Diese Flughäfen soll Griechenland verscherbeln

Die Eurogruppe pocht auf den Verkauf der griechischen Flughäfen. Profitieren würde ausgerechnet eine deutsche Staatsfirma.

FlughafenInternationaler Flughafen wird privatisiert

FlughafenInternationaler Flughafen bleibt im Besitz von Griechenland

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Sie gilt als letzte Verzweiflungsmassnahme, um an flüssiges Kapital zu kommen: die Verscherbelung des Tafelsilbers – so die Befürchtung in Griechenland. Das Land ist nur zu retten, wenn staatliches Besitztum im Wert von 50 Milliarden Euro in private Hände übergehe – so die Ansicht der Gläubigerländer.

Dabei handelt es sich um eine aufgewärmte Forderung, über die am letzten Eurogipfel erneut hart debattiert wurde. Bereits 2011 unter dem damaligen Premierminister Giorgos Papandreou wurde das «weltgrösste Privatisierungsprogramm» stolz angekündigt. 50 Milliarden Euro sollte das Vorhaben in die Kasse spülen. Spätestens unter der Präsidentschaft von Alexis Tsipras ab vergangenem Januar gerieten die Pläne ins Stocken.

Fast alle wichtigen Flughäfen würden verkauft

Potenzielle Verkaufsobjekte, die sich heute noch grösstenteils in Staatsbesitz befinden, gäbe es einige: Immobilien, Autobahngesellschaften, Häfen oder Wassergesellschaften. Die griechische Regierung soll es nun also Privateigentümern gleichtun, die ihr Besitztum schon seit längerem verscherbeln. Aus Geldnot begannen klamme Oligarchen, ihre Eilande zu verkaufen. So etwa die 4,223 Quadratkilometer grosse Insel Oxia, die 2012 für fünf Millionen Euro in den Besitz des Königshauses von Katar ging. Nicht wenige empfinden solche Transfers als feindliche Übernahme oder als Ausverkauf von Griechenland.

Die Flughäfen gehören zu den staatlichen Betrieben, die das Interesse ausländischer Investoren besonders geweckt haben. Kaum verwunderlich. Zumal mit dem Tourismus fast ein Fünftel des griechischen Bruttosozialprodukts generiert wird. Der deutsche Flughafenbetreiber Fraport stand vor wenigen Monaten kurz vor dem Abschluss eines Megadeals. Für 1,4 Milliarden Euro wollte das Unternehmen die Lizenzen für 14 griechische Flughäfen erwerben. Darunter 10 der 15 Flugplätze, die internationale Ziele anfliegen (siehe Karte). Nicht auf der Einkaufsliste stand Athen. Am grössten Flughafen des Landes sicherte sich Fraport bereits 2010 eine Minderheitenbeteiligung.

Knickt Griechenland ein?

Im Februar 2015 wurden die Einkaufspläne gestoppt: Der damalige Finanzminister Giannis Varoufakis argumentierte, dass es wenig sinnvoll sei, das Tafelsilber mitten in der Krise zu verschleudern. Doch schöpft das Frankfurter Unternehmen jetzt neue Hoffnung:

  • Der umstrittene Finanzminister ist weg.
  • Die Privatisierung ist Teil der aktuellen Forderungen der Eurogruppe. Kommt hinzu, dass die Preise auf dem Höhepunkt der Griechenlandkrise so tief sein dürften wie noch nie.

Aus den Verhandlungspapieren der vergangenen Tage geht hervor, dass der einstige Widerstand Athens auf der Kippe steht. Der Verkauf der Flughäfen soll beschleunigt werden. Auch der Verkaufsprozess der Häfen Piräus und Thessaloniki soll bis Ende Oktober 2015 gestartet werden. Auch das Unternehmen äussert sich in optimistischer Manager-Sprache: Grundsätzlich halte man die Flughäfen unverändert für ein «interessantes Asset»: «Griechenland ist in der touristischen Welt eine feste und attraktive Grösse. Wir sehen sehr gute Geschäftschancen», sagt Fraport-Vorstand Stefan Schulte.

Flughafenbetreiber in staatlichem Besitz

Bemerkenswert ist, dass der Privatisierungsgedanke im Wesentlichen von Deutschland vorangetrieben wird. So legte Berlin den Vorschlag vor, Staatsbesitz im Wert von 50 Milliarden Euro in eine Art Treuhandfonds einzubringen und zu privatisieren. Beim Verkauf der Flughäfen könnte Deutschland wiederum direkt profitieren, da sich Fraport mehrheitlich in staatlichem Eigentum befindet. Die Firma gehört schon jetzt zu den investitionskräftigsten Flughafenbetreibern weltweit. Sie besitzt unter anderem Beteiligungen in der Türkei, Peru, Indien, China, Saudiarabien oder Russland.

Gelingt der Kauf, hätte Fraport die Berechtigung, die wichtigsten Flughäfen Griechenlands für 40 Jahre zu betreiben. Darunter die Airports auf Urlaubsinseln wie Rhodos, Korfu, Mykonos und Santorin. Auch der Flughafen der Stadt Thessaloniki gehört zum Paket. Fraport will mindestens zwei Drittel der Anteile an dem Flughafenkonsortium halten.

Verminderter Wert der Staatsbetriebe

Ob und wie stark Griechenland durch einen Verkauf profitieren kann, ist höchst umstritten. ZKB-Chefstratege Anastassios Frangulidis äussert sich gegenüber der «Aargauer Zeitung» skeptisch: «Heute sind die staatlichen Betriebe längst nicht mehr so viel wert wie noch vor fünf Jahren. 50 Milliarden Euro sind viel zu hoch gegriffen. Das ist reines Wunschdenken der Gläubiger und der griechischen Regierung.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.07.2015, 11:25 Uhr

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