«Diese Frauenquote würgt die Wirtschaft ab»

Headhunter Guido Schilling ist gegen eine Frauenquote bei Firmen, wie sie der Bundesrat will. Die Gründe nennt er im Interview.

Noch immer klar in der Minderheit: 13 Prozent der Verwaltungsräte der grössten Schweizer Unternehmen sind Frauen.

Noch immer klar in der Minderheit: 13 Prozent der Verwaltungsräte der grössten Schweizer Unternehmen sind Frauen. Bild: Keystone

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30 Prozent Frauen in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen innert fünf Jahren. Macht der Bundesrat realistische Vorgaben?
In Bezug auf die Verwaltungsräte ja. Hier ist das Erreichen von 30 Prozent innert fünf bis acht Jahren ambitiös, aber realistisch. Die Entwicklung geht bereits heute in diese Richtung. Gegenwärtig sind 13 Prozent aller Verwaltungsratssitze in den 100 grössten Schweizer Unternehmen von Frauen besetzt. Werden nur die neu gewählten Verwaltungsräte betrachtet, liegt der Anteil gar bei 22 Prozent.

Und wie ist die Situation in den Geschäftsleitungen?
Hier würde der Zwang zu einer Quote von 30 Prozent innert fünf Jahren die Schweizer Wirtschaft abwürgen. Diese Vorgabe ist nicht realistisch. Frauen sind heute bei den grossen Unternehmen im mittleren Kader gut vertreten. In den Geschäftsleitungen kommen sie allerdings nur auf einen Anteil von 6 Prozent. Der Trend spricht zwar ebenfalls für mehr Frauen, aber um auf die vom Bundesrat geforderten Werte zu kommen, braucht die Schweizer Wirtschaft sicher noch 15 bis 20 Jahre.

Wenn der Frauenanteil ohnehin steigt, braucht es dann überhaupt eine Quote?
Ich bin gegen eine Quote. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Die Unternehmen haben erkannt, dass für sie gemischte Führungsgremien von Vorteil sind. Auch viele Studien zeigen, dass solche Gremien bessere Entscheide treffen.

Wieso sind denn die Anteile nicht bereits höher?
Der Aufwand, um Frauen für die Geschäftsleitung oder den Verwaltungsrat zu finden, ist für die Unternehmen grösser. Erstellen sie Listen, füllen sich diese in der Regel relativ rasch mit männlichen Kandidaten. Frauen bieten sich weniger offensiv an. Sie wollen angefragt werden. Um geeignete weibliche Kandidaten zu finden, müssen Unternehmen einen Zusatzaufwand in Kauf nehmen.

Sind sie dazu bereit?
Sie können es sich gar nicht mehr erlauben, auf Frauen zu verzichten. Setzt ein Unternehmen an der Spitze konsequent nur auf Männer, ist dies für den Nachwuchs abschreckend. Junge Frauen registrieren das und wählen bewusst fortschrittliche Unternehmen. Im Kampf um die besten Nachwuchsköpfe haben stark männerdominierte Unternehmen deshalb bereits heute grosse Nachteile.

Erstellt: 28.11.2014, 16:25 Uhr

Guido Schilling, Headhunter, untersucht seit zehn Jahren die Zusammensetzung der obersten Führungsgremien der 100 grössten Schweizer Firmen. (Bild: zvg)

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