«Die kleine Schweiz – ein Fels im globalen Sturm»

Eine renommierte US-Zeitschrift vergibt der Schweizer Finanzpolitik beste Noten. Das Land stehe nach der Krise besser da als zuvor. Und nennt dafür vier Gründe.

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Die Schweiz erhält viel Lob für ihre Finanzmarkt- und Wirtschaftspolitik. Das Lob kommt aus den USA: Die Zeitschrift «Newsweek» schreibt, dass «die kleine Schweiz ein Fels im globalen Sturm» sei. Vor zwei Jahren – auf dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise – sei auch der Finanzplatz Schweiz heftigen Turbulenzen ausgesetzt gewesen. Die Schweiz habe aber vieles besser gemacht als andere Länder. In einer Analyse nennt die renommierte US-Zeitschrift vier Punkte.

Die Schweizer Behörden und die Schweizerische Nationalbank (SNB) hätten schneller und konsequenter gehandelt als in den meisten anderen Länder. Schon Monate vor dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 habe die Schweiz an einem 68 Milliarden schweren Rettungsplan für die taumelnde UBS gearbeitet, schreibt «Newsweek». Als es kritisch geworden sei, habe die Nationalbank die faulen UBS-Papiere übernommen. Ausserdem habe der Bund eine Wandelanleihe von sechs Milliarden beschlossen. «Die Schweiz handelte ganz anders als die Behörden in den USA oder in Europa, die erst in letzter Minute für ihre Krisenbanken chaotische Rettungspläne beschlossen, die fortdauernde Probleme hinterlassen haben.»

Mehr Kundenvertrauen dank strengerer Regulierung

Zudem, so «Newsweek», erkannten die Schweizer schneller, dass schärfere Regulierungsvorschriften für die Grossbanken nicht nur die Gefahr von neuen Grosskrisen und Rettungsaktionen mit Steuergeldern vermindern, sondern sogar vorteilhaft für das Geschäft der Banken sind. Weil die Schweizer Banken dank dem entschlossenen Regulierungsdruck im internationalen Vergleich krisenfester und solider seien, steige auch das Vertrauen der wichtigsten Kunden – also der Reichen der Welt, die ihre Vermögen von Schweizer Bankern verwalten lassen.

Als dritten Punkt erwähnt «Newsweek» die Pläne, dass UBS und CS künftig ihre Aktiven mit 19 Prozent Eigenmitteln absichern sollen – das sind fast dreimal mehr als der neue globale Regulierungsstandard (Basel III) vorsieht, der ab 2019 gelten soll. In diesem Zusammenhang lobt die US-Zeitschrift die Arbeit des 47-jährigen SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand, der sich für strengere Regeln eingesetzt habe. Vorbildlich sei auch, dass die Schweizer Banken zu den ersten Finanzinstituten der Welt gehörten, die neue Vorschriften für Topmanager-Gehälter und Boni beschlossen. Diese Vorschriften sollen Lohnexzesse, die als ein Grund der Finanzkrise gelten, verhindern.

«Newsweek»: Die Welt müsste dem Vorbild der Schweiz folgen

Erwähnung finden im «Newsweek»-Artikel auch die Vorschläge der vom Bundesrat eingesetzten Expertenkommission unter dem Vorsitz von Peter Siegenthaler. Diese empfiehlt nicht nur strengere Eigenmittelvorschriften und höhere Liquiditätsreserven, sondern auch, dass die Grossbanken selber Krisenszenarien ausarbeiten müssen, um systemrelevante Geschäftsteile bei drohendem Konkurs weiterführen zu können. So sollen der Zahlungsverkehr oder das Kreditwesen in der Schweiz in eine eigenständige Gesellschaft ausgelagert werden können. Die CS reagierte bereits auf die Forderungen der «Too big to fail»-Kommission und hat Pläne für ihre Aufspaltung: Zahlungsverkehr und Kreditgeschäfte könnten im Krisenfall an eine Tochtergesellschaft übertragen werden. «Auch hier», so Newsweek, «ist die Schweiz den anderen Ländern weit voraus.»

Fazit der US-Zeitschrift: Die rasche Rückkehr zu einem stabilen Bankensystem und zu einer funktionierenden Wirtschaft zeige, «dass die Welt Schlimmeres tun könnte, als dem Vorbild der Schweiz zu folgen». (vin)

Erstellt: 28.12.2010, 11:11 Uhr

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