Die Sache ist für die Credit Suisse nicht ausgestanden

Die Grossbank hat es nicht geschafft, ihren CEO aus der Schusslinie zu nehmen. Zu viele Fragen sind unbeantwortet.

Sie dürften sich noch eine Weile mit unangenehmen Fragen konfrontiert sehen: Urs Rohner, John Tiner (links) und Flavio Romerio von der Anwaltskanzlei Homburger. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

Sie dürften sich noch eine Weile mit unangenehmen Fragen konfrontiert sehen: Urs Rohner, John Tiner (links) und Flavio Romerio von der Anwaltskanzlei Homburger. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

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Die Credit Suisse wollte reinen Tisch machen. Gestern gab die Grossbank ihre Erkenntnisse aus der Affäre um die aus dem Ruder gelaufene Beschattung ihres einstigen Topmanagers Iqbal Khan bekannt, der seit gestern für die UBS arbeitet. Die wichtigste Botschaft: ­Konzernchef Tidjane Thiam habe mit der ganzen Aktion nichts zu tun gehabt und auch nichts davon gewusst.

Das ist schwer zu glauben. Verantwortlich für die Über­wachung seien einzig der operative Chef der CS, Pierre-Olivier Bouée, und Sicherheitschef Remo Boccali gewesen. Und das seien auch die zwei Einzigen, die davon in der CS etwas wussten, heisst es. ­Deshalb müssen sie die Bank per sofort verlassen.

Bouée ist seit rund 20 Jahren ein enger Vertrauter Thiams. In verschiedenen Unternehmen arbeiteten die beiden seither zusammen. Und ausgerechnet von ihm soll Thiam nie etwas über dieses einzigartige und für das Image der Bank hoch riskante Vorgehen gegen Khan erfahren haben?

Selbst wenn Thiam nichts von der Überwachung wusste, zeugt sie von einer bedenklichen Führungskultur.

Auch die Untersuchung konnte viele Zweifel nicht ausräumen. Die Homburger-Anwälte waren gar nicht erst damit beauftragt, Thiams Verhältnis zu Khan näher zu prüfen. Dabei ist unbestritten, dass die beiden seit einem heftigen Streit im Januar verfeindet blieben. Damit hätte der Konzernchef auch ein persönliches Motiv für Khans Überwachung gehabt.

Die einzige Person, die ausserhalb der Bank etwas zum Auftrag an die Detektive sagen könnte, die Khan überwacht haben, ist der von der Credit Suisse beauftragte Mittelsmann «T», der die Detektei beauftragt hat. Doch dieser hat sich das Leben genommen, nachdem sein Name auf noch ungeklärte Weise an die Presse gelangt ist. Auch zu diesen Geschehnissen bleiben offene Fragen.

Der Credit Suisse ist es nicht gelungen, ihren Chef Tidjane Thiam aus der Schusslinie zu nehmen. Selbst wenn er nichts von der Überwachung Khans wusste, zeugt die Geschichte von einer bedenklichen Führungskultur. Die Sache ist weder für Thiam noch für die Grossbank ausgestanden.

Erstellt: 02.10.2019, 07:40 Uhr

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