Ein Mann geht aufs Ganze

Riskante Strategie im Streit mit den amerikanischen Steuerbehörden: Weil Wegelin-Chef Konrad Hummler einen Vergleich ablehnte, erhielt seine Bank eine zweite Gerichtsvorladung.

Aus Sicht der USA verweigert er das Gespräch: Bankier Konrad Hummler. (Archivbild)

Aus Sicht der USA verweigert er das Gespräch: Bankier Konrad Hummler. (Archivbild) Bild: Sophie Stieger

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Die US-Behörden haben Konrad Hummler zum zweiten Mal aufgefordert, sich in den USA den Staatsanwälten zum Verhör zu stellen. Dies geht aus Gerichtsunterlagen hervor, welche die US-Staatsanwälte kürzlich veröffentlichten. Die Bank Wegelin hat den Erhalt einer Vorladung bestätigt und mitgeteilt, dass diese bei den zuständigen Schweizer Gerichten angefochten werde.

Vor zwei Wochen wurde publik, dass eine Richterin des Bundesgerichts für den südlichen Distrikt von New York Gelder auf einem Konto der Privatbank definitiv eingezogen habe: 16 Millionen Dollar, die bereits bei der Anklageerhebung im Februar beschlagnahmt worden waren.

Vergleich hätte ein Schuldeingeständnis umfasst

«Die heutige Aktion soll die Botschaft aussenden, dass eine ausländische Bank einen Preis bezahlt, wenn sie das US-Finanzsystem zu nutzen versucht, um ihr schmutziges Geld zu waschen», sagte US-Staatsanwalt Preet Bharara damals. Die USA gehen im Fall Wegelin einmal mehr härter vor, als sie das im Fall der anderen elf Banken tun, die im Visier der Steuerfahnder stehen.

Nun wird klar, warum Wegelin und speziell deren Chef Konrad Hummler sich den besonderen Zorn der Staatsanwälte zuzogen. Laut Informationen aus Anwaltskreisen, die dem TA vorliegen, sind sie deshalb so ungehalten, weil sich Hummler geweigert hat, ein für ihn vorteilhaftes Vergleichsangebot anzunehmen. Der Vergleich, an einer Verhandlung vor Monatsfrist präsentiert, hätte ein Schuldeingeständnis umfasst.

Bis zu zweijähriges Verfahren droht

Dies ist wichtig, denn gestützt darauf könnte die Herausgabe von Kundendaten aus der Schweiz erfolgen. Zweitens ging es um eine Busse – deren Höhe wäre zu verhandeln gewesen. Drittens wollten die Staatsanwälte, dass Hummler im Namen der Bank eine «non-disparity clause» unterzeichnet; er hätte künftig jede abschätzige Bemerkung gegenüber den US-Behörden zu unterlassen. Die USA wollten im Gegenzug jedoch nicht auf Klagen gegen aktuelle und ehemalige Wegelin-Mitarbeiter sowie gegen Hummler selbst verzichten.

Deshalb schlug Hummler den Vergleich aus und verhandelte nicht mehr weiter über die Details, wie etwa die Höhe der Busse. Laut Experten kommt das in den USA sehr schlecht an und wird als Gesprächsverweigerung interpretiert. US-Anwälte rechnen damit, dass das Verfahren gegen die Bank nun bis zu zwei Jahre dauern könnte. Die Bank Wegelin verweigerte jeden Kommentar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2012, 06:19 Uhr

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