Die heikle Kehrtwende von Raiffeisen

Die Schweizer Bankengruppe fährt mit der Beteiligung am Derivatespezialisten Leonteq einen Zick-Zack-Kurs. Das sorgt für Irritation.

Kommando zurück: Guy Lachappelle, der VR-Präsident von Raiffeisen. (Keystone/Walter Bieri/1. März 2019)

Kommando zurück: Guy Lachappelle, der VR-Präsident von Raiffeisen. (Keystone/Walter Bieri/1. März 2019)

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Raiffeisen Schweiz legt mit Blick auf die Beteiligung am Derivate-Anbieter Leonteq eine 180-Gradwende hin. Noch im März hatte Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle erklärt, das Beteiligungsportfolio weiter zu entrümpeln zu wollen. Der Anteil von Leonteq sollte von 29 Prozent auf 19 Prozent gesenkt werden.

Nun heisst es: Kommando zurück. Raiffeisen Schweiz hält an der 29-prozentigen Beteiligung an Leonteq fest, teilte die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz mit. Ferner will Raiffeisen auch wieder einen Vertreter in den Verwaltungsrat von Leonteq entsenden: Es handelt sich um Dominik Schärer, Partner der JBV Vermögensverwaltung und eine Art Profi-Verwaltungsrat. Seit Februar war ein Sitz im Verwaltungsrat von Leonteq vakant, nachdem der früherer Raiffeisen-Vertreter Paulo Brügger zurück getreten war. Brügger war zuvor aus der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz ausgeschieden.

Warum der Verwaltungsrat von Raiffeisen mit Blick auf Leonteq seine Meinung geändert hat, bleibt trotz Nachfragen nebulös. «Die sehr gute Marktposition von Leonteq (…) und das grosse Wachstumpotential (...) stimmen positiv», erklärte ein Sprecher lediglich.

Die Kritik der Finma

Die Kehrtwende ist indes heikel: Denn die Mehrfachrolle Raiffeisens bei Leonteq waren ein Kritikpunkt der Aufsicht Finma. In der Ära von Ex-Chef Pierin Vincenz hatte Raiffeisen 2013 ein erstes Aktienpaket von 20 Prozent gekauft. Kurz danach erhielt Leonteq-Gründer Jan Schoch eine günstige Raiffeisen-Hypothek für seine Villa. Ferner begab Raiffeisen an Leonteq eine Kreditlinie von 400 Millionen Franken, dabei wurde der Verwaltungsrat von Raiffeisen umgangen.

Kurz darauf wiederum zog Ex-Raiffeisen-Manager Patrik Gisel bei Leonteq im Verwaltungsrat ein. Ohne explizit Leonteq zu nennen, kritisierte die Finma diese Beteiligungspolitik. «Diese führten oft zu Rollenkumulationen und Interessenkonflikte», monierte die Finma in ihrem Enforcement-Entscheid.

Zur Rolle Rückwärts der Raiffeisen machte die Finma keine Angaben. Raiffeisen selbst verweist darauf, dass die Finma selbst Beteiligungen «per se aufsichtrechtlich unproblematisch» seien, so die Kontrollen funktionierten. Entsprechende Massnahmen habe Raiffeisen umgesetzt. So nimmt kein Geschäftsleitungsmitglied von Raiffeisen Schweiz Einsitz im Verwaltungsrat von Leonteq, sondern ein externer Experte – so würden Rollenkumulationen vermieden, so Raiffeisen.

Aktie hat zugelegt

Für Leonteq ist die Kehrtwende eine gute Nachricht. Die Aktie litt darunter, dass Raiffeisen ein grosses Paket auf den Markt werfen könnte. Diese Unsicherheit ist nun weg, die Aktie legte zu.

Laut Finanzkreisen hätte die Leonteq-Führung mehrfach bei Lachappelle vorgesprochen, damit die Kreditgenossen endlich Klarheit schaffen. «Der stete Druck hat geholfen», so eine Quelle. Leonteq selbst erklärte dazu: «Zu den Themen, die wir mit den Aktionären besprechen, äussern wir uns nicht in der Öffentlichkeit.»

Erstellt: 17.07.2019, 20:22 Uhr

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