Hintergrund

«Er hatte vermutlich einfach genug»

Der Rücktritt von Patrick Raaflaub kommt für die Finanzprofessorin Monika Roth nicht überraschend – aber doch überraschend plötzlich. Sie ortet ein mangelndes Engagement seitens des Finma-Verwaltungsrats.

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Wenn ein Mann intern und extern den Rückhalt verliert, dann muss er wohl gehen. In diese Richtung geht die Interpretation der Luzerner Finanzprofessorin Monika Roth zum Rücktritt des Finma-Direktors Patrick Raaflaub. «Es gab Kritik von allen Seiten: von den Banken, von der Politik und auch aus dem Innern der Verwaltung», sagt sie. «Raaflaub hatte vermutlich einfach genug.» Dass Raaflaub seinen Posten bei der Finma abrupt aufgibt, kommt für Roth nicht wirklich überraschend.

Der Basler, der seine Karriere bei der Credit Suisse begann und danach bei verschiedenen Banken arbeitete, stiess 2009 zur Finma und musste sich dort mit der Bewältigung der Finanzkrise, aber auch mit der Schwarzgeldproblematik am Bankenplatz herumschlagen. Zuletzt war Raaflaub von den Schweizer Banken heftig kritisiert worden, weil er diese in einem Zeitungsartikel aufgefordert hatte, am US-Programm zur Beilegung des Steuerstreits mitzumachen und dabei eine Busse in Kauf zu nehmen.

Schwacher Verwaltungsrat

Weil die Finma auch die Weissgeldstrategie im Inland offensiv anging, geriet Raaflaub auch vonseiten der Politik unter Beschuss. Laut der Finanzmarktrechtsexpertin Roth, die selbst verschiedentlich kritisch über die Finma geschrieben hat, zielten die Angriffe aber nicht immer auf die richtige Stelle. «Die Kritik an Raaflaubs Person festzumachen, war vielfach nicht gerechtfertigt», hält sie fest.

Roth ortet bei der Finma das Problem, dass stets nur der Direktor, nicht aber das Präsidium im medialen Rampenlicht steht. Dies sei bei der Eidgenössischen Bankenkommission, der Vorgängerorganisation der Finma, anders gewesen. «Anders als zu früheren Zeiten war seitens des Präsidiums zu wenig Bereitschaft wahrnehmbar, Raaflaub öffentlich den Rücken zu stärken.»

Harmonie und Kommunikation haben laut Roth bei der Finma nicht gestimmt. «Es existiert eine Asymmetrie zwischen Direktion und Verwaltungsrat», sagt sie, «das heisst, es ist eigentlich nur der CEO wirklich spürbar. Das genügt nicht.»

Präsidentin des Verwaltungsrats ist seit 2011 die Professorin Anne Héritier-Lachat. In den letzten Tagen hatte die «NZZ am Sonntag» spekuliert, dass Héritier-Lachat vorzeitig ihren Hut nehmen könnte. Ihr Mandat läuft bis Ende 2015. Die Finma dementierte die Mutmassungen später.

Erstellt: 15.01.2014, 17:28 Uhr

«Asymmetrie zwischen Direktion und Verwaltungsrat»: Finanzprofessorin Monika Roth. (Bild: Keystone )

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