Interview

«Die Schweiz lagerte schon vor dem 2. Weltkrieg Gold in den USA»

SNB-Präsident Thomas Jordan hat heute das Geheimnis über die Auslandlagerung von Nationalbankgold gelüftet. SNB-Kenner Peter Bernholz sagt, warum die Schweiz überhaupt Gold im Ausland deponiert – und wie sie das verwenden könnte.

Nicht alles Gold der SNB lagert in der Schweiz: Das gelbe Edelmetall in einem Saferaum am Zürcher Finanzplatz.

Nicht alles Gold der SNB lagert in der Schweiz: Das gelbe Edelmetall in einem Saferaum am Zürcher Finanzplatz. Bild: Keystone

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Herr Bernholz, SNB-Präsident Thomas Jordan hat heute das Geheimnis gelüftet, wo Schweizer Gold im Ausland lagert. Warum überhaupt lagert die Schweiz Gold im Ausland?
Die Schweiz – und im Übrigen auch andere europäische Länder – hat schon vor dem Zweiten Weltkrieg Gold in den USA gelagert. Man wollte so sicherstellen, dass im Fall einer Besetzung der Schweiz ein Teil des Vermögens nicht in die Hände des Feindes fällt.

Der Zweite Weltkrieg ist nun aber schon seit fast 70 Jahren vorbei.
Das Regime des Haltens von Nationalbankgold im Ausland wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg weitergeführt. Insbesondere während des Kalten Krieges, da man die Möglichkeit eines Krieges mit der Sowjetunion wohl nicht ausschliessen konnte.

Auch der Kalte Krieg ist Geschichte. Warum denn immer noch Gold im Ausland?
Heute leben wir zwar in Friedenszeiten. Allerdings könnte man es bei dem sehr langfristigen Horizont der SNB für angebracht halten, immer noch etwas Gold im Ausland zu lagern. Man weiss ja nie, ob später nicht doch wieder neue Konflikte aufkommen könnten.

Was spricht noch dafür, nicht alles Gold zu repatriieren?
Ein weiterer Grund, Gold noch immer im Ausland zu lagern, wäre, dass man allfällige Zahlungen im Ausland mit Gold begleichen kann und sich so die Transaktionskosten spart.

Wie verhält es sich mit dem Anteil des SNB-Goldes, das im Ausland lagert, in der jüngsten Geschichte?
Wenn der Anteil des SNB-Goldes, das im Ausland lagert, heute bei 30 Prozent liegt, so war das früher sicher viel mehr. Meiner Schätzung nach könnten es bis zu 70 Prozent gewesen sein.

Warum sind es jetzt nur noch 30 Prozent? Die Reduktion auf heute 30 Prozent ist vermutlich durch die Verkäufe der sogenannten überflüssigen Goldreserven im Ausland erfolgt. Die SNB hat ja bekanntlich mehr als die Hälfte ihrer Goldreserven verkauft.

Seit rund 10 Jahren hält die Schweiz kein Gold mehr in den USA. Warum?
Die Goldlagerung in den USA war im Zweiten Weltkrieg für die europäischen Staaten, und besonders für die Schweiz, nie ganz unproblematisch. Denn die USA blockierten bekanntlich die Goldvermögen der europäischen neutralen Staaten bereits vor ihrem Eintritt in den Krieg.

Was sagen Sie als profunder Kenner der SNB und Währungsexperte zum Fakt, dass die Schweiz noch immer Gold im Ausland hält?
Ich hatte schon immer dafür plädiert, dass die SNB ihr Gold überwiegend in der Schweiz hält. Denn gerade in Krisenzeiten stellt das Gold im eigenen Land die letzte Reserve dar, auf die man immer – zum Beispiel für Importe – zurückgreifen kann. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2013, 13:54 Uhr

Peter Bernholz beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Geldpolitik, Währungen und Finanzkrisen. Der emeritierte Professor der Universität Basel ist weltweit einer der erfahrensten und belesensten Kenner der Währungsgeschichte. (F&W) (Bild: PD)

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Jordan lüftet das Geheimnis

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat erstmals bekannt gegeben, in welchen Ländern sie ihre Goldreserven lagert. 70 Prozent der insgesamt 1040 Tonnen Nationalbankgold liegen gemäss Aussagen von SNB-Präsident Thomas Jordan in der Schweiz.

Weitere 20 Prozent würden bei der Zentralbank von England gelagert und rund 10 Prozent bei der kanadischen Zentralbank, sagte Jordan gemäss Redetext an der Generalversammlung der SNB am Freitag in Bern.

In den letzten zehn Jahren sei SNB-Gold – sofern es sich nicht in Schweizer Tresoren befindet – ausschliesslich in diesen beiden Ländern aufbewahrt worden.

Bei der Auswahl der Standortländer gelange eine Reihe klar festgelegter Kriterien zur Anwendung, sagte Jordan. So sollen beispielsweise eine angemessene regionale Diversifikation und ein guter Marktzugang sichergestellt werden.

Zudem müsse ein Standortland eine hohe politische und wirtschaftliche Stabilität aufweisen und den Immunitätsschutz der Anlagen von Zentralbanken garantieren.

Bisher hat die SNB nicht bekannt gegeben, in welchen Ländern sie Goldbarren lagert. Gemäss Jordan will die SNB mit den zusätzlichen Angaben dem gestiegenen Bedürfnis nach Transparenz nachkommen und gleichzeitig vermehrt aufgetretene Fehlinformationen und falsche Vorstellungen hinsichtlich der Lagerungsorte richtigstellen.

Jordan wies in seiner Rede zudem darauf hin, dass jeder im Ausland lagernde Barren der SNB eindeutig identifizierbar sei und im Eigentum der Nationalbank verbleibe. Auch die Verfügbarkeit der Goldbestände sei jederzeit voll gewährleistet. (sda)

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