Die seltsame Kommunikation von Logitech

Auch bei Logitech kam es rund um die Ankündigung von guten und schlechten Nachrichten zu Management-Transaktionen.

Logitech: Lohnende Kommunikation für das Management.

Logitech: Lohnende Kommunikation für das Management. Bild: TA-Grafik ib/Quelle: Swissquote

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Logitech galt lange als Vorzeigeunternehmen. Umso überraschender kam am 1. April folgende Gewinnwarnung: Logitech rechnet für das Geschäftsjahr 2010/11 (per Ende März) mit rund 10 Prozent weniger Umsatz und Gewinn. Grund dafür sei die schwache Entwicklung in der Region Emea (Europa, Nahost und Afrika). «Mich hat es gewundert, dass Logitech jetzt mit einer Gewinnwarnung kommt, denn das Umfeld hat sich im Vergleich zum Dezember-Quartal nicht wesentlich geändert. Unschön ist, dass im November sehr offensive langfristige Umsatz- und Gewinnziele gemeldet wurden», sagt etwa Stefan Gächter, Analyst bei Helvea. «Besser wäre gewesen, wenn Logitech ganz einfach die Erwartungen erfüllt oder allenfalls übertroffen hätte.»

Der Ansprung der Logitech-Aktie

Fragt sich, ob jemand von der seltsamen Kommunikation profitiert hat. Ja, denn im Herbst 2010 dümpelte die Logitech-Aktie auf tiefem Niveau. Am 4. November 2010 empfahlen sie die Analysten der Citigroup gar zum Verkauf. Am 9. November verkündete Logitech Folgendes: Die Firma rechne «über den Zyklus hinweg» mit einer Bruttomarge von 35% bis 37% und einer operativen Marge von zwischen 13% und 15%. Das hiess, man rechnete mit einem 10 Prozent höheren Gewinn. Die Aktie sprang auf über 20 Franken. Die grossen Management-Transaktionen kamen etwas später, nämlich am 30. 11., am 2. 12. und am 3. 12. 2010. An diesen Tagen verkauften David Henry für 1,6 Millionen und Junien Labrousse für 6 Millionen Dollar Aktien. Dank der optimistischen Gewinneinschätzung erhielt Henry für seine Aktien 160 000 Dollar mehr – der Sondergewinn von Labrousse lag gar bei 600 000 Franken.

Heikel ist die Position von Labrousse, der bei Logitech als Produktechef und ausgerechnet als Präsident der Region Emea arbeitet. Ihn holte man zudem erst kürzlich in die Konzernzentrale nach Lausanne (mit einem Umzugsbonus von 112 000 Franken), und am 24. März 2011 (eine Woche vor der Gewinnwarnung) erhielt er einen neuen Arbeitsvertrag. Gemäss diesem – er liegt dem TA vor – verdient er nun 786 254 Dollar im Jahr (plus 100 000 Dollar) und hat Anrecht auf einen Bonus von zwei Dritteln des Grundgehalts. Auf die Frage, ob es nicht stossend sei, dass er von so massiven Management-Transaktionen profitiere, sagt Logitech-Sprecherin Laura Scorza, die Transaktionen stünden im Zusammenhang mit Labrousses Umzug nach Europa und den Steuern.

Erstellt: 07.04.2011, 11:18 Uhr

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