Die Swiss muss 200 Millionen Franken sparen

Die alten Jumbolinos verursachen unerwartet hohe Unterhalts- und Treibstoffkosten. Jetzt wird der Rotstift angesetzt.

Braucht viel Kerosin und stösst viel CO2 aus: Der Jumbolino der Swiss. Foto: Fabrice Coffrini (AFP)

Braucht viel Kerosin und stösst viel CO2 aus: Der Jumbolino der Swiss. Foto: Fabrice Coffrini (AFP)

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Eigentlich könnten bei der Swiss alle zufrieden sein, hat doch die Swiss International Air Lines im dritten Quartal 2013 deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 2 Prozent auf 1389 Millionen Franken, woraus ein um 11 Prozent höherer Gewinn von 137 Millionen Franken resultierte. In den ersten neun Monaten schauten sogar 209 Millionen Franken heraus.

Ineffiziente Flieger

Trotzdem reagiert die Lufthansa-Tochter mit der Verschärfung ihres Sparprogramms. Denn angesichts der Milliardeninvestitionen in neue Flugzeuge braucht die Swiss nach eigenen Angaben einen Gewinn von 450 Millionen Franken, wenn sie nicht in die Verschuldungsfalle geraten will, an der schon manche Fluggesellschaft – unter anderen auch die Swissair – gescheitert ist. Wenig hilfreich dabei ist, dass die Nachfrage bei Passagieren aus Indien und Japan schwächelt und auch im wirtschaftlich darbenden Südeuropa sich der Zustrom in Grenzen hält.

Hauptgrund für die verschärften Sparanstrengungen ist die mittlerweile veraltete Kurzstreckenflotte mit ihren 20 Jumbolinos, oder Avros, wie sie offiziell heissen. Das Flugzeug ist in die Jahre gekommen und sollte schon 2001 durch Embraer ersetzt werden. Doch aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage kam es im Sommer 2006 zur Kehrtwende: Die Embraer wurden wieder ausgeflottet und zur Lufthansa nach Frankfurt verschoben. Geblieben sind in der Schweiz die Jumbolinos, die mittlerweile als CO2-Schleudern gelten. Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Atmosfair aus Berlin zeigt, dass die CO2-Effizienz der Swiss-Regionalflotte auf dem Niveau der Ethiopian Airlines liegt (siehe Grafik).

Nun ist das nicht nur umweltpolitisch ein Problem, sondern wegen der in den letzten Jahren massiv gestiegenen Kerosinpreise auch ein ökonomisches. Denn nicht alles lässt sich über die Benzinzuschläge auf die Passagiere abwälzen. Weiter kommt hinzu, dass die Ersatzteile für die Avros immer teurer werden, wie Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann bestätigt. Diese Entwicklung war zwar eigentlich vorhersehbar, doch offensichtlich wurde der Effekt unterschätzt. Mühlemann: «Obwohl wir massgebliche Optimierungen bei den Checks erzielen konnten, etwa indem wir grosse Wartungen in London durchführen lassen, bei einem der wenigen Betriebe in Westeuropa, die noch gutes Know-how auf dem Flugzeugtyp haben, werden die Checks aufgrund des Flottenalters immer aufwendiger.»

Heikle Sicherheitsaspekte

Auch bezüglich der Flugsicherheit sind die Jumbolinos nicht mehr mit den heutigen Modellen vergleichbar. So kam es am 20. Juli 2011 zu einem von der Flug-sicherheitsbehörde (Sust) als «schwerer Vorfall» taxierten Ereignis. Dies, weil «die Besatzung nach dem Ausfall eines einzelnen Systems die verbliebenen Systeme nicht zweckmässig einsetzte und eine sichere Führung des Flugzeuges zeitweise nicht mehr gewährleistet war». Da aufgrund des zunehmenden Alters der Flugzeuge «die Steuerung mit Hilfe der Notinstrumente (. . .) wahrscheinlicher» wird, empfahl das Sust eine Nachrüstung, weil sich «damit die Sicherheit bei Systemausfällen erhöhen» würde. Laut Swiss-Sprecherin Mühlemann hat man aber auf die Umsetzung dieser Empfehlung verzichtet.

Ein heikler Entscheid, vor allem auch weil der Ersatz der Flieger länger dauert als geplant. Zwar unterzeichnete die Lufthansa als Eigentümerin der Swiss und weltweit erste Fluggesellschaft im März 2009 einen Kaufvertrag über 30 Bombardier CS100, welche die Avro RJ100 ersetzen sollen. Doch mit der Bestellung harzt es. Der Erstflug hat sich dreimal verschoben, bis er vor gut einem Monat endlich stattfand. Statt bereits im zweiten Halbjahr 2014 kommen die Flieger denn auch frühestens im Frühjahr 2015 zur Swiss.

Statt ursprünglich 115 Millionen Franken werden deshalb mittlerweile über 200 Millionen gespart. So wurde etwa ein Teil der Verwaltung nach Krakau in Polen ausgelagert. Die Flieger werden neu trocken gewaschen. Und die Passagiere sollen dazu gebracht werden, für neu erfundene Zusatzleistungen, wie kostenlose Reservationen und garantierte Preise, zusätzlich zu bezahlen.

Erstellt: 08.11.2013, 21:52 Uhr

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