Ein Rivale weniger für Ermotti

Der unvermittelte Abgang von Jürg Zeltner zeigt, wie fest UBS-Chef Sergio Ermotti im Sattel sitzt.

Der Boss: Schon vor einiger Zeit hat Sergio Ermotti klar gemacht, dass er und Präsident Axel Weber als Führungsduo noch vier bis fünf Jahre weitermachen wollen.

Der Boss: Schon vor einiger Zeit hat Sergio Ermotti klar gemacht, dass er und Präsident Axel Weber als Führungsduo noch vier bis fünf Jahre weitermachen wollen. Bild: Keystone

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Weihnachten ist eigentlich das Fest des Friedens. Bei der UBS-Geschäftsleitung ist das offenbar nicht der Fall. Vollkommen überraschend verkündete die Grossbank am Donnerstag einen gross angelegten Umbau der Geschäftsleitung. Auslöser ist der Abgang von Jürg Zeltner, dem Chef der Vermögensverwaltungssparte.

Schon die Pressemitteilung deutet darauf hin, dass Zeltners Abgang nicht in Minne erfolgte. Denn warum der langgediente UBS-Manager Knall auf Fall die Bank schon auf Ende Jahr verlässt, dazu steht in der Mitteilung kein einziges Wort. Das ist sehr ungewöhnlich. Laut Bankkreisen haben auch die Mitarbeiter bei den internen Memos nicht erfahren, warum Jürg Zeltner nach über 30 Jahren die UBS so kurzfristig verlässt.

Jürg Zeltner musste seine Ambitionen zurückstellen. Foto: Smvseo (Wikipedia)

Bekannt in der Branche ist, dass Zeltner ein sehr machtbewusster Manager ist. Als 2011 die Grossbank vom Skandal um den Betrugshändler Kweko Adoboli erschüttert wurde, hatte sich Zeltner bereits Chancen ausgerechnet, den zurückgetretenen Oswald Grübel an der Bankspitze zu beerben. Stattdessen fiel die Wahl des Verwaltungsrats aber auf Sergio Ermotti, der damals erst vor kurzem von der Unicredit zur UBS gewechselt hatte.

Ein weiteres Alphatier

Zeltner musste seine Ambitionen zurückstellen. Vor diesem Hintergrund sorgte unter Beobachtern dann im September 2016 die Berufung des Ex-Commerzbank-Chefs Martin Blessing in die UBS-Geschäftsleitung für hochgezogene Augenbrauen. Denn mit Blessing holten UBS-Chef Sergio Ermotti und sein Bankpräsident Axel Weber ein weiteres Alphatier in die UBS-Führung. Schon damals war eine weit verbreitete Interpretation, dass Ermotti mit Blessing einen führungserfahrenen Bankmanager zu sich holte, der eigentlich so ziemlich jede Aufgabe in der Bankführung übernehmen kann. Auch jene von Jürg Zeltner.

Der designierte Nachfolger: Martin Blessing. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Und genau so ist es jetzt gekommen. Zeltner ist weg, Blessing wird sein Nachfolger und leitet damit den wichtigsten Geschäftsbereich der UBS.

So diffus die Hintergründe zu Zeltners Abgang noch sind, so sendet die heutige Personalie aber eine glasklare Botschaft: Sergio Ermotti ist der Boss in der Bank, von Amtsmüdigkeit ist nicht ein Hauch einer Spur. Schon vor einiger Zeit hat er klar gemacht, dass er und Präsident Axel Weber als Führungsduo noch vier bis fünf Jahre weitermachen wollen. Nach Zeltners Abgang ist Ermotti nun einen internen Rivalen los: Der UBS-CEO sitzt fester denn je im Sattel.


Video – UBS-Chef Ermotti am WEF

Sergio Ermotti erklärt in Davos eine Initiative der Grossbank zu nachhaltigem Investments. (Video: Tamedia, mit Material der SDA)


Erstellt: 14.12.2017, 12:30 Uhr

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