Die gefährlichsten Banken der Welt

Eine Liste der japanischen Finanzaufsicht zeigt, welche Banken für das globale Finanzsystem besonders wichtig sind und nicht kollabieren dürfen.

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Welche Banken sind für das Weltfinanzsystem besonders systemrelevant? Dieser Frage gehen die Finanzwächter der einzelnen Länder seit der Finanzkrise nach. Ihre Erkenntnisse dienen schliesslich dem internationalen Finanzstabilitätsrat (FSB) als Entscheidungsgrundlage: Ziel der Finanzaufseher ist eine definitive Liste von etwa 30 international systemrelevanten Banken. Diese Banken müssen ab 2019 mehr Eigenkapital als Puffer für neue Krisen vorhalten als die übrigen Banken.

Die japanische Zeitung «Mainichi Daily News» hat nun die Liste der Finanzaufseher aus Tokio publik gemacht. Die bisher geheime Studie beinhaltet die 60 global systemrelevantesten Banken aus japanischer Sicht.

Deutsche Bank an der Spitze

Das Ergebnis ist, was den Spitzenplatz anbelangt, durchaus überraschend: Das wichtigste Geldhaus der Welt ist die Deutsche Bank. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die amerikanischen Grossbanken Goldman Sachs und JP Morgan Chase. Die japanischen Finanzwächter gehen davon aus, dass ein Kollaps der Deutschen Bank schlimmere Auswirkungen auf das globale Finanzsystem hätte als der Zusammenbruch eines anderen Instituts.

«Grund für den Spitzenplatz dürfte sein, dass die Deutsche Bank mit anderen Spielern auf den Finanzmärkten stark vernetzt ist», kommentiert die Zeitung «Financial Times Deutschland» (FTD). «Jedoch ist es überraschend, dass dies bei den Frankfurtern stärker der Fall sein soll als bei den grossen US-Rivalen.» Gemäss deutschen Medienberichten wollte die Deutsche Bank die japanische Liste nicht kommentieren.

Japan will Deutsche Bank ausbremsen

Einzelne Zeitungskommentatoren vermuten, dass die Deutsche Bank am geplanten Wachstum im Fernen Osten gehindert werden soll. «Die Einstufung der Deutschen Bank als besonders systemrelevant ist offensichtlich der Versuch der japanischen Finanzwelt, einen immer stärker werdenden Konkurrenten auszubremsen», schreibt die «Osnabrücker Zeitung».

Sollte sich Japan mit dieser Einstufung im internationalen Finanzstabilitätsrat durchsetzen, müsste die Deutsche Bank einen erheblichen Teil ihres Kapitals auf die hohe Kante legen müssen, um in Krisenzeiten nicht auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein. Mit diesem Geld können dann auch keine Gewinne erwirtschaftet werden. Und dies kommt den Ambitionen der Frankfurter Banker in die Quere. Denn die Deutsche Bank will in den nächsten Jahren ein Viertel der Gewinne im Fernen Osten erzielen.

Auf der zitierten Liste taucht die erste japanische Bank erst auf Platz 19 auf. Es handelt sich um die Bank Nomura.

Schweizer Banken in den Top Ten

Wie die japanische Liste weiter zeigt, sind die beiden Schweizer Grossbanken ebenfalls unter den zehn wichtigsten Geldhäusern der Welt zu finden. Die Credit Suisse (CS) belegt Rang 6 und die UBS Rang 8.

Bis Mitte 2011 will der internationale Finanzstabilitätsrat (FSB), der mit Bankaufsehern aus der ganzen Welt besetzt ist, eine Liste mit internationalen Banken erstellen, deren Kollaps das Finanzsystem ins Wanken bringen könnte. Diese sollen zusätzliche Kapitalpuffer vorhalten, um die Gefahr eines Zusammenbruchs bei grossen Krisen zu verringern. Und diese Gefahr macht die Steuerzahler erpressbar, weil die grossen Institute auf jeden Fall vor einem Kollaps gerettet werden müssen («Too big to fail»-Problem). Insofern sind die wichtigsten Banken der Welt auch die gefährlichsten. (vin)

Erstellt: 31.12.2010, 14:01 Uhr

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