Analyse

Dreamteam oder Zweckehe?

Axel Weber und Sergio Ermotti präsentieren sich als geeintes Gespann an der Spitze der UBS. Doch möglicherweise gab Ermotti nur klein bei, um seine Macht zu festigen.

Präsentieren sich gerne als einmütiges Gespann an der Spitze der UBS: CEO Sergio Ermotti begrüsst den neuen Präsidenten Axel Weber an der Aktionärsversammlung im Mai 2012.

Präsentieren sich gerne als einmütiges Gespann an der Spitze der UBS: CEO Sergio Ermotti begrüsst den neuen Präsidenten Axel Weber an der Aktionärsversammlung im Mai 2012. Bild: Reuters

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Auch wenn die Entscheidung hart ist für 10'000 Banker, die ihren Job verlieren: Die Börse hat die Redimensionierung des Investmentbanking bei der UBS euphorisch gefeiert. Schon die Entlassungsgerüchte am Wochenende liessen den Wert der UBS-Aktie am Montag um sieben Prozent ansteigen. Am Morgen der Verkündigung des massiven Stellenabbaus schoss die Aktie erneut um mehr als sechs Prozent in die Höhe und schloss am Abend bei 13.90 Franken.

Der Abbau von 2500 Arbeitsplätzen in der Schweiz wird zwar bedauert. Doch gleichzeitig lobt die Wirtschaftspresse das Zurückstutzen des risikobehafteten Investmentbanking als richtigen Schritt. Zugeschrieben wird der konsequente Abbau des skandalbehafteten Investmentbanking in erster Linie Axel Weber. Als ehemaliger Präsident der deutschen Notenbank geniesst der UBS-Präsident den Ruf, vor allem auf Stabilität bedacht zu sein.

Axel Webers Handschrift

Ganz anders der Investmentbanker und ehemalige Merill-Lynch-Manager Sergio Ermotti. Zwar kündigte Ermotti schon im November vor einem Jahr an, das Investmentbanking zurückfahren zu wollen. Dass der Schritt so drastisch ausgefallen ist, hat dann selbst Analysten überrascht. «Den Lead hatte Axel Weber», schätzt der Julius-Bär-Analyst Roger Degen. «Er war nie ein Freund des Investmentbanking.»

Dass Ermotti seinen Freund aus Merill-Lynch-Zeiten, Andrea Orcel, ins UBS-Investmentbanking holte, mache im Nachhinein Sinn, sagt Degen. Orcel sei vor allem im Aktien- und im Übernahmegeschäft gut. Das sind die Bereiche, die die UBS weiter betreiben will. Möglicherweise war Orcel das Zückerchen, das Weber seinem viel jüngeren CEO gewährte, um ihm den Abbau des übrigen Investmentbanking schmackhaft zu machen.

Taktische Unterordnung

Dass Ermotti sich auf die Strategie des stabilitätsorientierten Axel Weber einliess und diese jetzt mit brachialer Gewalt umsetzen soll, schreiben Kenner der Zürcher Bankenszene den guten Instinkten des Alphatiers Ermotti zu. «Er wollte ja schon bei Unicredit den Chefposten übernehmen», sagt Bestsellerautor René Zeyer gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Und dann sei er bereits ein halbes Jahr, nachdem er zur UBS wechselte, zum CEO gekürt worden. «Um das zu schaffen, muss man eine machiavellistische Persönlichkeitsstruktur haben», so Zeyer. «Denn vorher gibt es ein Gemetzel.»

Ausgeprägte Alphatiere wüssten aber auch, wann es angebracht sei, sich aus taktischen Gründen unterzuordnen. «Weber ist als Präsident des Verwaltungsrats für die strategische Ausrichtung zuständig», so Zeyer. Ermottis Job sei es dann, dieses Konzept umzusetzen. «Persönlichkeiten wie der Tessiner haben kein Problem damit, etwas durchzuziehen, das nicht ihren Überzeugungen entspricht. Vorausgesetzt, es nützt ihren längerfristigen Zielen.»

Interne Machtabsicherung

Das Durchziehen des Stellenabbaus von 10'000 Personen ist Ermottis Bewährungsprobe. Dass er dabei auf den Widerstand anderer Alphatiere stösst, die ihre Machtbereiche ungern verkleinern, ist klar. Karsten Kengeter hat Ermotti bereits abserviert. Sein ehemaliger Konkurrent um den Chefposten wurde aus der Konzernleitung abgezogen und zum Chef einer Division gemacht, die er selber abschaffen soll. Dem Vermögensverwaltungschef Jürg Zeltner setzte Ermotti seinen alten Freund Edoardo Spezzotti ins Nest. Parallel zum Personalabbau wird Ermotti sicher weitere Rochaden vornehmen, um seine Macht als CEO zu festigen.

Erstellt: 31.10.2012, 16:47 Uhr

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