Diese Schweizer Bergbahnen bieten der Billig-Konkurrenz die Stirn

Während die kleinen ums Überleben kämpfen, verbuchen einige Bahnen saftige Gewinne – und bauen ihr Geschäft weiter aus.

Erfolgreich unterwegs: Die Jungfraubahn auf der Kleinen Scheidegg. Foto: De Agostini, Getty Images

Erfolgreich unterwegs: Die Jungfraubahn auf der Kleinen Scheidegg. Foto: De Agostini, Getty Images

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Ein Prestigebau aus Stahl und Glas, ein architektonisches Highlight auf 3200 Metern über Meer. Die Titlis-Bergbahnen in Engelberg OW haben Grosses vor. Für den Neubau der Bergstation haben sie die bekannten Basler Architekten Herzog und de Meuron engagiert. Das Tourismusunternehmen will einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investieren. Demnächst werden Details und Visualisierungen des Projekts vorgestellt.

Auch im Berner Oberland wird investiert. Die Jungfraubahnen realisieren das Projekt V-Bahn. Diese wird dereinst ab Grindelwald-Grund Passagiere mit zwei Gondelbahnen auf den Eigergletscher und auf den Männlichen bringen. Die Transportkapazitäten zum Jungfraujoch und ins Skigebiet werden vergrössert, die Reisezeiten verkürzt. Das Projekt umfasst Investitionen von knapp 500 Millionen Franken.

Rekord und Sonderdividende

Die Grossprojekte zeigen: Der Tourismus in den Bergen boomt – allen Klagen über den starken Schweizer Franken, das sinkende Interesse am Wintersport und die Konkurrenz durch Billigflugangebote zum Trotz. Bei den Titlisbahnen ist die Besucherzahl in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent gestiegen. Auch die Jungfraubahnen sind auf Rekordkurs. Die Zahl der Gäste, Umsatz und Gewinn erreichten 2017 neue Bestmarken. Dies ist umso beachtlicher, wenn man weiss, dass die Zahl der Skitage schweizweit rückläufig ist.

Auch das dritte grosse und an der Schweizer Börse kotierte Bergbahnunternehmen, die BVZ Holding, kann ihre Passagierzahlen und die Umsätze laufend erhöhen. Zur BVZ gehören die Matterhorn-Gotthard-Bahn, die Gornergrat-Bahn und der Glacier Express (50-Prozent-Beteiligung). Die BVZ erreichte 2017 ein Rekordergebnis – gegenüber dem Vorjahr nahm der Umsatz um 6 Prozent zu, der Reingewinn stieg gar um 43 Prozent.

Von den guten Ergebnissen profitieren die Aktionäre der Bahngesellschaften. Die Titlis-, die Jungfraubahnen und die BVZ haben ihren Wert in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Die Aktionäre erhalten zudem jährlich eine ansehnliche Dividende, BVZ zahlte für 2017 gar eine Sonderdividende. Das erfreut auch Dieter Meier (73). Der Yello-Musiker und Unternehmer mit Weingut und Rinderzucht in Argentinien hält knapp 15 Prozent der BVZ-Aktien. Sein Bruder Balthasar Meier hält 28 Prozent am Unternehmen. Die Gebrüder Meier kassierten fürs vergangene Jahr Dividenden von rund 1,2 Millionen Franken.

Das Grossgruppengeschäft läuft überdurchschnittlich gut.

Erfolgsgarant der drei Bergbahnunternehmen ist die Ausrichtung auf das ausländische Grosskundengeschäft. Titlis, Jungfraujoch und die Region Gornergrat-Matterhorn stehen bei den stark wachsenden Touristengruppen aus Asien und den arabischen Ländern zuoberst auf den Reiselisten. «Die Schweiz hat mit den Destinationen drei wichtige Leuchtturmprojekte», sagt Andreas Keller von Seilbahnen Schweiz. Das Grossgruppengeschäft läuft überdurchschnittlich gut. «Das hat auch dazu geführt, dass die Sommerauslastung gestiegen ist», sagt Keller. Vor zehn Jahren wurden 13 Prozent der Einnahmen der Seilbahnen im Sommer erzielt, heute sind es 25 Prozent. Die Abhängigkeit vom Wintergeschäft ist aber nach wie vor hoch. «Die Wertschöpfung der Bergbahnen im Winter ist deutlich höher, da dann meist Tages- oder Mehrtagespässe verkauft werden, im Sommer sind es hingegen mehrheitlich Einzeltickets», erklärt Keller.

Zu den steigenden Erträgen der Bergbahnunternehmen hat auch der Ausbau des Angebots ausserhalb der Transportdienstleistungen geführt. Heute gehören mehrere Gastronomiebetriebe, Shops, Appartements und zwei Hotels zur Titlis-Gruppe. Sie machen ein Viertel der Gesamteinnahmen aus.

Rigi-Bahnen planen Investitionen in Infrastruktur

Diese Umsatzstrategie verfolgen auch die Pilatus- und die Rigi-Bahnen. Die beiden Ausflugsziele in der Innerschweiz sind nicht an der Schweizer Börse kotiert. Die als Liebhaberaktien bekannten Titel können jedoch ausserbörslich erworben werden. Die Pilatus-Bahnen haben in neue Anlagen investiert, so führt seit drei Jahren eine Panorama-Gondelbahn auf den Berg. Auch Attraktionen wie Seilpark oder Open-Air-Konzert locken neue Gäste an. Die Einnahmen sind in den letzten fünf Jahren um ein Fünftel auf 33 Millionen Franken gestiegen.

Die Rigi-Bahnen beförderten 2017 so viele Passagiere wie nie. «Auch im laufenden Jahr sind wir spitzenmässig unterwegs», hiess es von der Unternehmensleitung bereits vor einigen Wochen. Die Rigi-Bahnen haben eben erst ihr Kapital um 5 Millionen Franken erhöht und planen Investitionen in die Bahninfrastruktur, aber auch in die Gastronomie, die Hotellerie und das Freizeitangebot.

Bilder: Zweiklassengesellschaft im Bergbahnbusiness

Die Entwicklung der grossen Bergbahnunternehmen gilt aber nicht für die ganze Branche. Laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens PWC bei Schweizer Bergbahnen schätzen 43 Prozent der Studienteilnehmer ihre Zukunft als ungünstig ein. Darunter sind vor allem kleine und mittelgrosse Bahnen.

«Die Situation erscheint gerade für Betriebe mit weniger als 1 Million Franken Gesamterträgen bedrohlich», schreibt PWC. Mit 66 Prozent erachtet sogar eine deutliche Mehrheit der Befragten eine Strukturbereinigung als unvermeidbar. Gründe dafür seien auch das Überangebot im alpinen Raum und der künftige Investitionsbedarf. Allgemein wird mit Schliessungen und Zusammenschlüssen von mittelgrossen Betrieben gerechnet, während die Branchenführer mit Millioneninvestitionen an ihrer Positionierung im nationalen und internationalen Tourismusmarkt arbeiten.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.08.2018, 22:45 Uhr

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