Eric Sarasins Gipfelsturz

Die Betrugsvorwürfe wiegen zu schwer: Der bekannte Privatbankier tritt zurück.

Seit Monaten im Zentrum einer Betrugsaffäre: Die Basler Privatbank J. Safra Sarasin.

Seit Monaten im Zentrum einer Betrugsaffäre: Die Basler Privatbank J. Safra Sarasin. Bild: Keystone

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Von ihm, der sich oft pointiert äusserte, der auch mal seine Kollegen für das Streben nach dem schnellen Geld kritisierte, ist nichts zu hören. Nur eine kurze Nachricht auf der Website der Basler Privatbank J. Safra Sarasin verkündet die Neuigkeit: Eric Sarasin tritt von seinem Posten ab. Als stellvertretender Geschäftsleiter des Hauses war er mittendrin in der Betrugsaffäre, die unter dem Titel «Cum-Ex» seit Monaten Öffentlichkeit, Strafverfolger und Medien beschäftigt.

Eric Sarasin weise die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen «mit aller Entschiedenheit» zurück, wie es in der Mitteilung der Bank heisst. Er wolle sich unbelastet von anderen Verpflichtungen seiner eigenen Verteidigung widmen – «daneben möchte er vermeiden, dass die Verfahren gegen ihn dem Ansehen und dem Ruf der Bank schaden, für die er tätig ist». Der Austritt wird in den nächsten Tagen, spätestens bis Ende Jahr erfolgen. Für Eric Sarasin gilt weiter­hin die Unschuldsvermutung.

Seit vier Jahren involviert

Bisheriger Höhepunkt des Cum-Ex-Skandals war eine Grossrazzia in einem Dutzend Länder; Eric Sarasin ist einer von über 30 Beschuldigten. Die Bank Sarasin soll an Kunden ausländische Fondsanteile vermittelt haben, mit denen Trader anschliessend kurz vor und nach dem Dividendenstichtag unsaubere Aktiendeals abwickelten. Durch geschicktes An- und Verkaufen der Wertpapiere gelang es, vom deutschen Staat eine einmal ein­bezahlte Kapitalertragssteuer doppelt zurückzufordern. Es geht um enorme Summen, laut deutschen Strafverfolgern versuchten die Beschuldigten unrechtmässig Erstattungen von 462 Millionen Euro vom Fiskus zu verlangen.

Gemäss Untersuchungsakten, die dem TA vorliegen, war Eric Sarasin schon im Jahr 2010 in das «Projekt Gipfel­sturm», wie die Cum-Ex-Geschäfte intern genannt wurden, involviert. Damals warb er den deutschen Drogeriekönig Erwin Müller als Kunden an, der sich mit 50 Millionen an den Fonds beteiligte. Ihm waren 12 Prozent Rendite versprochen worden – bei «hundertprozentig sicherem Invest». Müller wartet laut eigenen Angaben bis heute auf 47 Millionen Euro, die er inzwischen in Deutschland eingeklagt hat. Mit Eric Sarasin scheidet das letzte Familienmitglied aus dem Spitzen­kader der Privatbank aus. Der 56-Jährige hatte sich in Interviews als Geschäftsmann mit Gewissen positioniert, strich seine Engagements für den Basler Zoo, das Rote Kreuz oder die Krebsliga heraus. Nun zerstören die Vorwürfe das, was für einen Privatbankier wie ihn am wichtigsten ist: seinen Ruf.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.10.2014, 23:39 Uhr

Eric Sarasin, Vizechef Bank Sarasin.

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