Die müden Gegner des WEF

Den Globalisierungsgegnern ist die Lust am Demonstrieren vergangen, seitdem in Davos die Sicherheitsmassnahmen massiv verstärkt worden sind. Stattdessen setzen sie auf einen anderen Weg.

Die Zeiten der grossen WEF-Gegendemonstrationen sind vorbei: David Roth, Präsident der Jungsozialisten, vor einem Iglu des WEF-Protestcamps von 2012. (23. Januar 2012)

Die Zeiten der grossen WEF-Gegendemonstrationen sind vorbei: David Roth, Präsident der Jungsozialisten, vor einem Iglu des WEF-Protestcamps von 2012. (23. Januar 2012) Bild: Keystone

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Krawatten neben Kongress-Badges, Limousinen neben WEF-Shuttles, teure Mäntel neben Polizeiuniformen: Das Weltwirtschaftsforum dominiert derzeit das verschneite Davos. Es herrscht viel Betrieb, doch wenig Unruhe. Polizei und Armee haben alles unter Kontrolle.

Bis vor einigen Jahren war dies noch anders. Hunderte Globalisierungsgegner, Kapitalismuskritiker und Umweltaktivisten pilgerten anlässlich des Forums der Mächtigen jeweils nach Davos oder versuchten dies zumindest. Der Protest der meisten war kreativ und friedlich, derjenige einiger weniger aber gewalttätig.

In den Jahren 2000 und 2001 eskalierte die Gewalt, nicht nur in Davos, sondern auch in Landquart GR und Zürich. In der Folge distanzierten sich viele Organisationen von Kundgebungen anlässlich des WEF.

«Unglaublicher Aufwand»

Die Massnahmen zur Sicherung des WEF wurden massiv verstärkt, manche Kritiker des Forums sprechen von der «Festung Davos». Der Wille, in den Bündner Ferienort zu reisen und zum Beispiel durch künstlerische Darstellungen auf Missstände in der Welt aufmerksam zu machen, hat seither stark nachgelassen.

Die Schikanen auf der Anreise nach Davos seien «Gift für die Mobilisierung», sagt JUSO-Präsident David Roth. Er war vor zwei Jahren einer der Mitorganisatoren beim Bau eines Iglu-Dorfs unter dem Motto «Occupy-WEF». Davos sei isoliert, sagt Roth: «Für die Durchführung einer Aktion muss ein unglaublicher Aufwand betrieben werden.» In diesem Jahr habe man sich bewusst gegen eine Protestaktion entschieden und unterstütze stattdessen ausschliesslich die bewilligte Demonstration der Davoser Grünen.

Mit dem bewussten Verzicht ist Roth nicht alleine: Tatsächlich wurden am Rande des WEF 2014 nur drei Protestaktionen von den Behörden bewilligt. Es gingen aber auch nur drei Anfragen ein, wie Michael Straub, Landschreiber der Gemeinde Davos, am Dienstag auf Anfrage sagte.

Protest über die Urne

Schwankungen bei der Teilnahme an den Protesten in Davos habe es schon immer gegeben, sagt Rahel Ruch von der Koalition «Recht ohne Grenzen». «Seit den grossen Demonstrationen Anfang der 2000-er Jahre haben sich die Proteste mehr und mehr verlagert - sowohl bezogen auf die Form als auch auf den Ort.»

Die Aktionen in Davos sind in den Augen von Ruch ein Mittel, um das Treffen der Mächtigen zu begleiten und auf Themen hinzuweisen, die am offiziellen WEF untergehen. Die Koalition habe diese Gelegenheit in den letzten zwei Jahren genutzt. Doch nun habe sich der «Fokus etwas verschoben»: Die Koalition prüft derzeit die Lancierung einer Volksinitiative. In Zukunft seien erneute Aktionen in Davos aber nicht ausgeschlossen.

Auch die JUSO mobilisiert statt für den Protest in Davos nun verstärkt für die politische Arbeit. Roth verweist auf die Volksinitiative gegen die Spekulation mit Lebensmitteln, die im März eingereicht werden soll, sowie auf die vom Volk abgelehnte «1:12«-Initiative. Diese Begehren würden die Themen aufgreifen, die in früheren Jahren von den Protestierenden in Davos vertreten worden seien. (ajk/sda)

Erstellt: 22.01.2014, 23:27 Uhr

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