Kopf des Tages

Er brachte Daniel Vasella um Ruf und Millionen

Der freie Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig landete den bisherigen Schweizer Medien-Scoop des Jahres.

Betreibt die Internet-Zeitschrift «Inside Paradeplatz» als One-Man-Show: Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig.

Betreibt die Internet-Zeitschrift «Inside Paradeplatz» als One-Man-Show: Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig. Bild: Keystone

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Da hat selbst Bär M13 keine Chance. Den grössten Scoop im noch jungen Schweizer Medienjahr 2013 landete – im Alleingang – ein Zürcher: Lukas Hässig (48), ein freier Journalist mit Spezialgebiet Banken, deckte letzten Freitag auf, dass dem Novartis-Chef Daniel Vasella der Abgang mit einer Millionenentschädigung versüsst wird.

Innert Wochenfrist erschienen darauf, so die «Schweizer Mediendatenbank», 671 Texte über Vasella. Heute an der Generalversammlung des Konzerns werden die 72 Millionen Franken, die nach einer Empörungswelle nun doch in der Novartis-Kasse bleiben, erneut ein Hauptthema sein.

Hässig wird nicht vor Ort sein. Der dreifache Familienvater weilt derzeit in den Skiferien in Zermatt. Aber auch sonst hätte es ihn kaum nach Basel verschlagen. Hässig schreibt über Geldgeschäfte, nicht über Medikamente.

«Vasellas Geheimkonto bei Wegelin»

Das Interesse zeichnete sich bereits ab, als er seine KV-Lehre bei der Schweizerischen Nationalbank und danach die Handelsschule in Winterthur absolvierte. Beim «Tages-Anzeiger», wo sein Vater als Korrektor arbeitete, wollte man den jungen Hässig dann nicht als Volontär. Roger Schawinski gab ihm bei Radio 24 eine Chance. Seit zwei Jahrzehnten schreibt Hässig nun für wechselnde Medien über Banken (derzeit in kleinem Pensum für «20 Minuten online»).

«Vasellas Geheimkonto bei Wegelin» lautete der Titel des Texts, der letzten Freitag um 7.58 Uhr mit dem Kürzel «lh» auf dem Onlineportal «Inside Paradeplatz» aufgeschaltet wurde. Hässig interessierte sich mehr für die Millionen, die laut ihm bei Konrad Hummlers Privatbank in St. Gallen parkiert wurden, als für Novartis-Interna oder für die Konsequenzen seiner Enthüllung.

Nicht allzu sehr dürfte es ihn freuen, dass er der Abzockerinitiative viel – vielleicht entscheidend – Unterstützung verschaffte. Ein Befürworter der Volksbegehrens scheint er nicht zu sein. Auf «Inside Paradeplatz» darf BDP-Präsident Martin Landolt prominent erklären, warum man diese «jetzt bachab schicken» sollte.

Thesenjournalist mit unterdurchschnittlicher Treffequote

«Inside Paradeplatz» ist eine One-Man-Show von Lukas Hässig (und Gastautoren). Die Texte handeln fast immer von internen Vorgängen in Schweizer Geldhäusern. Bankangestellte schätzen das Portal wegen Informationen über die Konkurrenz. Aber sie erfahren auch, sagt ein Banker, «was gerade in der Chefetage läuft». Zumindest die Bank Sarasin sieht es aber nicht so gerne, wenn Mitarbeiter zu Hässig surfen. Sie liess das Portal Ende 2012 intern sperren – so berichtete «Inside Paradeplatz» in eigener Sache. Hässig hatte nicht nur geschrieben, dass Sarasin-Chef Joachim Strähle «entweder dumm oder genial» sei, sondern auch, dass er in den USA festgehalten und vernommen worden war.

Hässig teilt gerne aus, obwohl er weiss, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Ruf angekratzt wird. PR-Berater Sacha Wigdorovits führt ihn auf einer Art schwarzen Liste von Journalisten, welche «die Fakten verdrehen». Hässig galt in der Branche lange als Thesenjournalist mit unterdurchschnittlicher Trefferquote. Ein Tiefpunkt in seiner Journalistenkarriere liegt sieben Jahre zurück, als sich Falschmeldungen häuften.

Aus jüngerer Zeit sind kaum mehr Fehlleistungen dokumentiert – ausser dass Hässig vor Wochenfrist schrieb, Vasella erhalte 75 Millionen innert fünf Jahren (korrekt: 72 Millionen in sechs Jahren). Doch bei einem solchen Scoop scheint dies niemanden zu stören. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.02.2013, 06:17 Uhr

So berichten wir über die Novartis-GV

Tagesanzeiger.ch/Newsnet wird heute ab 10 Uhr laufend von der Novartis-GV in Basel berichten. Das Vorort-Team von Tagesanzeiger.ch/Newsnet hält sie mit Live-Ticker, Video-Beiträgen und Hintergründen auf dem Laufenden. Bleiben Sie dran.

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