Die Schweizer sind Fairtrade-Weltmeister

Niemand kauft so viele Fairtrade-Produkte wie die Schweizer: Sie geben jährlich fast 50 Franken pro Kopf dafür aus. Welche fairen Artikel am häufigsten verkauft werden und wer am meisten davon profitiert.

Schweizer kauften letztes Jahr 28'000 Tonnen davon: Fairtrade-Bananen von Max Havelaar. (Archivbild)

Schweizer kauften letztes Jahr 28'000 Tonnen davon: Fairtrade-Bananen von Max Havelaar. (Archivbild) Bild: Keystone

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Längst gibt es fair gehandelte Produkte nicht nur im Drittweltladen im Kirchgemeindehauskeller. Im Gegenteil: In den Gestellen von Supermärkten werden Artikel mit dem Max-Havelaar-Label teilweise sogar zur Normalität.

Schweizweit sind mittlerweile rund 2000 verschiedene Fairtrade-Produkte erhältlich. Und es werden laufend mehr. In der Schweiz wurde mit ihnen im vergangenen Jahr ein Umsatz von 375,5 Millionen Franken erzielt, wie die Max Havelaar Stiftung am Freitag an einer Medienkonferenz bekannt gab. Im Vergleich zu 2011 ist der Umsatz damit um 14,3 Prozent gestiegen.

Mit zusammen 44 Prozent den grössten Anteil daran haben Bananen und Blumen. Fast 28'000 Tonnen Bananen und gegen 80 Millionen Blumen haben die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten aus dem fairen Handel gekauft. Das bedeutet, dass für jede zweite in der Schweiz verkaufte Banane den Kleinbauern in den Produktionsländern ein fairer Mindestpreis garantiert wurde.

Fairtrade lohnt sich nicht nur für Bauern

Darüber hinaus erhielten die Kooperativen der Fairtrade-Produzenten auch Mittel für ihre Entwicklung. Im Gegenzug müssen die Organisationen gewisse Arbeitsbedingungen einhalten. Ausserdem dürfen sie keine Kinder beschäftigen, müssen Boden und Wasser Sorge tragen und ein Pestizidverbot einhalten.

In einer Studie der Universität Saarbrücken wurde zudem nachgewiesen, dass sich fairer Handel nicht nur für die einzelnen Bauern und die Kooperativen lohnt, sondern oft auch in der Umgebung für einen Entwicklungsschub sorgt. Damit Fairtrade aber seine Wirkung entfalten kann, braucht es vor allem eines: Menge.

Nur wenn dauerhaft signifikante Mengen von Fairtrade-zertifizierten Produkten abgesetzt würden, könne den Produzentenorganisationen in den Entwicklungsländern auch eine Perspektive geboten werden, sagte Max-Havelaar-Geschäftsführerin Nadja Lang. Und nur mit einem wachsenden Absatz sei es möglich, dass in Zukunft noch mehr Bauern in den fairen Handel eingebunden werden könnten.

100 Franken pro Person als Ziel

Wenn in der Schweiz also mehr Fairtrade-Produkte gekauft werden, führt das dazu, dass in den Entwicklungsländern mehr Bauern von gesicherten Absatzpreisen und mehr Kooperativen von Entwicklungsbeiträgen profitieren. Mit Ausgaben von 47 Franken pro Kopf und Jahr ist die Schweizer Bevölkerung Weltmeister beim Kauf von Fairtrade-Produkten.

Vision der Max Havelaar Stiftung ist es nun, dass jede Person durchschnittlich bald schon 100 Franken pro Jahr für Artikel mit ihrem Fairtrade-Label ausgibt. Dazu wird eine Kampagne gestartet, mit welcher Schweizer Konsumenten ins Bewusstsein gerufen werden soll, welche positive Wirkung der Kauf von Fairtrade-Produkten auf die Produzenten in den Entwicklungsländern hat.

Auch Standardprodukte sind oft fair gehandelt

Inwiefern der steigende Umsatz mit Fairtrade-Produkten darauf zurückzuführen ist, dass sich Konsumenten bewusst für solche Produkte entscheiden, ist nicht klar. Denn nicht nur gibt es Max-Havelaar-Produkte oder Artikel mit anderen, weniger strengen Labeln inzwischen in fast allen Läden. Mehr und mehr stammen auch Standard- und Markenprodukte aus dem fairen Handel.

So hat beispielsweise Coop beim Kaffee, beim Reis und bei den Schokoladen letztes Jahr sein ganzes Eigenmarken-Sortiment vollständig auf Fairtrade umgestellt. Der Konsument muss sich also nicht mehr bewusst für ein Fairtrade-Produkt entscheiden, sondern bekommt ein solches einfach, wenn er ganz normal einkauft.

Die Sortimentsumstellung bei Coop trug aber dazu bei, dass der Absatz von fair gehandeltem Kaffee 2012 in der Schweiz mengenmässig um 55 Prozent und wertmässig um knapp ein Drittel stieg. Der Absatz mit Schokolade kletterte um 52 Prozent nach oben, derweil beim Umsatz ein Plus von fast 45 Prozent zu verzeichnen war.

Regeln für Label werden gelockert

Beim Kaffee beträgt der Marktanteil der Max-Havelaar-Produkte mittlerweile zwischen 9 und 10 Prozent. Immer mehr werden zudem fair gehandelte Rohstoffe auch für verarbeitete Produkte verwendet, etwa für Joghurt und Milchgetränke. Regel dabei ist, dass alle von der Südhalbkugel stammenden Rohstoffe Fairtrade-zertifiziert sein müssen, damit auch das verarbeitete Produkt das entsprechende Label tragen kann.

Demnächst wird Max Havelaar es aber sogar ermöglichen, dass selbst Produkte, wo nur ein Teil der Rohstoffe aus dem fairen Handel stammt, ein Label bekommen. Das ist etwa dann sinnvoll, wenn nicht alle Rohstoffe in ausreichender Menge im fairen Handel erhältlich sind. Solche Produkte werden aber speziell gekennzeichnet, um gegenüber den Konsumenten mit offenen Karten zu spielen.

Diese Aufweichung des Labels helfe aber, dass von den ausreichend vorhandenen Fairtrade-zertifizierten Rohstoffen – wie beispielsweise Kakao – mehr abgesetzt werden kann. «Für den Kakaobauer spielt es schliesslich keine Rolle, ob dem Schokoladenhersteller auch von anderen Inhaltsstoffen ausreichend Fairtrade-zertifizierte Ware zur Verfügung steht», sagte Lang. (fko/sda)

Erstellt: 12.04.2013, 22:40 Uhr

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