Eine Glacé der Migros erhitzt die Gemüter

Die Markenimitationen der Migros sorgen bei den Herstellern des Originalprodukts oft für Ärger. In einem jüngsten Fall hat der Grossverteiler die Grenzen offenbar überschritten und muss jetzt Konsequenzen ziehen.

Diese Kopie war dem Original-Hersteller zu dreist: «Jane & Mary’s» von der Migros (links).

Diese Kopie war dem Original-Hersteller zu dreist: «Jane & Mary’s» von der Migros (links).

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Die Migros geht beim Imitieren von Markenprodukten oft an Grenzen, doch nun ging sie offenbar einen Schritt zu weit: «Wir haben mit Unilever Vergleichsverhandlungen geführt und uns gütlich geeinigt, dass wir bei der nächsten Glacéproduktion auf die Bezeichnung «Jane & Mary’s» verzichten werden», sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel in der Zeitung «Sonntag».

Die bereits produzierte Menge kann die Migros noch abverkaufen. «Dies dürfte bis zirka Januar 2011 abgeschlossen sein», sagt Weibel. Danach muss die Migros den Namen ändern. Vor einigen Tagen lancierte die Migros die Eiscrèmebecher mit dem Namen «Jane & Mary’s» – und sorgte damit von Beginn weg für rote Köpfe beim Lebensmittelmulti Unilever. Der Grund: «Jane & Mary’s» ist eine offensichtliche Kopie von Unilevers Kulteiscrème «Ben & Jerry’s» aus den USA.

Plötzlicher Rückzieher

Wie Unilever nun die Migros dazu brachte, auf den Namen zu verzichten, sagt Sprecher Markus Abt nicht. Doch es ist klar, dass Unilever mit rechtlichen Schritten gedroht hat. Wie Jane und Mary umgetauft werden, ist noch nicht klar: «Die neue Markenbezeichnung wird die Migros zu gegebener Zeit bekannt geben», sagt Sprecherin Weibel im «Sonntag». Das Produkt selbst sowie das Verpackungsdesign bleiben unverändert. Eine peinliche Niederlage für die Detailhändlerin. Noch vor drei Wochen betonte die Migros, dass man die Sache rechtlich abgeklärt und als okay befunden habe.

Dass sie nun klein beigibt, überrascht. Denn ob Unilever vor Gericht erfolgreich gewesen wäre, ist nicht garantiert. In letzter Zeit fielen ähnliche Gerichtsfälle in der Schweiz eher zum Vorteil der Kopierer aus. Laut Anastasia Li, Direktorin des Markenartikelverbandes Promarca, tun sich Schweizer Gerichte mit dem Thema Rufausbeutung nach wie vor schwer. Gut möglich also, dass sich nun weitere verärgerte Markenhersteller bei der Migros melden werden.

(mrs)

Erstellt: 19.09.2010, 08:50 Uhr

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