Ende der Zwei-Kind-Politik? Aktien von Klavierherstellern steigen

China erwägt, seine Familienpolitik zu ändern – und bereits reagieren die Börsen.

Kinder in China: Können Familien bald unabhängig von der Regierung planen?

Kinder in China: Können Familien bald unabhängig von der Regierung planen? Bild: Andy Wong/Keystone

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Seit 40 Jahren haben Eltern in China bei der Familienplanung nicht alle Freiheiten. Seit 1980 entscheidet der Staat, wie viele Kinder eine Familie haben darf – die Folge der explosionsartigen Bevölkerungsentwicklung, die in den 50er-Jahren begonnen hatte. Nachdem zunächst nur ein Kind pro Familie erlaubt gewesen war, lockerte die Regierung die Regel vor etwa zwei Jahren und liess zwei Kinder pro Familie zu. Nun erwägt sie, auch diese Beschränkung ganz aufzuheben und Eltern die Familienplanung wieder selbst zu überlassen.

Der Grund: Chinas Bevölkerung altert. Und das schadet den Plänen von Präsident Xi Jinping, die Wirtschaft des Landes zu modernisieren. Denn ältere Einwohner bedeuten steigende Gesundheitskosten und eine weniger produktive Bevölkerung. Die Regierung hat daher eine Studie in Auftrag gegeben, die untersuchen soll, wie sich eine Aufhebung der Zwei-Kind-Politik auf die Wirtschaft auswirken würde, so die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Noch in diesem Jahr beendet?

Eine erste Untersuchung im April habe ergeben, dass ein solcher Schritt «beschränkt» positive Auswirkungen hätte. Es sei weitere Forschung nötig. Wie die Quellen aus der Regierung laut Bloomberg berichten, könnte das nun die Folge haben, dass die umstrittene Gesetzgebung noch in diesem Jahr aufgehoben wird.

Die Aussicht darauf war auch an den asiatischen Börsen bemerkbar. Offenbar hoffen Investoren darauf, dass mehr Kinder auch zu einer erhöhten Nachfrage nach verschiedenen Produkten führen. Zum einen legten die Aktien von Herstellern von Babynahrung deutlich zu. Auch Hersteller von Schwangerschaftsprodukten profitierten von der Meldung. Nicht nur an der Börse in Shanghai ging es bergauf, auch in Japan zogen entsprechende Aktien an – chinesische Touristen gehen dort gern auf Shoppingtour.

Klavierhersteller hoffen auf gute Geschäfte

Die wohl kurioseste Börsenentwicklung: Offenbar gehen Investoren davon aus, dass die zusätzlichen Kinder musikalisch erzogen werden. Die Aktien von Klavierherstellern zogen an. Die beiden heimischen Unternehmen Hailun Piano Co. und Guangzhou Pearl River Piano Group Co. profitierten besonders. (laf)

Erstellt: 22.05.2018, 19:28 Uhr

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