SNB wird noch stärker intervenieren müssen»

Schock im Devisenmarkt, nachdem die SNB die Kursuntergrenze zum Euro aufgehoben hat. Was Markt-Beobachter sagen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Das kommt völlig überraschend», sagt Devisenexperte Thomas Flury von der UBS zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Gegenüber dem Devisenmarkt hat die SNB damit ihre Kredibilität in grossem Masse verspielt», so Flury weiter. Wirtschafts-Kenner Rudolf Strahm ist schockiert: «Was den Zeitpunkt des Ausstiegs betrifft, ist das eine Fehlleistung», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

«Die SNB beugt sich dem Marktdruck, setzt aber ein Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Interventionen der vergangenen Wochen waren wohl für die eidgenössischen Währungshüter zu viel», sagt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Und weiter: «Die Bevölkerung zeigt gegenüber dem Aufbau hoher EUR-Fremdwährungsbestände Skepsis. Letztlich hatte die SNB damit auch ein Legitimationsproblem.»

«Das, was nicht passieren durfte, ist eingetreten»

Karsten Junius, Chefökonom J. Safra Sarasin, glaubt nicht, dass die SNB künftig noch glaubwürdig eine neues Währungsregime mit fixen Kursen kommunizieren kann. «Es ist unwahrscheinlich, dass in den kommenden Jahren weitere Festlegungen folgen werden. Sollte der Franken wieder Niveaus erreichen, die als zu hoch angesehen werden, wird die SNB noch stärker am Währungsmarkt intervenieren müssen.»

Ihm «fehlten die Worte», meinte ein anderer Händler. «Das, was nicht passieren durfte, ist eingetreten - die Spekulanten haben gegen die Nationalbank gewonnen», kommentierte er. Damit sei die Glaubwürdigkeit der SNB dahin.

Einen neuen Mindestkurs werde es wohl nicht mehr geben, kommentierte ein Devisenanalyst der deutschen Helaba. Die Marktteilnehmer würden wohl kein Vertrauen mehr haben, dass dieser langfristig gehalten werde. «Der Euro-Franken wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen», so die Schlussfolgerung.

Märkte und Devisen-Experten reagieren überrascht:

(Video: Reuters)

Auswirkungen des SNB-Schrittes zeigen sich am Devisen- und Aktienmarkt.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hebt überraschend den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf. Zugleich senkt sie den Zins für Guthaben auf den Girokonten um 0,5 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent, wie die SNB am Donnerstag mitteilte.

Das Ende für den Euro-Mindestkurs und die Aussicht auf schwierige Zeiten für die Schweizer Exporte haben an der Schweizer Börse für einen massiven Kurstaucher gesorgt. Um 11 Uhr notierte der Schwergewichte-Index SMI 7 Prozent schwächer auf 8555 Punkten.

* mit Material der Agentur SDA

Erstellt: 15.01.2015, 10:58 Uhr

Bildstrecke

Der zähe Kampf der Währungshüter

Der zähe Kampf der Währungshüter Der Kampf gegen den starken Franken hält die Schweizer Währungshüter schon seit Jahren auf Trab. Ein Überblick.

«Gegenüber dem Devisenmarkt hat die SNB damit ihre Kredibilität in grossem Masse verspielt»: Thomas Flury.

Artikel zum Thema

SNB hebt Euromindestkurs auf

Der Euromindestkurs von 1.20 Franken ist Geschichte: Die Nationalbank hat überraschend die Aufhebung der Untergrenze bekannt gegeben. Mehr...

EZB darf Staatsanleihen kaufen

Die Europäische Zentralbank darf nach Ansicht des Generalanwalts am EuGH Staatsanleihen von Euro-Krisenländern kaufen – unter bestimmte Bedingungen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Wollen Sie einen echten Cyborg treffen?

Ihnen gehen Technik und Innovation unter die Haut? Gewinnen Sie 2x2 VIP-Tickets für die Volvo Art Session.

Blogs

History Reloaded Vom Liebling Hitlers zum Verräter

Mamablog Aufklärung schützt vor sexueller Gewalt

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...