Erbitterter Machtkampf um die Schweizer Spitalgruppe Genolier

Strafanzeigen, der Vorwurf unberechtigter Zahlungen, verweigerte Stimmrechtseintragung: Der Streit der Grossaktionäre des Spitalkonzerns, zu dem auch die Klinik Bethanien gehört, eskaliert.

An der letzten GV abgewählt: Genolier-Chef Antoine Hubert (links) und Präsident Raymond Loretan.

An der letzten GV abgewählt: Genolier-Chef Antoine Hubert (links) und Präsident Raymond Loretan. Bild: Keystone

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Es geht zu und her wie bei einer Kampfscheidung. Die in zwei Lager zerfallenen Grossaktionäre des Westschweizer Privatspitalkonzerns Genolier, zu dem auch die Zürcher Klinik Bethanien gehört, lassen kein gutes Haar aneinander. Dem im Juni abgewählten Grossaktionär Antoine Hubert warf die Gegenseite jüngst in einem Aktionärsbrief vor, er habe sich früher als Delegierter des Verwaltungsrates und operativer Chef Hunderttausende von Franken auszahlen lassen, für die es keine schriftliche Grundlage gebe. Zudem habe Hubert Verträge mit Dritten abgeschlossen, ohne die Höhe der Vergütung angemessen zu regeln.

Diese Anwürfe seien wahrheitswidrig und rufschädigend, gab Hubert gestern zurück und reichte gegen die Verwaltungsräte, die den Aktionärsbrief unterzeichnet hatten, Strafanzeige wegen Rufschädigung ein. Eine weitere Strafanzeige richtet sich gegen einen Berater der Spitalgruppe, der laut Hubert die Eintragung von 600'000 Genolier-Aktien ins Aktienregister vereitelt. Huberts Strafanzeigen seien reine Ablenkungsmanöver, schiesst die Gegenseite zurück. Und dass die Aktieneintragung verweigert werde, sei nicht wahr, der Verwaltungsrat prüfe dies und werde sich zu gegebener Zeit äussern.

Aktienkauf verschiebt Balance

Das öffentliche Hickhack ist das Vorspiel für die Entscheidung an der Generalversammlung vom 16. August. Spätestens dann will der Verwaltungsrat die Vorwürfe gegen Hubert mit einem Bericht von PWC belegen. An der Aktionärsversammlung im August soll der auf zwei Mitglieder geschrumpfte Verwaltungsrat aufgestockt werden, der Kampf um Genolier über die Wahl zusätzlicher Verwaltungsräte entschieden werden.

An der GV im Juni, als neben Hubert auch Präsident Raymond Loretan abgewählt wurde, hatte die Gegenseite Pech: Die Wahl ihrer fünf Verwaltungsratskandidaten scheiterte an der Abgabe einer falschen Abstimmungskarte.

Zudem hat sich die Machtbalance zugunsten des weggeputschten Huberts verschoben hat, der jüngst von einem seiner früheren Mitstreiter, der sich heute im Gegenlager befindet, 600'000 Aktien erworben hat und neu über 25 Prozent des Aktienkapitals kontrolliert. Huberts Gegenspieler kommen auf 29 Prozent, zusammen mit dem Hedgefonds Lincoln Vale, der vor zweieinhalb Jahren bei der der Spitalgruppe einstieg. Weil die meisten der weiteren rund 70 grösseren Aktionäre der börsen-kotierten Genolier bisher zu Hubert hielten, muss die Gegenseite möglichst viele auf ihre Seite ziehen, an der GV im August zählt jede Stimme.

Spitalgruppe günstig gekauft

Dies erklärt zum einen die Auseinandersetzung um die Eintragung der Stimmrechte, zum anderen die schweren Vorwürfe der anderen Grossaktionäre gegen Hubert, die vorher kein Problem hatten, mit ihm zu geschäften, die teilweise mit ihm im Verwaltungsrat sassen.

Jahrelang hatten Hubert und seine damaligen Mitstreiter Jaime Rosell und Michael Schroeder in Minne Geschäfte gemacht. Gemeinsam hatten sie 2002 der Waadtländer Kantonalbank die verschuldete Westschweizer Privatspitalgruppe Genolier günstig abgekauft. Deren Immobilien lagerten sie in eine separate Firma aus. Solange aus dem Verkauf von Land und Projekten Geld floss, waren scheinbar alle zufrieden. Hubert, der vom Elektriker zum Immobilieninvestor aufstieg, war als Delegierter und operativer Chef der starke Mann, der die Gruppe auf sechs Privatspitäler mit 500 Ärzten und über 1000 Mitarbeitenden ausbaute. Der Juwelier Rosell und Schroeder, Arzt und ebenfalls Immobilienfachmann, hielten sich über all die Jahre im Hintergrund.

Im August wird abgerechnet

Lincoln Vale, die 7,4 Prozent hält, brachte latente Unzufriedenheit zum Vorschein, indem sie wiederholt offen ihre Unzufriedenheit mit der schwachen Ertragskraft von Genolier äusserte, die Gruppe schöpfe ihr Potenzial bei weitem nicht aus. Hubert wollte weiter in den Aufbau investieren, die Gegenseite wollte endlich eine Dividende sehen. Im Juni kam es dann zum Knall.

Im August rechnen die verkrachten Aktionäre miteinander ab. Hubert argwöhnt, die Gegenseite könnte genehmigtes Kapital dazu benützen, einen neuen Grossaktionär an Bord zu holen, und so die Mehrheit zu erhalten. Hubert hat die Gegenseite bei der Übernahmekommission angezeigt: Seine Gegenspieler hätten eine Gruppe gebildet und müssten darum allen Aktionären ein Übernahmeangebot machen.

Erstellt: 12.07.2010, 23:16 Uhr

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