Die umstrittene Macht der Ratingagenturen

Griechenland steuert Milliardenhilfen zum Trotz auf den finanziellen Abgrund zu. Eine Teilschuld sehen Kritiker bei den Ratingagenturen.

Hatte als letzte Agentur die griechischen Anleihen auf Ramschstatus gesenkt: Standard & Poors.

Hatte als letzte Agentur die griechischen Anleihen auf Ramschstatus gesenkt: Standard & Poors. Bild: Keystone

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Die Ratingagenturen stellen der Regierung in Athen immer schlechtere Noten für ihre Kreditwürdigkeit aus. Kritiker sehen in dieser Massnahme den Grund, weshalb nun Griechenland – Milliardenhilfen zum Trotz – auf den finanziellen Abgrund zusteuert.

Was sind Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, aber auch von Staaten. Ausserdem benoten sie die Sicherheit von Wertpapieren. Am bekanntesten sind die US-Firmen Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Sie verteilen Noten (Ratings), die von AAA oder Aaa (sichere Anlage) bis D (zahlungsunfähig) reichen. Privatanleger, Kreditinstitute und Versicherungen entscheiden anhand dieser Noten, ob sie den Ländern oder Firmen Geld leihen oder ihre Anleihen abstossen. Wird das Ausfallrisiko von Krediten an eine Firma oder einen Staat von ihnen höher eingeschätzt, verlangen Banken und Investoren höhere Zinsen. Damit haben Ratingagenturen erheblichen Einfluss auf die Finanzmärkte.

Welche Rolle spielen die Agenturen bei der Misere Griechenlands?

Die Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit Griechenlands in den vergangenen Monaten immer weiter herabgestuft. Standard & Poor's hatte zuletzt griechische Anleihen um drei Bonitätsstufen auf den Ramschstatus «CCC» gesenkt - und das Land somit schlechter bewertet als Pakistan oder die Fidschi-Inseln. Die Entscheidung heizt Pleite-Gerüchte an. Zudem rückt das Ziel in immer weitere Ferne, dass die Regierung in Athen sich wieder selbst Geld leiht.

Was sagen die Kritiker?

Kritiker werfen den Agenturen vor, durch die Absenkung der Kreditwürdigkeit mehrerer Euro-Länder die Krise der Euro-Zone mit verursacht zu haben. Im Fall Griechenlands wird befürchtet, dass die Bemühungen Athens sowie der anderen Euro-Länder torpediert werden, das Land durch Einsparungen, Reformen und Privatisierungen zu gesunden und so vor einem Staatsbankrott zu bewahren. Die Ratingagenturen waren bereits vor drei Jahren massiv in die Kritik geraten: Sie werden für die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 mit verantwortlich gemacht, welche die weltweite Finanzkrise auslöste. Den Agenturen wurde vorgeworfen, mit zu guten Ratings über die Schieflage der Bank hinweggetäuscht zu haben.

Welche Schritte wurden unternommen, um die Macht der Ratingagenturen zu beschneiden?

Als Konsequenz aus der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise hat die EU bereits eine neue Marktaufsichtsbehörde geschaffen, die Ratingagenturen überwachen soll. Die ESMA (European Securities and Markets Authority) ist in Paris angesiedelt und nahm ihre Arbeit zu Jahresbeginn auf. Eine europäische Ratingagentur, die immer wieder gefordert wird, scheitert bisher am mangelnden politischen Willen.

Welche Ideen werden ausserdem diskutiert?

Das Europaparlament forderte zu Monatsbeginn, dass die Unternehmen zu mehr Transparenz bei ihren Bewertungen verpflichtet werden. Auch das zu Interessenkonflikten führende Vergütungssystem solle geändert werden. Bislang zahlen Emittenten neuer Wertpapiere zumeist für die Noten ihrer Bonitätsprüfer. Dies sei, als ob Schüler ihre Lehrer für die Benotung zahlten, kritisiert der deutsche Grüne Sven Giegold. Die Europa-Abgeordneten schlagen ferner vor, dass Ratingagenturen bei grober Fahrlässigkeit oder Fehlverhalten haften müssen.

(mrs/AFP)

Erstellt: 16.06.2011, 23:31 Uhr

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