Die welschen Kioske werden deutschschweizerisch

Valora übernimmt Naville – und damit auch eine Logistikplattform. Ein Geschäft, das Valora selbst erst vor wenigen Monaten aufgegeben hatte.

Expansion in die Westschweiz: Valora wird die neue Besitzerin der Naville-Kioske.

Expansion in die Westschweiz: Valora wird die neue Besitzerin der Naville-Kioske. Bild: Christian Brun/Keystone

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In der Deutschschweiz sind es die k-Kioske, in der Romandie ist es Naville. Jedes Kind kennt die Zeitungs- und Heftliverkäufer. Bald gehören die beiden zusammen; Valora kauft Naville. Die Deutschschweizer sind schon lange an den Romands interessiert. Die 175 Geschäftsstellen befinden sich an Topstandorten wie etwa an Bahnhöfen. Es sind alles Agenturen, eine Form, die Valora in der Deutschschweiz pusht. Und auch wenn Naville wie die Kioske unter schrumpfenden Zeitungsverkäufen leidet, sind die Romands mit einer starken Ausrichtung im Dienstleistungs- und Foodgeschäft für die Deutschschweizer interessant.

Valoras Kaufbemühungen liefen allerdings lange Zeit ins Leere. Die Naville-Besitzer, die Medienkonzerne Lagardère und Tamedia (zu der auch der «Tages-Anzeiger» gehört) wollten nichts von einem Verkauf wissen. Doch jetzt ist alles anders. Hauptaktionärin Lagardère will das Dutyfree-Geschäft stärken, Naville zählt nicht mehr zum Kerngeschäft. Eine Schwester- und eine Tochterfirma von Naville sind schon veräussert.

Neuanlauf mit Logistik

Für Valora ist das die Gunst der Stunde. 90 Millionen Franken zahlt sie für die lange herbeigesehnte Übernahme. Die Freude, den Deal endlich realisieren zu können, war offenbar so gross, dass Valora es sogar in Kauf nimmt, wieder in ein Geschäft einzu­steigen, das sie selbst eben erst aufgegeben hat: die Logistik. Nach jahrelangen Restrukturierungen verkaufte Valora den Bereich diesen Frühling.

Jetzt ist der Konzern wieder beinahe gleich weit. Neben den Naville-Standorten kauft er nämlich auch eine Logistikplattform. Und die ist nicht unbedeutend. Sie macht mit einem jährlichen Umsatz von 140 Millionen Franken fast die Hälfte der 340 Millionen Franken Gesamtumsatz aus. Naville war nur als Ganzes zu haben, begründet Valora-Chef Michael Müller. Ausserdem sei die Naville-Logistik mit einem hohen Anteil an Drittkunden etwas anders aufgestellt als die frühere Valora-Services. Deshalb wolle man jetzt genau prüfen, «welches Ausbaupotenzial», der Bereich habe. Anzunehmen ist, dass man in Genf am Naville-Hauptsitz nicht gleich mit Entflechtungsabsichten auffahren will. Fakt ist, Valora hatte mit dem eigenen Logistikbereich jahrelang Mühe, prüfte verschiedene Varianten und sah am Schluss nur den Verkauf als Ausweg. Denn das Geschäft ist hoch kompetitiv, die Konkurrenz ist gross, jene aus dem In- wie aus dem Ausland.

Unsicherheiten für Mitarbeiter

Auch von der Logistikfrage abgesehen gibt es Raum für Unsicherheiten. Das Warten auf ein Okay der Wettbewerbsbehörde ist da schon fast unbedeutend. Denn gemäss einem Wettbewerbsrechtler mit Insiderkenntnissen ist der Zusammenschluss nicht heikel. Doch noch sind Fragen – etwa um den Namen – nicht geklärt. Steht künftig kKiosk über den Naville- und Relay-Geschäften? Für Romands ist das kaum denkbar, so verwurzelt sind die Marken. Den Namen Relay wird Valora aber nicht unbeschränkt weiter führen können. Die Marke gehört noch der Hauptaktionärin Lagardère. Nach einer Übergangsfirst werden Gebühren fällig. Valora werde die Namensgebung nun in Marktanalysen prüfen, sagt dazu der Valora-Chef.

Und offene Fragen haben auch die Naville-Mitarbeiter. Sie sind mit ihrem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) schlechter gestellt als ihre künftigen Kollegen in der Deutschschweiz. Die Bedingungen beim Mindestlohn und bei den Ferien sind schlechter. Valora-Sozialpartnerin Syna fordert deshalb eine Verbesserung. Gespräche seien geplant, heisst es bei Syna. Bei Valora tönt es diesbezüglich etwas anders: die Naville-Mitarbeiter hätten schon einen Gesamtarbeitsvertrag – zudem könne man Verträge nicht einfach abändern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2014, 21:34 Uhr

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