Dougans Domäne drückt durch

Dabei wollte die Credit Suisse doch endlich einen Wandel! Warum die Grossbank von den Wurzeln ihres Chefs nicht loskommt.

Dealing und Trading, das ist sein früheres Steckenpferd und das bringt auch heute noch gute Gewinne: Brady Dougan. (Archiv)

Doris Fanconi

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Brady Dougan ist ganz der Alte. «Wir erzielten ein gutes Resultat», eröffnete der Chef der Credit Suisse die Präsentation des dritten Quartals der Grossbank – und strahlte damit wieder den ihm eigenen Optimismus aus. Die düsteren Tage vom Mai, als die CS fast 3 Milliarden Dollar US-Strafbusse wegen Schwarzgeld leisten musste und Dougans Abschied im Fokus stand, scheinen wie weggeblasen. Dougan, so sieht es immer mehr aus, sitzt sicher im Sattel.

Trifft das zu, dann sagt das mehr über die CS aus als der nackte Fakt, dass kein unmittelbarer CEO-Wechsel bevorsteht. Der Amerikaner Brady Dougan steht für das Geschäft mit Börsenprodukten und Firmenberatungen. Dort, im Investmentbanking, ist Dougan gross geworden. Und unter seiner 7,5 Jahre langen CEO-Herrschaft hat die CS immer dann gut abgeschnitten, wenn sie im Dealing und Trading hohe Profite erzielt hatte.

Dabei wollte sie doch mehr Privatbank sein

So wie jetzt wieder. Aus ihrem heutigen Bericht für das Quartal von Juli bis September geht hervor, dass die CS vor allem in ihrem Investmentbanking-Standbein deutlich zulegen konnte. Unter Ausklammerung von Geschäften, die nicht mehr fortgeführt werden, sprang der Vorsteuergewinn in dieser Sparte im Vorjahresvergleich um über 40 Prozent auf 1 Milliarde Franken. Damit hat das Investmentbanking die zweite Division, jene der Vermögensbetreuung für Privatkunden, hinter sich gelassen. Dort machte die CS vor Steuern knapp 900 Millionen Gewinn, wenn man Extrafaktoren beiseitelässt.

Das Momentum liegt bei der CS somit im Handels- und Trading-Business. Dabei wollte sie doch weniger Investment- und mehr Privatbank sein. Ihr Präsident Urs Rohner sagte im Nachgang zur US-Steuerstrafe, als die CS sich als kriminelle Organisation brandmarken lassen musste, dass die Bank ihre Vermögensverwaltung stärken würde. Die Rede war von einem 50:50-Mix, während heute die Investmentbank mehr Ressourcen beansprucht.

Seit diesen Äusserungen ist die CS-Reise nicht Richtung Vermögensverwaltung gegangen. Im Gegenteil, im dritten Quartal gab es einzelne Entwicklungen, die auf Rückschläge beim Geldanlegen für vermögende Kunden hindeuten. Bisher hatte die CS lediglich in Westeuropa wegen des Endes der Schwarzgeld-Ära Kundengelder verloren. Nun aber sprangen auch reiche Kunden in der Schweiz und in Amerika ab. Im Heimmarkt Schweiz gab es im Private Banking Netto-Vermögensabflüsse von 1,1 Milliarden Franken in den drei Monaten von Sommer bis Herbst. In der Region Amerika waren es 500 Millionen. Zählt man diese Abflüsse zu jenen in Westeuropa, dann hat die CS über 3 Milliarden Kundenassets verloren. Das macht eine Milliarde pro Quartal.

Neugelder aus Asien

Dennoch sprach Dougan an der heutigen Telefonkonferenz von «starken Netto-Zuflüssen». Das kann man so sehen, allerdings stammen diese Neugelder fast ausschliesslich aus Asien. Dort gewann die CS 6 Milliarden Franken Neugelder. In Asien geht das Kalkül der Bank offensichtlich auf, dass sich Investment- und Private Banking ergänzen. Das könnte mit der Art der asiatischen Kunden zusammenhängen, darunter viele Unternehmer, die sich sowohl eine gute Privatanlage als auch Unterstützung für ihr Geschäft wünschen. Die CS verweist denn auch auf einen Trend nach oben im Segment Ultra High Net Worth, den Reichsten der Privatkunden. Deren Anteil würde stetig steigen.

Damit tritt die Bank Kritikern gegenüber, die der CS mangelhafte Klarheit bei der Positionierung vorwerfen. Das Zusammenspiel der beiden Divisionen sei fruchtbar fürs Ganze, streicht die CS-Spitze ständig heraus, auch im dritten Quartal habe man über eine Milliarde Zusatzgewinn durch das Konzept der sogenannten One Bank erzielt. Diesem Argument steht jenes der Abflüsse in den wichtigen Regionen Schweiz und Amerika gegenüber sowie die Entwicklung bei der Konkurrenz. Die UBS, die nächste Woche ihre Quartalszahlen vorlegen wird, hat sich stärker als die CS als weltweit führende Privatbank positioniert. Bei der CS lautet die Erkenntnis von heute hingegen, dass die Bank immer dann gut dasteht, wenn ihre Investmentbank überzeugt.

Erstellt: 23.10.2014, 11:40 Uhr

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