«Die Touristen sollen nicht nur einfach ein Foto machen»

Er lässt in Basel das Rekordgebäude von 205 Metern Höhe bauen, Roche-Chef Severin Schwan. Er spricht über Gründe – und wird politisch.

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Kommendes Jahr beziehen rund 2000 Roche-Mitarbeiter ihren neuen Arbeitsplatz im neuen Bau 1, dem inzwischen höchsten Gebäude der Schweiz. Damit rückt die Roche mit dem Plan, alle Mitarbeiter in der Stadt rund um den Hauptsitz an der Grenzacherstrasse zu vereinen, ein grosses Stück näher. Doch nicht nahe genug – seit man 2006 mit der Planung des 178-Meter-Hochhauses begonnen hat, ist der Pharmagigant nämlich weiter gewachsen.

Im Interview mit der Basler Zeitung erklärt Roche-CEO Severin Schwan, warum man bereits vor der Fertigstellung des Bau 1 einen noch höheren Turm nebenan plant. Das Hochhaus ist Teil eines Zehnjahresplans, bei dem der Konzern insgesamt 3 Millarden Franken in Basel investiert.

Severin Schwan, mit dem geplanten 205-Meter-Hochhaus erhält der 2015 vollendete Bau 1 sozusagen einen grossen Zwillingsbruder – warum diese enorme Verdichtung auf dem Roche-Areal?
Diese Investitionen insgesamt – nicht nur im Bau 2, sondern auch bei den anderen Gebäuden – sind letztlich die Folge unseres geschäftlichen Erfolgs über die letzten Jahre. Wir haben in der Region sehr stark Arbeitsplätze aufgebaut und wir werden Ende 2015, also nachdem wir bereits in den Bau 1 eingezogen sind, immer noch 3000 der insgesamt 9000 Arbeitsplätze über die ganze Stadt verteilt haben. Das ist der Auslöser für die weitere Verdichtung auf dem Nordareal.

Der Bau 1 hat inzwischen bereits sehr konkrete Formen angenommen, die Reaktionen in der Stadt sind sehr gespalten – welche Reaktionen erwarten sie jetzt nach der Ankündigung eines noch höheren Zwillingsbruders?
Die initialen Reaktionen in den Vorgesprächen mit der Politik, den Behörden, aber auch den Nachbarn waren insgesamt sehr positiv. Ich glaube, die Bevölkerung freut sich darüber, dass wir dem Standort Basel treu sind, wir haben ja schon seit fast 120 Jahren unsere Wurzeln hier, dass wir hier investieren, Arbeitsplätze schaffen und dass wir hier Steuern zahlen. Zudem legen wir auch einen grossen Wert auf die Architektur und wie sich dieses Gebäude und dieses Areal insgesamt in die Stadt einfügt.

Auf den ersten Visualisierungen sieht der geplante Bau 2 dem Bau 1 sehr ähnlich. Kommen also auch hier wieder die Basler Architekten von Herzog & de Meuron zum Zug?
Wir haben mit Herzog & de Meuron zusammengearbeitet, um mit dem Masterplan die langfristige Areal-Entwicklung zu definieren – und damit auch die grundsätzlichen Strukturen des neuen Areals. Aber die Ausschreibungen zu den einzelnen geplanten Gebäuden werden offen sein. Es können durchaus andere Architekturbüros zum Zug kommen.

Ein markantes Gebäude wie der 205 Meter hohe Bau 2 wird auch in der Bevölkerung auf grosses Interesse stossen. Wird das Hochhaus auch öffentlich zugänglich gemacht werden?
Wir werden wie in der Vergangenheit ein sehr intensives Besucherprogramm anbieten. Uns ist aber wichtig, dass die Touristen nicht einfach in Bussen anfahren, kurz aufs Dach steigen und ein Foto vom Münster machen. Wir wollen die Besucher in ein Führungsprogramm integrieren, in dem wir auch unsere Aktivitäten und unsere Geschichte vorstellen können. Das werden wir mit dem Bau 1 intensivieren und das gleiche wird für die neuen Investitionen gelten.

Inwiefern kann die Roche bei den neuen Projekten von den Erfahrungen des Bau 1 profitieren? Hier kann man bestimmt Synergien nutzen – nicht nur architektonisch, sondern auch in Bezug auf Anwohner oder den Baustellenverkehr.
Das ist von grossem Nutzen, keine Frage. Alle Kommunikationskanäle sind bereits etabliert. Wir kennen unsere Ansprechpartner auf Behördenseite und haben regelmässigen Kontakt mit den Nachbarn. Es ist sehr viel Vertrauen geschaffen worden – und darauf können wir jetzt aufbauen.

Erwarten sie dennoch Widerstand aus dem Quartier oder aus dem Parlament? Der Bebauungsplan für die Grenzacherstrasse Nord muss ja zuerst auch vom Grossen Rat angenommen werden.
Die ersten Reaktionen sind sehr, sehr positiv. Von daher bin ich auch sehr zuversichtlich.

Falls der Bebauungsplan zu den Roche-Investitionsplänen an der Grenzacherstrasse im Grossen Rat entgegen den Erwartungen von Severin Schwan nicht durchkommen sollte, stünde man bei Roche vor einem Scherbenhaufen, wie der bald 47-jährige Österreicher bei der Präsentation am Mittwochmorgen andeutete: «Bei einem Nein im Basler Parlament hätten wir tatsächlich ein Problem – das wäre ein Show-Stopper.» Aktuell hat der Bau 2 den Status einer Machbarkeitsstudie. Anfang 2015 wird der Bebauungsplan eingereicht, es folgen ein Genehmigungsverfahren mit öffentlicher Planauflage und der Beschluss im Grossen Rat.

Vor versammelten Medien schlug Severin Schwan zudem politische Töne an. Nachdem er zunächst die Wichtigkeit von Roche für die Schweiz aufzeigte, wo der Konzern mehr Steuern bezahle als er Umsatz generiere, betonte der CEO, dass man sich auch künftig in die Diskussionen zu den politischen Rahmenbedingungen in der Schweiz und in Basel einbringen will. Konkreter wird Schwan später, als er gefragt wird, ob der Ausbau in Basel nicht heikel sei in Anbetracht der angenommenen Masseneinwanderungsinitiative und Roches ungebrochenem Bedarf an ausländischen Fachkräften.

«Wenn es drauf ankommt, siegt der Hausverstand», befand Schwan. Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative bereite ihm zwar keine Freude, doch er vertraue weiter auf pragmatische Lösungen mit Politik und Behörden. Zudem sei der jetzige Ausbau das Resultat von vergangenen Verlagerungen.

Dennoch ist man natürlich auch in Basel weiter auf ausländische Fachkräfte angewiesen. «Eine Annahme der Ecopop-Initiative wäre verheerend für uns», betont Schwan. Er hofft auf ein deutliches Nein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.10.2014, 07:28 Uhr

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