Würdigung

«Ein Vorbild, eine menschliche Bereicherung»

Charles von Graffenried ist in der Nacht auf Dienstag gestorben. Er war auch Verwaltungsrat der Tamedia-Gruppe. Eine Würdigung von VR-Präsident Pietro Supino.

Kurz vor seinem 87. Geburtstag gestorben: Charles von Graffenried.

Kurz vor seinem 87. Geburtstag gestorben: Charles von Graffenried.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit diesen Zeilen überbringe ich den Leserinnen und Lesern des «Tages-Anzeigers» die schmerzliche Nachricht vom Tod von Herrn Charles von Graffenried. Er ist wenige Tage vor seinem 87. Geburtstag infolge einer kurzen Krankheit gestorben.

Unsere Gedanken sind bei ihm, bei seiner Familie und auch bei seinen Mitarbeitenden. Mit ihnen trauern wir um einen aussergewöhnlichen Mann, der bis zuletzt ein spannender Zeitgenosse mit einem vielfältigen Wirkungskreis war.

Herr Charles von Graffenried hat die Schweizer Medienwelt entscheidend gestaltet – als Architekt und Verleger der «Berner Zeitung», als Gründer und Präsident der Berner Espace Media Groupe, als Verleger des «Bund», als Partner in der Fusion von Espace Media und Tamedia sowie seither als Verwaltungsrat der Tamedia-Gruppe.

Bereits zuvor hat er für Tamedia gewirkt, meine Familie als damals Allein- und heute Mehrheitseigentümer beraten, mithin den Firmennamen Tamedia erfunden.

Auch persönlich verdanke ich ihm sehr viel als Förderer und als Freund – ich freue mich über die lange Wegstrecke, die ich mit ihm gehen durfte. Weit über das Geschäftliche hinaus war er mit seiner Weitsicht, seinem Sinn für das Wesentliche, seiner Schnelligkeit und seinem Schalk ein Vorbild und eine grosse menschliche Bereicherung, die bleiben wird.

Besonders gerne erinnere ich mich an wiederholte Erlebnisse in unserem Verwaltungsrat, in dem er junge Führungskräfte zu Neuem motivierte. Wir verlieren mit Charles von Graffenried eine prägende Figur und werden deshalb auch in Zukunft mit ihm verbunden bleiben.

Pietro Supino ist Präsident des VR und Verleger der Tamedia-Gruppe. (Der Bund)

Erstellt: 11.07.2012, 06:15 Uhr

Ein reiches Leben

Charles von Graffenried, Unternehmer, Anwalt, Bankier und Verleger des «Bund» und der «Berner Zeitung», ist wenige Tage vor seinem 87. Geburtstag verstorben, wie sein designierter Nachfolger als VR-Präsident der Von-Graffenried-Holding, Guido Albisetti, dem «Bund» mitteilte. Vor acht Wochen erst hatte er eine Krebsdiagnose erhalten; die Krankheit hat ihn rasch besiegt.

Charles von Graffenried war eine dominante und auffällige Figur der Berner Gesellschaft und Wirtschaft. Aus dem kleinen Anwalts- und Treuhandbüro seines Vaters baute er die Von-Graffenried-Gruppe auf, welche heute rund 230 Leute beschäftigt. Und er bewerkstelligte 1979 auf dem Platz Bern eine grosse Zeitungsfusion: Aus dem «Berner Tagblatt» und den «Berner Nachrichten» (die ihrerseits bereits aus Zusammenschlüssen entstanden waren) wurde die «Berner Zeitung».

Später erwarb von Graffenrieds Espace Media auch eine Beteiligung am «Bund». Und er war, nachdem er seine Medienaktivitäten mit der Zürcher Tamedia fusioniert hatte, mitverantwortlich für die Rettung des «Bund».

Charles von Graffenried hatte trotz seines Alters nicht die Intention, sich demnächst aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen. Und trotzdem: Er hat nach langem Zögern im vergangenen Oktober seine Nachfolge geregelt. Guido Albisetti wird nun das VR-Präsidium der Gruppe übernehmen, Nicole von Graffenried rückt in den VR nach und wird stellvertretende CEO, und Stefan Herren übernimmt die von Graffenried Recht. «Er war ein sehr strukturierter Mensch», sagte Guido Albisetti gestern. «Sein Leben beruhte auf drei Säulen: Geschäft, Familie, Militär» (wo er es bis zum Rang eines Obersten brachte).

Aus zwei Ehen hatte Charles von Graffenried sechs Kinder, unter ihnen die designierte Firmenchefin Nicole von Graffenried, der Fotograf Michael von Graffenried und die Schauspielerin, Autorin und Theaterwissenschaftlerin Ariane von Graffenried. Ein weiteres Ziel hat Charles von Graffenried kurz vor seinem Tod erreicht: Beim Berner Stämpfli-Verlag hat er das Buch «Notabeln – Patrizier – Bürger: Geschichte der Familie von Graffenried» herausgegeben (Arthur K. Vogel).

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Outdoor Warm und trocken durch den Winter

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Umstrittene Staatsoberhäupter: Bewohner von Pyongyang verneigen sich zu Ehren des siebten Todestags des nordkoreanischen Dikdators Kim Il Sung vor seiner Statue und deren seines Nachfolgers Kim Jong Il. (17. Dezember 2018)
(Bild: KIM Won Jin) Mehr...