Die Schweiz braucht 87'000 Informatiker

Die Nachfrage nach Informatikern steigt und steigt. Bis 2022 müssen Tausende neue Spezialisten rekrutiert werden. Der einheimische Nachwuchs reicht nicht.

Gefragt: Die Schweiz kann ihren Bedarf an IT-Spezialisten nicht selber decken.

Gefragt: Die Schweiz kann ihren Bedarf an IT-Spezialisten nicht selber decken. Bild: Keystone

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Das Berufsfeld der Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) wächst rasant. Seit 2011 ist die Zahl der Beschäftigten um 21'000 auf 197'600 gestiegen. Dieses überdurchschnittliche Wachstum von 12 Prozent stellt die Branche laut dem Berufsverband ICT-Berufsbildung Schweiz vor grosse Herausforderungen.

Die Unternehmen hätten bisher einen sehr guten Job gemacht, sagte Jörg Aebischer, Geschäftsführer des Verbandes, vor den Medien. Die Zahl der bestehenden Lehrverträge sei seit 2009 um fast einen Viertel gestiegen. Damit habe man nicht gerechnet.

Die Massnahmen der vergangenen Jahre zeigen laut Aebischer Wirkung: So habe die Zahl der Ausbildungsplätze in der beruflichen Grundbildung seit 2009 um 23 Prozent auf 8668 zugenommen. Die berufliche Grundbildung sei dabei der Schlüssel für weitere Absolventen der höheren Berufsbildung, Fachhochschulen und Universitäten, die immer stärker gefragt seien.

Mehr Lehrstellen schaffen

Das Problem des Fachkräftemangels bleibe jedoch bestehen. Die Hauptverantwortung liegt laut Aebischer bei den Unternehmen. Sie müssten deshalb massiv mehr ICT-Lehrstellen schaffen als dies heute der Fall sei.

Dies allein reiche allerdings nicht aus. Auch in Zukunft müssten die Unternehmen darum in ausreichendem Masse ausländische Fachkräfte rekrutieren können, um den inländischen Bedarf zu decken.

Gemäss der neuesten ICT-Studie wächst das ICT-Berufsfeld bereits seit 1991 viermal so schnell wie der Schweizer Durchschnitt. In einem Szenario geht der Berufsverband davon aus, dass bis 2022 aufgrund von Pensionierungen, Abwanderung sowie Wirtschaftswachstum und Strukturwandel rund 87'000 zusätzliche Fachkräfte rekrutiert werden müssen.

Zuwanderungsinitiative sorgt für Ungewissheit

Zu Unsicherheit führt insbesondere die im Februar angenommene Zuwanderungsinitiative. Bereits heute liege die Zuwanderung im Bereich ICT mit rund 12 Prozent deutlich höher als im gesamtschweizerischen Durchschnitt (7 Prozent). Dank dieser Zuwanderung liegt der ICT-Fachkräftebedarf bis ins Jahr 2022 voraussichtlich bei knapp 14'000 Personen, wie Ökonom Nils Braun ausführte.

Je nach Umsetzung der SVP-Initiative und der Einführung von Kontingenten ab 2017 könnte sich diese Zahl laut Braun jedoch mehr als verdoppeln. Aufgrund der langen Ausbildung sei es unmöglich, in den nächsten Jahren genügend qualifizierte Schweizer Fachkräfte auszubilden. Der Verband sei deshalb weiterhin auf eine überdurchschnittliche Zuwanderung angewiesen.

Der Berufsverband untersucht seit 2010 alle zwei Jahre die Situation der ICT-Fachkräfte in der Schweiz. Zudem erstellt er jeweils eine Prognose, wie viele Fachkräfte in den kommenden Jahren benötigt werden. (ldc/sda)

Erstellt: 10.09.2014, 11:50 Uhr

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