Erleichterung an den Märkten nach Schotten-Votum

Gross war die Angst, die britische Währung könnte nach einem Unabhängigkeitsvotum der Schotten stark verlieren.

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Nach dem «No» der Schotten zur Unabhängigkeit von Grossbritannien hat die Londoner Börse fester notiert. Deutlich stärker waren heute im frühen Handel die schottischen Grossbanken.

Die Aktie der Royal Bank of Scotland (RBS) zog um 3,3 Prozent an. Auch die Grossbank Lloyds legte um 2 Prozent zu. Der Gesamtindex FTSE 100 kletterte um 0,7 Prozent auf 6864,94 Punkte.

Beide Bankinstitute erklärten ihre für den Fall einer Abspaltung entworfenen Abwanderungspläne nun für hinfällig. «Die Gruppe ist stolz über ihre starken schottischen Wurzeln», sagte ein Lloyds-Sprecher am Freitag. Die Bank werde mit einer «signifikanten Präsenz» in Schottland bleiben.

Auch die RBS versicherte, ihre Abwanderungspläne nun einzukassieren. Nach dem Abstimmungsergebnis gelte für alle Kunden der RBS «business as usual», sagte ein Sprecher.

Führende britische Banken hatten im Vorfeld angekündigt, bei einer Abspaltung Schottland den Rücken zu kehren. Die seit der Finanzkrise teilverstaatlichten Institute Lloyds und RBS hatten mit dem Umzug ihrer Zentralen von Edinburgh nach London gedroht.

Das Nein hat zudem weitere Anleger zu einem Einstieg ins Pfund Sterling ermuntert. Es stieg zeitweise auf 1,6524 Dollar. Gewinnmitnahmen liessen die Valuta aber wieder auf 1,6454 Dollar zurückfallen.

«Der Markt kann sich wieder den ökonomischen Themen des weiterhin vereinigten Königreichs widmen», kommentierte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann den Ausgang des schottischen Referendums. «Für Euro/Pfund heisst das wohl: Es geht weiter nach unten. Denn die Schere zwischen Bank of England- und EZB-Geldpolitik geht immer weiter auseinander.» Am Freitag fiel der Euro auf ein Zwei-Jahres-Tief von 0,7811 Pfund. Gegenüber dem Franken legte das Pfund auf 1,5379 zu, nachdem es am Vortag noch 1,5312 gekostet hatte.

Weniger Unsicherheit

Börsianer gehen davon aus, dass die britische Notenbank zum Jahreswechsel die Zinsen wieder anheben wird. Von den europäischen Währungshütern erwarten sie dagegen weitere Geldspritzen zur Ankurbelung der schwächelnden Konjunktur in der Euro-Zone. Der Chef der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, hatte am Vortag gegenüber der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen SRF gesagt, dass eine Unabhängigkeit Schottlands die Unsicherheit über künftigen Entwicklungen vergrössern würde.

Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer zeigte sich erleichtert: «Den Briten und auch den Investoren ist sehr viel Unsicherheit erspart geblieben. Es hätte mindestens anderthalb Jahre lang grosse Diskussionen gegeben - etwa über die Währung oder über die Verteilung der Staatsschulden und Ölreserven.» Zudem bekämen die Befürworter eines Austritts Grossbritanniens aus der EU keinen weiteren Auftrieb.

Schweizer Börse fester erwartet

Die Schweizer Börse nahm das Votum mit Erleichterung auf. Der Leitindex stieg im frühen Geschäft um 0,4 Prozent auf 8746 Punkte und erreichte ein neues Mehrjahreshoch.

Damit falle ein schwerer Unsicherheitsfaktor weg, der die Märkte in den vergangenen Wochen gelähmt habe, hiess es im Markt. Für überdurchschnittliche Umsätze sorgt zudem der «Hexensabbat» - der Quartalsverfall an der Terminbörse Eurex.

In der Schweiz sind die Impulse dünn gesät. Die meisten Bluechips zogen ein halbes bis ein Prozent an.

Öl leicht billiger

Die Ölpreise haben sich indes wenig verändert gezeigt. Sie gaben gestern nur leicht nach. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete 97,60 US-Dollar. Das waren 10 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass US-Rohöl der Marke WTI zur Auslieferung im Oktober fiel um 16 Cent auf 92,91 Dollar.

«Bei den Ölpreisen zeigen sich erste Anzeichen einer Bodenbildung», sagte ein Marktbeobachter. Seit Anfang September waren die Preise kräftig gefallen. Die Lage an den Ölmärkten sei aber weiterhin nicht stabil, meinte der Experte. (cpm)

Erstellt: 19.09.2014, 10:52 Uhr

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