«Eine ganz neue Dimension der Bedrohung»

Auch die Swiss flog bis zum Abschuss von MH 17 über die Ostukraine. Im Gegensatz zu British Airways oder Air France. Warum man diese Route nicht gemieden hat, erklärt Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek.

Achtung, Sperrzone: Ein Passagierflugzeug fliegt über einen Stacheldrahtzaun während des Anflugs auf den Flughafen im australischen Sydney. (23. Februar 2010)

Achtung, Sperrzone: Ein Passagierflugzeug fliegt über einen Stacheldrahtzaun während des Anflugs auf den Flughafen im australischen Sydney. (23. Februar 2010) Bild: Reuters

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Lufträume seien wie offene Strassen, sagte Swiss-Sicherheitschef Thomas Bolli gestern in der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens: Man könne sich nur auf die Informationen der entsprechenden Länder und Informationsdienste stützen. Einige Airlines flogen schon vor dem Abschuss von MH 17 nicht mehr über die Ostukraine. Warum nicht auch die Swiss?
Der Swiss lag bis zum Vorfall am letzten Donnerstag keine Warnung für den Luftraum der Ostukraine vor, der Luftraum war für die Zivilluftfahrt offen. Nach dem Vorfall haben wir sofort gehandelt und umfliegen die Ostukraine seitdem weiträumig. Die Sicherheit unserer Passagiere und Crews hat für uns oberste Priorität. Letztlich liegt die Verantwortung für die Freigabe und Schliessung von Luftstrassen aber bei den Staaten, durch deren Luftraum diese Strassen führen. Darauf verlassen sich Airlines weltweit.

Wie informiert sich die Swiss bei der Planung von Flugrouten?
Wir stützen uns bei unseren Entscheidungen auf verschiedene Instanzen: In erster Linie sind dies die nationalen Behörden, welche die Luftraumrestriktionen publizieren und einen Luftraum freigeben oder sperren. Darüber hinaus verfügen wir über zahlreiche Informationsquellen wie die Icao (International Civil Aviation Organization), die amerikanische FAA (Federal Aviation Administration) und die Easa (European Aviation Safety Agency). Wir konsultieren aber auch Botschaften oder das EDA (Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten) und folgen den entsprechenden Empfehlungen. In dritter Instanz stellen die Fachleute in unserer eigenen Sicherheitsabteilung Analysen an, um die Sicherheitslage zu beurteilen.

Wie werden diese Analysen erstellt?
Wir stehen mit Behörden weltweit in einem engen und regelmässigen Austausch. Darüber hinaus haben die Fluggesellschaften der Lufthansa Group Prozesse etabliert, mit denen sie ihren Flugbetrieb auf seine Sicherheit überprüfen. Krisenregionen durchlaufen dynamische Entwicklungen, bei denen sich die jeweilige Lage beruhigt oder verschärft.

Wie geht die Swiss künftig vor, wenn es um das Überfliegen von Krisengebieten geht?
Weil sich die Situationen in Krisenregionen immer wieder verändern, werden auch künftig fortwährend neue Analysen erstellt. Wir überfliegen immer nur behördlich freigegebene Routen. Dem tragischen und bisher nie in Erwägung gezogenen Vorfall der vergangenen Woche wird sicherlich eine internationale Aufarbeitung folgen müssen, um abzuklären, wie die Branche mit diesem Ereignis aus Sicherheitsaspekten heraus umgehen wird. Dies sollte im Rahmen der International Civil Aviation Organization geschehen.

Verschiedene Airlines haben einen Gipfel vorgeschlagen, um neue Sicherheitsempfehlungen in der internationalen Zivilluftfahrt auszuarbeiten. Wie wird sich die Swiss einbringen?
Wir unterstützen die Idee eines Branchentreffens ausdrücklich. Der schreckliche Unfall von MH 17 stellt eine ganz neue Dimension der Bedrohung dar. Fluggesellschaften, Branchenverbände und Regierungsbehörden müssen nun gemeinsam die internationalen Sicherheitsprotokolle überprüfen.

Erstellt: 24.07.2014, 15:36 Uhr

Kritik am Informations-Wildwuchs

Nach dem Absturz der Boeing 777 der Malaysia Airlines üben Luftfahrtverbände Kritik an der Art der Informationen, anhand derer die Airlines ihre Flugrouten planen. Dies berichtet die «Frankfurter Allgemeine». Wie die europäische Pilotenvereinigung European Cockpit Association (ECA) heute in Brüssel sagt, hat das Unglück eine «gewichtige Schwäche – wenn nicht ein Versagen – der internationalen Bedrohungs- und Risikobewertung in der zivilen Luftfahrt» aufgedeckt. MH17 hätte die Ostukraine gar nicht überfliegen dürfen. Fluggesellschaften würden unterschiedliche risikorelevante Informationen erhalten. Auch der europäische Branchenverband Association of European Airlines (AEA) übt Kritik: Airlines müssten Zugang zu «unabhängigen Risikobewertungen» haben, anstatt sich nur auf Informationen von Regierungen und Flugaufsichtsbehörden zu verlassen.

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