«Economiesuisse ist überhaupt nicht mehr glaubwürdig»

Swatch-Chef Nick Hayek rechnet mit dem Wirtschaftsdachverband ab. Dieser liege auf der Intensivstation und wolle immer noch Arzt spielen.

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Der Streit zwischen dem weltgrössten Uhrenhersteller Swatch und dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse geht in eine nächste Runde. «Economiesuisse ist überhaupt nicht mehr glaubwürdig», schimpfte Swatch-Chef Nick Hayek an der Jahresmedienkonferenz und setzte zu einem Rundumschlag an.

Die ablehnende Haltung von Economiesuisse zur Swissness-Vorlage, die zum Schutz von Produkten aus einheimischer Produktion einen 60-prozentigen Wertanteil aus der Schweiz fordert, stösst Hayek, der für seine markigen Aussagen bekannt ist, weiterhin sauer auf. «Der Verband ist überhaupt nicht mehr glaubwürdig», sagte er am Mittwoch vor der versammelten Presse. Es brauche Leadership und echte Chefs. «Das sehe ich heute nicht.»

Lob für die Nationalbank

Die einzige Organisation, die sich für den Industriestandort Schweiz eingesetzt habe, sei die Schweizerische Nationalbank (SNB), sagte der Swatch-Chef. Weder von den Politikern noch von Economiesuisse spüre man diese Unterstützung. Die Ablehnung der Swissness-Vorlage des Wirtschaftsdachverbands sei jedoch nur ein Teil.

Hayek zitierte aus einem Briefwechsel mit Pascal Gentinetta, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Economiesuisse. Demnach wollte die Organisation von den 20 wichtigsten Unternehmen wissen, wie ihr Befinden gegenüber dem Verband ist. Ein externer Berater werde sich melden und ein 40-minütiges Interview führen, hiess es darin.

«Ich konnte es nicht glauben», enerviert sich Hayek. «Ich verstehe nicht, warum nicht jemand von Economiesuisse selber vorbeikommt. Halten die sich für die grössten Chefs, die nicht einmal mehr mit den Partnern persönlich reden müssen?», fragte er rhetorisch. Zudem würden sie sich einer Sprache bedienen, die niemand mehr verstehe. Er habe der Organisation umgehend zurückgeschrieben und sein Unbehagen mitgeteilt.

Economiesuisse habe entgegnet, dass es sich wohl um ein Missverständnis handle, fährt Hayek fort. Neutrale Berater einzusetzen, sei gängig, damit keine Interessenkonflikte entstünden. «Das ist doch kein Missverständnis», so Hayek. «Wir sind bereit zu helfen, aber der Schweizer Uhrenverband und Swatch haben klar gesagt, dass sich etwas ändern muss.» Dies sei allerdings nicht zu sehen.

«Verband liegt auf der Intensivstation»

Economiesuisse habe selbstverständlich seine Daseinsberechtigung. «Aber momentan liegt der Verband auf der Intensivstation und will immer noch Arzt spielen.»

Die Haltung von Economiesuisse zur Swissness-Vorlage hatte vergangene Woche das Fass zum Überlaufen gebracht. Auf Ende Jahr will die Branchenorganisation der Uhrenhersteller aus dem Verband austreten. Nick Hayek hatte schon damals mit heftiger Kritik nicht zurückgehalten.

Die Abgehobenheit der Funktionäre und die Distanz zu den echten Problemen des Werkplatzes Schweiz mit seinen vielen KMU sei immer offensichtlicher geworden, hatte der Swatch-Chef moniert. An der Pressekonferenz vom Mittwoch betonte er erneut, dass die Geisteshaltung des Wirtschaftsdachverbandes inakzeptabel sei. (mw/sda)

Erstellt: 06.03.2013, 13:46 Uhr

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