Ein Schweizer Kultgetränk ist zurück

Christian Forrer bringt Vivi-Kola wieder auf den Markt. Der Eglisauer hat schon als Kind Poster und Fläschchen des Süssgetränks gesammelt – nicht immer ganz legal.

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Wir putzen uns die Nase mit Tempo-Tachentüchern, wir telefonieren mit Nokia-Handys und trinken Nespresso. Markenprodukte spielen im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle. Nicht ganz so bekannt, dafür mit vielen Emotionen und Erinnerungen verbunden ist Vivi-Kola.

48 Jahre lang erfrischte die koffeinhaltige Limonade aus der Eglisauer Mineralquelle so manche Kehle – bis die Produktion 1986 eingestellt wurde. Nun erweckt der Eglisauer Christian Forrer das originale Vivi-Kola zu neuem Leben und bringt es wieder auf den Markt. Wer ist der Mann, der es wagt, gegen internationale Getränkemultis wie Coca-Cola anzutreten?

Der heute 36-jährige Forrer gehörte bereits in seiner Kindheit zu den Leuten, die mit Vivi-Kola ihren Durst löschten. «Ich war nicht nur vom Getränk fasziniert, sondern auch von den Gütterli», erzählt er rückblickend. Mit seinen Spielgefährten hat er als kleiner Junge an den Festen im Rheinstädtchen die leeren Flaschen von den Tischen geräumt, um nachher das Depot einzustreichen.

Und beim Ausmisten des Schulhausestrichs fand er alte Vivi-Kola-Plakate, die er danach in seinem Zimmer aufhängte. Eines stammte aus dem Jahr 1938, sagt er und freut sich heute noch über diese Eroberung. Seine Vivi-Kola-Privatsammlung wurde über all die Jahre immer grösser – wenn auch nicht immer auf ganz legale Art und Weise: «Ein Freund wischte Staub in einem Museum mit Ausstellungsstücken von Vivi-Kola. Da hat er für mich ein Originalfläschchen ‹abgestaubt›», erzählt er mit einem Schmunzeln. Für Eglisau sei Vivi-Kola ebenfalls ein wichtiges Symbol gewesen, und «es hat dem Rheinstädtchen nationalen Ruhm eingebracht», ist Forrer überzeugt.

Dies bestätigt auch die frisch gewählte Gemeindepräsidentin Ursula Fehr (SVP). Eglisau habe in vieler Hinsicht von der Marke Vivi-Kola profitiert. Der Namen der Gemeinde sei dank dem Süssgetränk weit über die Kantonsgrenze hinaus bekannt geworden. Fehr kann sich vorstellen, dass Vivi-Kola zum In-Getränk der jungen Generation werden könnte. Die Gemeindepräsidentin kennt Forrer von Kindesbeinen an: «Er war schon als junger Mann kreativ», sagt sie. Als Forrer knapp 20 Jahre alt war, habe er Gemüsekrawatten aus Seide entwickelt. Diese hatten die Formen von Maiskolben und Peperoncini.

Das erste Mal

Dass Forrer nun Vivi-Kola aufleben lässt, findet Ursula Fehr toll. Die Gemeindepräsidentin hat denn auch beste Erinnerungen an das Süssgetränk: «Ich bin von meinem ersten Schatz zu einem Vivi-Kola eingeladen worden», erzählt sie. Und dieses Getränk war besser als jedes Glas Champagner, das sie später von Verehrern offeriert bekam. Fehr wünscht sich, dass Forrer mit der Neulancierung Erfolg haben wird. Zudem soll dieses Engagement weitere junge Eglisauer motivieren, ebenfalls etwas auf die Beine zu stellen.

Die Erstabfüllung von 30'000 Flaschen steht für die Wiedereinführung bereit. Den Sirup für das Süssgetränk hat Forrer bei der Schweizer Getränke AG in Obermeilen herstellen lassen. Diese ist spezialisiert für Getränkegrundstoffe. Verkaufsleiterin Franziska Ullmeyer sagt, das Rezept sei noch dasselbe wie damals. Doch wie das Rezept lautet, ist von der Verkaufsleiterin nicht zu erfahren: «Das ist ein Geheimnis.»

Eine Tasse Vivi-Kaffee

Das Outfit der 33-cl-Glasflaschen hingegen wird nicht dasselbe sein wie damals. «Ich habe mich von den Etiketten aus den Jahren 1938 und 1962 inspirieren lassen.» Die Leute sollen das Vivi-Kola von damals wieder erkennen.

An der Untergasse in Eglisau eröffnet Forrer zudem ein Café mit integrierter Rösterei und Laden. Dort können die Vivi-Kola-Fans in Zukunft auch den Vivi-Kaffee trinken. «Die Produkte passen gut zusammen. Beide Getränke sind kräftig im Geschmack», sagt Forrer. Wie viel Geld Forrer in das Projekt investiert hat, will er nicht verraten.

Bis zur Eröffnungsfeier weilt Forrer noch in Südafrika. «Reisen sei ein weiteres Hobby von ihm, sagt er. Vor allem Südafrika hat es dem Unterländer angetan. Im Jahr verbringt er mehrere Monate auf dem Schwarzen Kontinent. Dann nicht als Geschäftsmann von Vivi-Kola, sondern als ausgebildeter Ranger in einem der Naturschutzgebiete.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.06.2010, 22:31 Uhr

30'000 Flaschen hat Christian Forrer vom Süssgetränk Vivi-Kola für das Fest abfüllen lassen. (Bild: PD)

Wiedereinführung und Eröffnung

Wiedereinführung von Vivi-Kola und Eröffnung des Vivi-Cafés. Samstag: 12. Juni, zwischen 9 und 12 Uhr an der Untergass in Eglisau.

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