Die Weko lädt sich viel Arbeit auf

Nach der immer noch laufenden Libor-Untersuchung wollen die Wettbewerbshüter jetzt den Devisenhandel auf mögliche Manipulationen abklopfen. Mit Ergebnissen ist wohl erst in über zwei Jahren zu rechnen.

Die Weko untersucht unter anderem auch die UBS.

Die Weko untersucht unter anderem auch die UBS. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Untersuchung, welche die Wettbewerbskommission (Weko) gestern gegen eine Reihe in- und ausländischer Banken eröffnet hat, lässt sich hinsichtlich Umfang und Komplexität durchaus mit der immer noch laufenden Libor-Untersuchung vergleichen. Während es bei Letzterer um Absprachen zur Manipulation wichtiger Referenzzinssätze geht, untersucht die Weko neu auch mögliche wettbewerbswidrige Abreden zwischen ­Banken zur Beeinflussung von Wechselkursen im Devisenhandel. Wie bei der Libor-Untersuchung, die im Februar 2012 eingeleitet wurde, dürfte es auch bei der Untersuchung im Devisenhandel mehr als zwei Jahre dauern, bis die Weko Ergebnisse vorlegen kann.

Laut Olivier Schaller, Vizedirektor im Weko-Sekretariat, stehen die Wettbewerbswächter erneut vor der «Herkulesaufgabe», enorme Mengen an Daten und Informationen zu sichten und zu durchleuchten. Und wie im Libor-Fall komme auch im Devisenhandel die internationale Dimension hinzu, die nicht nur den Durchblick und das Verständnis für ­diesen Markt erschwere, sondern auch die Beschaffung von Auskünften im Ausland «viel komplizierter macht». Ungefähr vier Leute, so Schaller, seien mit der Untersuchung im Devisenhandel beschäftigt, wobei es sich zum Teil um dieselben handle, die schon mit dem Libor-Fall befasst seien.

Suche nach Kronzeugen

Die Untersuchung richtet sich zum einen gegen die vier Schweizer Institute UBS, Credit Suisse, Julius Bär und Zürcher Kantonalbank; ebenfalls involviert sind zum andern die zwei US-amerikanischen Häuser J. P. Morgan Chase und Citigroup sowie die beiden britischen Akteure Royal Bank of Scotland und Barclays. Während sich die übrigen betroffenen Banken mit ­offiziellen Verlautbarungen zurückhielten, zeigte sich die Credit Suisse in einem Communiqué befremdet über das Vorgehen der Weko. Gleichwohl will die Grossbank «uneingeschränkt» mit den Wettbewerbshütern kooperieren.

Ob die Weko ihre Untersuchung im Devisenhandel aufgrund einer Selbstanzeige eröffnet hat – wie im Libor-Fall –, und ob sich eine der involvierten Banken als Kronzeugin anerboten hat, wie seinerzeit die UBS, wollte Schaller auf Anfrage nicht bekannt geben. «Wir schützen unsere Quellen», sagte der Weko-­Vizedirektor. Daher gebe es hierzu derzeit nichts zu sagen. Ende Februar hatte die Agentur Bloomberg unter Berufung auf zwei nicht genannte Quellen berichtet, dass die UBS nun auch bei den mutmasslichen Devisenmarkt-Manipulationen eine Kronzeugenregelung bei europäischen und amerikanischen Aufsichtsbehörden anstrebe. Auf diese Weise könnte die Grossbank in den Genuss einer spürbaren Reduktion der Busse kommen, die sie für das Fehlverhalten von einigen ihrer Devisenhändler wohl aufgebrummt bekommt. Ein Sprecher der UBS wollte gestern keine Stellung zu dem Thema nehmen.

Gemäss ihrer Mitteilung hat die Weko «Anhaltspunkte» dafür, dass die genannten Banken «Wettbewerbsabreden zur Manipulation von Wechselkursen im ­Devisenhandel getroffen» hätten. Sie will ihr Augenmerk besonders auf folgende Tatbestände richten: Austausch von vertraulichen Informationen; Koordination bei Transaktionen mit anderen Marktteilnehmern zu abgesprochenen Preis­­ni-veaus; koordinierte Handlungen zur Beeinflussung der täglichen Referenzkursfestlegung im Rahmen des WM/Reuters-Fixings; Koordination beim Kauf und Verkauf von Devisen zulasten bestimmter Gegenparteien. Der Zeitrahmen der Untersuchung erstreckt sich laut Schaller über «einige Jahre bis 2013».

«Sehr viel zu tun»

Gefragt nach der Arbeitsbelastung der Weko angesichts der beiden Riesen­dossiers Libor und Devisenhandel, sagte Schaller, es gebe «derzeit schon sehr viel zu tun». Daneben müsse sich der Weko-Bereich Dienstleistungen auch mit der Hotelbuchungs-Plattform, der elektronischen Medikamenteninformation sowie den Interchange-Gebühren bei Kreditkarten befassen. Bei den drei letzteren Untersuchungen geht der Weko-Vize­direktor von einem Abschluss noch im laufenden Jahr aus.

Erschwerend kommt für die Weko hinzu, dass das Abkommen mit der EU in Wettbewerbsfragen noch nicht ratifiziert ist. Dies behindert den Informationsaustausch mit ausländischen Wettbewerbsbehörden. Davon abgesehen, so Schaller, stehe man mit den Kollegen im Ausland in gutem Kontakt. Gleiches gelte für die Finanzmarktaufsicht (Finma), die bereits im letzten Oktober über eine Untersuchung gegen mehrere Schweizer Banken informiert hatte.

Erstellt: 01.04.2014, 06:51 Uhr

Artikel zum Thema

Was tat Julius Bär im Devisen-Chat-Raum?

Ein langjähriger Bär-Trader betreute einen Staatsfonds aus dem nahen Osten, dessen Aufträge für Spekulationen benutzt werden konnten. Mehr...

Absprachen im Devisenhandel: Weko eröffnet Untersuchung

Mehrere Banken sollen sich für die Manipulation von Wechselkursen abgesprochen haben. Nun untersucht die Wettbewerbskommission den Fall. Im Fokus stehen Schweizer Grossbanken und ausländische Institute. Mehr...

Ärger bei der Credit Suisse

Auch die Credit Suisse figuriert auf der ­Verdachtsliste der Weko. Ihren Unmut darüber äusserte die Bank gestern in scharfem Ton. «Mit Befremden» nehme man die Mitteilung der Weko zur Kenntnis, schrieb die CS ihrerseits in einem Communiqué. Von «Informationen, welche nicht zutreffen» und von «unangebrachten und rufschädigenden» Vorwürfen ist dort die Rede.

Dass sich eine Partei im Zusammenhang mit behördlichen Ermittlungen derart offensiv äussert, ist selten. Die CS widerspricht der Weko diametral. Gewöhnlich bekräftigen Unternehmen in solchen Fällen lediglich ihren Willen, vollumfänglich mit den Behörden zu kooperieren – auch wenn sie überzeugt sind, kein Unrecht begangen zu haben.

Rafael Corazza, Direktor der Weko, betont, dass eine Untersuchung nicht gleichbedeutend sei mit einer Vorverurteilung. Allerdings müssten konkrete Verdachtsmomente vorliegen, damit eine Untersuchung wegen möglicher Absprachen eröffnet und dabei eine Partei namentlich erwähnt werde.

Die Credit Suisse bewegt sich kommunikativ auf dünnem Eis. Diese Einschätzung wird von Fachpersonen bestätigt, mit denen der TA gesprochen hat. Im Rahmen der Vorabklärungen könne die Weko bereits an umfangreiches Material gekommen sein, welches die CS und andere Banken belastet.

Ursache für den Ärger bei der CS dürfte die Tatsache sein, dass die Grossbank im Gegensatz zu anderen Instituten nicht in die Vorabklärungen der Weko mit einbezogen wurde. Dieses selektive Vorgehen ist gesetzeskonform und sei nicht unüblich, sagen Fachpersonen. Ob der Credit Suisse dadurch Nachteile ­erwachsen, bleibt vorerst offen. (ssc)

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Blogs

Sweet Home 1 Grillpoulet – 10 Rezeptideen

Geldblog Wo kann ich noch rentabel investieren?

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Gespenstische Stimmung: Ein Vogel fliegt während des letzten Vollmondes des Jahres über den Statuen der Katholischen Hofkirche in Dresden. (12. Dezember 2019)
(Bild: Filip Singer) Mehr...