EU-Staaten weichen Regeln bei Abgastests auf

Die EU-Staaten haben sich auf mildere Normen bei neuen Auto-Abgastests einigen können. Der Beschluss wird nicht nur vom grünen Lager heftig kritisiert.

Überraschende Einigung: Trotz VW-Skandal gibt es zukünftig weniger harte Regeln bei den Abgasttests. (September 2015)

Überraschende Einigung: Trotz VW-Skandal gibt es zukünftig weniger harte Regeln bei den Abgasttests. (September 2015) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ungeachtet der hitzigen Debatte über Konsequenzen aus der Abgas-Affäre bei Volkswagen lassen die EU-Staaten bei neuen Vorgaben für PKW-Tests Milde walten. Die EU-Staaten haben sich offenbar nach stundenlangen Verhandlungen auf neue Regeln bei den Abgastests für Autos geeinigt.

Ab dem 1. September 2017 solle die Abweichungen bei Schadstofftests auf der Strasse gegenüber den Laborwerten fast doppelt so hoch ausfallen dürfen wie von der EU-Kommission geplant, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen am Mittwoch. Mit der Einführung der neuen Abgastests sollen in der EU ab 2017 realistischere Ergebnisse erzielt und Manipulationsversuche verhindert werden.

Der Kompromiss sieht den Angaben zufolge vor, dass neue Fahrzeugmodelle einen 110 Prozent höheren Wert (Faktor 2,1) bei Stickstoffoxiden aufweisen dürfen, bevor die Grenze ab 2020 auf 50 Prozent (Faktor 1,5) sinkt. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass die Strassenmesswerte die vorgeschriebene Grenze von 80 Milligramm pro Kilometer um 60 Prozent gegenüber den Laborergebnissen überschreiten dürfen.

Kritik aus dem EU-Parlament

Das Thema hat in Brüssel durch den VW-Abgasskandal neue Brisanz erhalten. Die Grünen im EU-Parlament nannten die Einigung der EU-Staaten deshalb zynisch. «Allen voran die deutsche Bundesregierung hat offenbar nichts aus dem Abgas-Skandal von Volkswagen gelernt», kritisierte die Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Rebecca Harms.

Europäische Automobilhersteller würden dafür belohnt, keine Anstrengungen zur Einhaltung der EU-Regeln und Verbesserung ihrer Fahrzeuge zu unternehmen, sagte Harms weiter.

«Schreckliche Neuigkeiten für die Umwelt»

Auch die Liberale Fraktion kritisiert den Entscheid. Dies seien «schreckliche Neuigkeiten für die Umwelt und für das Vertrauen der Konsumenten in die europäischen Automobilhersteller», lässt sich der liberale EU-Abgeordnete Gerben-Jan Gerbrandy in einem Communiqué zitieren. EU-Vertretern zufolge gehörte Deutschland mit Grossbritannien, Italien und Spanien zu jenen Ländern, die sich für laxere Regeln eingesetzt hatten.

Volkswagen musste im September einräumen, mit dem Einbau einer Abschaltsoftware die Emissionswerte von Diesel-Autos bei Labortests manipuliert zu haben. (fal/sda)

Erstellt: 28.10.2015, 18:41 Uhr

Artikel zum Thema

VW schreibt 3,5 Milliarden Euro Verlust

Der Abgasskandal kommt Volkswagen teuer zu stehen. Der Konzern weist im dritten Quartal tiefrote Zahlen aus. Mehr...

Merkel will schnelle Klärung im VW-Skandal

Die deutsche Bundeskanzlerin fordert eine rasche Aufarbeitung vom Abgasskandal bei Volkswagen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland sieht sie aber nicht bedroht. Mehr...

Bürgermeister von Wolfsburg verhängt Haushaltssperre

Die Heimatstadt von VW erwartet «deutliche Gewerbesteuereinbussen» – wegen den manipulierten Abgaswerten. Nun wird gespart. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Welt in Bildern

Unendlich: Die Kunstinstallation «Wald der nachhallenden Lichter» im Mori Building Digital Art Museum in Tokio. (21. Juni 2018)
(Bild: Shuji Kajiyama/AP Photo) Mehr...