Eine Blitzaktion mit Folgen

Über den Hag gehüpft und aufs AKW geklettert: So in etwa spielte sich die gestrige Greenpeace-Aktion in Beznau ab. Was uns das lehrt.

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Alles unter Kontrolle, alles sicher! Diesen Eindruck versucht die Axpo zu erwecken, nachdem gestern rund 100 Greenpeace-Aktivisten auf das Gelände des AKW Beznau gelangt sind. Haften bleibt jedoch etwas anderes: Drei Jahre nach Fukushima ist es leichter denn je, das Image der Atomenergie zu schädigen. Die Umweltschützer brauchten bloss Leitern, um den Zaun zu überwinden und ihre Botschaft medienwirksam zu platzieren: Die örtliche Konzentration einer Risikotechnologie, mögliches Ziel von Terroristen, liegt unbewacht da. Natürlich ist dies zugespitzt, Politpropaganda der Umweltorganisation, welche die Stilllegung des dienstältesten Reaktors der Welt fordert. Doch die Kraft solcher Bilder ist gross, zurück bleibt ein ungutes Gefühl: Wenn das Gelände nicht ausreichend gesichert ist, wie sieht es dann im Innern aus?

Die Axpo beteuert zwar, der sichere Betrieb des Reaktors sei gestern jederzeit gewährleistet gewesen, auch seien sensible Bereiche der Anlage wie der Kommandoraum vor Eindringlingen dank strenger Zutrittskontrollen geschützt. Doch nach der Aktion von Greenpeace wirken solche Worte nicht eben glaubwürdig. Symptomatisch dafür steht, wie die Axpo den Zweck der «Umzäunung des Werkgeländes» erklärt. Diese ist nicht etwa dazu da, Eindringlinge vom Areal fernzuhalten, sondern «ein unbefugtes Übersteigen des Zauns zu erschweren und die sofortige Alarmierung der Sicherheitskräfte auszulösen». Wenn Gefängnisse nach dieser Logik funktionierten, würden Verbrecher zuhauf ausbrechen.

In neuem Licht erscheinen nun auch die Aussagen der Axpo, wonach das AKW Beznau alle Sicherheitsanforderungen der Aufsichtsbehörden jederzeit erfülle und den EU-Stresstest vor zwei Jahren mit Bestnoten bestanden habe. Greenpeace behauptet das Gegenteil, verweist auf «erhebliche Risiken» wie Risse und Korrosion. Was stimmt, ist für Laien nicht überprüfbar – wie immer bei technisch komplexen Themen. Die Atomdebatte wird denn auch häufig weniger von Fakten als vielmehr von Ideologien bestimmt. Sollten die AKW-Gegner nun weiteren Zulauf erhalten, hat sich dies die Axpo selber zuzuschreiben. Dies dürfte die Konzernleitung weit mehr ärgern als die illegale Aktion von Greenpeace.

Erstellt: 06.03.2014, 15:42 Uhr

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