Ein Ex-CIA-Chef als Türöffner

John M. Deutch war Chef des US-Spionagedienstes CIA. Heute sitzt er bei Renova.

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John M. Deutch war Chef des US-Spionagedienstes CIA. Heute sitzt er bei Renova.

An der Generalversammlung der Renova Management am 18. August 2015 wurde der Amerikaner John M. Deutch als neues Mitglied in den Verwaltungsrat gewählt. Von dieser Personalie nahm hierzulande niemand Notiz. Sie hat es jedoch in sich. Der 77-jährige Amerikaner mit russischen Wurzeln ist emeritierter Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und blickt auf eine lange Karriere zurück.

Der promovierte Chemiker war Mitglied in mehreren Beratergremien für US-Präsidenten, so in jenem für die nukleare Sicherheit, für strategische Verteidigungsfragen, für Geheimdienste oder für die Nichtweitergabe von Massenvernichtungswaffen. 1995 war für Deutch – damals Nummer zwei im Verteidigungsministerium – ein besonderes Jahr: Er wurde im Mai zum Direktor der CIA ernannt. Doch nur anderthalb Jahre später verliess er die amerikanische Spionagezentrale wieder.

Er sei der schlimmste Spionagechef aller Zeiten gewesen, erklärte ein CIA-Mann im Februar 2000 in der «Washington Post». Nur kurze Zeit nachdem Deutch den Posten verlassen hatte, entdeckte man, dass er Hunderte von hochgeheimen Dokumenten auf ungesicherten Computern in seinen diversen privaten Domizilen gespeichert hatte. Untersuchungen wurden eröffnet, in der Presse tauchten Mutmassungen über mögliche Spionagetätigkeiten etwa für Israel auf. Anfang 2001 wollte sich Deutch mit dem Justizdepartement auf ein Schuldeingeständnis einigen. Doch bevor die Behörde reagieren konnte, wurde Deutch vom scheidenden US-Präsident Bill Clinton begnadigt. Ein präsidialer Akt, der damals viel zu reden gab.

In späteren Jahren wurde Deutch Mitglied des Nationalen Erdölrats und eines Beraterstabs des Energieministeriums. Fragt man Renova-Insider über die Rolle von Deutch im Verwaltungsrat, heisst es, er sei wohl so etwas wie ein Türöffner für Geschäfte in den USA.

In Moskau dürfte die Personalie Deutch auf jeden Fall auf Interesse stossen. Rita Flubacher

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2016, 19:57 Uhr

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