Interview

«Er hat ganz viel Nerven gekostet»

Ab Ende 2014 wird der Cisalpino Pendolino nicht mehr auf Schweizer Schienen fahren – spätestens. SBB-CEO Andreas Meyer sprach mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet über die anstrengenden Erfahrungen.

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Herr Meyer, ab 2014 fahren die pannenträchtigen Pendolinos nicht mehr auf dem Schweizer Netz. Sind Sie mit dieser Lösung nun zufrieden?
Ich bin nicht zufrieden mit der Qualität, die wir unseren Kundinnen und Kunden geboten haben. Ich finde es schade, dass wir diese Züge trotz aller Anstrengungen nicht auf ein besseres Niveau kriegen. Aber lieber jetzt ein Schrecken mit einem Ende – und dann auf zu einem Qualitätslevel, das den SBB entspricht.

Die SEV-Personalverbände der Lokführer und des Zugpersonals hatten vor wenigen Tagen vehement eine Stilllegung gefordert – und der Kundenverband Pro Bahn verlangt das schon seit Jahren. Haben Sie denn nun die schnellstmögliche Ausstiegsvariante gewählt?
Wenn wir Alternativen hätten, würden wir sie heute bereits nutzen. Wenn die Italiener ihre Züge von der Gotthardachse abziehen, werden wir versuchen, Züge mit Loks einzusetzen, die flexibler und robuster sind. Darüber laufen Verhandlungen mit den italienischen Kollegen. Und wenn wir früher als Ende 2014 können, dann werden wir.

Neben der Sicherheit war auch die Unpünktlichkeit der Pendolinos immer ein Kritikpunkt. Wird das in den verbleibenden Jahren nun besser?
Zuerst darf man auch mal sagen: Im Gesamtschweizer Netz sind wir im Moment auf einem All-Time-High. Aber die Achillesferse ist sicher die Nord-Süd-Achse. Mit den Lok-Zügen, die wir in Planung haben, und weiteren Massnahmen können wir die Pünktlichkeit aber noch erheblich steigern. Aber wir kommen nie ganz an das Niveau heran, das wir im hochbelasteten Schweizer Netz haben wollen.

Der Cisalpino ist seit 1993 unterwegs. Haben Sie mal eine Bilanz gezogen, was er den SBB gebracht hat und sie gekostet hat?
Er hat ganz viel Nerven gekostet und Ärger gemacht. Aber eine kommerzielle Bilanzrechnung habe ich bisher noch nicht machen lassen.

Der Cisalpino ist auch eine schweizerisch-italienische Geschichte, die nun mit einer Beerdigung auf Raten endet. Hat er das Verhältnis zwischen den beiden Bahnunternehmen ernsthaft getrübt?
Beide Partner haben keine Freude an dem Servicelevel, den wir haben. Von den italienischen ETR-470ern ist im Moment gerade noch einer im Einsatz. Alle anderen sind in Reparatur; das spricht ja auch Bände...

Aufgrund der rechtlichen Lage in Europa können die SBB nicht in Eigenregie auf die internationalen Netze. Wären die Erfahrungen mit dem Cisalpino nicht ein guter Grund, bei der Integration schnell voranzuschreiten?
Kooperationen in andere Himmelsrichtungen und mit anderem Rollmaterial funktionieren doch heute schon hervorragend. Nehmen Sie die Verbindungen in Richtung Frankreich: Da setzen wir jetzt neue Züge ein und fahren noch mal eine halbe Stunde schneller von Basel nach Paris. An der Kooperation mit der SNCF haben wir ganz viel Freude, die uns ein bisschen über die Verhältnisse auf der Nord-Süd-Achse hinwegtröstet.

Und in Richtung Norden?
Auch mit den deutschen Kollegen sind wir auf einem guten Weg. Im Eisenbahnverkehr ist Zusammenarbeit wirklich das A und O.

Erstellt: 01.06.2011, 08:14 Uhr

«Wenn wir Alternativen hätten, würden wir sie heute bereits nutzen»: SBB-CEO Andreas Meyer (Bild: Keystone )

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