Hintergrund

Die verschwiegenen Käufer von Sarasin

Heute übernimmt die Bank Safra definitiv die Bank Sarasin, die Minderheitsaktionäre warten aber noch immer auf ein Angebot. Wer sind die schweigsamen Eigentümer der brasilianischen Bankengruppe?

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In Sachen Verschwiegenheit passt die Safra-Bank perfekt in die diskrete Schweizer Bankenlandschaft. Wenn Safra heute definitiv die Aktienmehrheit an Sarasin von der Rabobank übernimmt, wissen die übrigen Aktionäre – sie halten 54 Prozent des Aktienkapitals, dem aber nur 31 Prozent der Stimmrechte zugeordnet sind – noch immer nicht, wie das Angebot von Safra an sie aussieht. Gemäss Aktienrecht muss Safra auch den Minderheitsaktionären das Angebot machen, ihre Aktien zu kaufen. Der trockene Kommentar eines Safra-Sprechers am Montag: «Wir wissen, dass das Schweizer Recht uns dazu verpflichtet, ein Angebot zu machen». Die Minderheitsaktionäre sind gespannt, ob sich die Familie Safra auf der heutigen ausserordentlichen GV von Sarasin endlich aus der Deckung wagt.

Das Angebot von Safra muss mindestens 27 Franken pro Aktie betragen. Bei einem Börsenkurs von 26,90 Franken ist das allerdings kein besonders verlockendes Angebot. Bietet die Privatbanken-Gruppe mit Sitz in Brasilien keinen ordentlichen Aufschlag, sind die Minderheitsaktionäre wahrscheinlich gut beraten, wenn sie ihre Aktien behalten. Denn bei Sarasin zeigt man sich von der Übernahme nach wie vor begeistert, zumindest gegenüber der Öffentlichkeit. Die Safra-Gruppe sei mit 12 Milliarden Dollar Eigenkapital gut kapitalisiert und ein stabiler und sicherer Partner, sagt Sarasin-Sprecherin Franziska Gumpfer-Keller.

Sarasin setzt auf Investitionen von Safra

Bereits Sarasin-CEO Joachim H. Strähle betonte nach dem O.K. der Finma zur Übernahme das «starke Bekenntnis Safras zur Wachstumsstrategie und unserem zukunftsgerichteten Geschäftsmodell». Im Gegensatz zur bisherigen Eigentümerin Rabobank werde Safra sicher in Sarasin investieren. Über die starke Brasilien-Basis von Safra habe Sarasin gute Möglichkeiten, das Private-Banking-Geschäft in Brasilien erfolgreich auszubauen. Auch im Nahen Osten und besonders in Asien setze Safra auf einen starken Ausbau der Wealth-Management-Aktivitäten von Sarasin.

Ihre Ursprünge hat die international aufgestellte Safra-Gruppe im Nahen Osten. Auf ihrer Website kokettiert die Bank einer Familie sephardischer Juden mit ihren Ursprüngen zu Zeiten von Karavanen, Segelschiffen und Dampfmaschinen. Gegründet wurde die Bank «Safra Frères et Cie.» Mitte des 19. Jahrhunderts in der Handelsmetropole Aleppo, die in diesen Tagen im syrischen Bürgerkrieg heftig umkämpft ist. Bankengründer und Patriarch Jacob Safra sei bekannt gewesen für seine erstaunliche Begabung im Kopfrechnen, wenn es um Finanzierungskosten und die Umrechnung von Währungen ging.

Safra heisst auf arabisch «golden»

Nachdem die Familie sich auch im Goldhandel einen Namen gemacht habe, hätten ihnen die Araber die Farbe des Goldes «safra» zugedacht. Safra Frères eröffnete Niederlassungen in Istanbul, Alexandria und Beirut, nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Europa, Lateinamerika und den USA. 1952 emigrierte die Familie nach Brasilien und verlegte auch den Firmensitz von Beirut nach Brasilien. Das heutige Familienoberhaupt Joseph Safra gilt mit einem Privatvermögen von 11,4 Milliarden Dollar als der drittreichste Brasilianer und belegt auf der Forbes-Liste der Milliardäre weltweit die Nummer 68.

Die Safra-Familie ist heute auf allen Kontinenten zu Hause. Im Jahr 2000 übernahm die J. Safra Holding AG die Uto Bank in Zürich und benannte sie zur Bank J. Safra (Schweiz) AG um. Weltweit hat die Gruppe 125 Niederlassungen und beschäftigt 6500 Mitarbeiter. Ins Rampenlicht der Öffentlichkeit geriet die Familie Safra als 1999 Edmond Safra in Monaco unter mysteriösen Umständen starb – sein Leibwächter soll Feuer gelegt haben, nachdem Edmond Safra mit seinen Geschäften das Missfallen seiner jüngeren Brüder erregt hatte.

Viertgrösste Vermögensverwalterin der Schweiz

Die Safra Gruppe ist nach wie vor in Familienbesitz und wird vor allem von Edmonds Brüdern Joseph und Moise verwaltet. Nach ihren Ursprüngen als Handelsbank hat sich die Safra Gruppe heute fast vollständig auf das Private Banking verlegt. Die weltweit von ihr verwalteten Vermögen beliefen sich im Juni 2011 auf 99 Milliarden Franken und entsprachen damit fast demjenigen von Sarasin mit 109 Milliarden Franken. Nach dem Kauf sind von den Schweizer Banken nur noch UBS, Credit Suisse und Pictet grösser als die neu entstehende Gruppe Safra Sarasin. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.07.2012, 06:24 Uhr

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