Ermotti antwortet dem Markt

Die UBS will ihre Altlasten schneller bereinigen und das Geschäft mit institutionellen Kunden ausbauen. Ein Schönheitsfehler bleibt bei der Umwandlung der Konzernstruktur.

Sieht die UBS als «einzigartige Bank»: Konzernchef Sergio Ermotti.

Sieht die UBS als «einzigartige Bank»: Konzernchef Sergio Ermotti. Bild: Reuters

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Die UBS geniesst am Finanzmarkt einigen Kredit. Dies, weil die Bank im Vergleich zu anderen Grossbanken weniger Wert aufs Investmentbanking legt und der Vermögensverwaltung einen grösseren Stellenwert einräumt. Zudem hat die UBS ihr Geschäftsmodell früher als andere Institute angepasst. Investoren sind deshalb bereit, für die UBS-Aktie mehr Geld zu bezahlen. Der Börsenwert der UBS ist 1,4-mal so gross wie ihr Buchwert, der Branchenschnitt liegt bei 0,8 (Zahlen von Ende März).

Trotzdem murrte die Investorengemeinde zuletzt auf. Die UBS müsse ihre Altlasten schneller bereinigen, gaben Analysten in Berichten und Interviews zu Protokoll: Der Markt glaube der UBS nicht, dass sie ihre angekündigten Ziele ernsthaft verfolge. Unter den Altlasten figurieren bei der UBS jene Bereiche des Investmentbankings, aus denen sie mittelfristig aussteigen will. Dazu gehören vor allem Bereiche des Handels mit festverzinslichen Produkten, die unter den neuen Basel-III-Vorschriften viel Kapital binden.

Rückfall in alte Zeiten vom Tisch

Die UBS hat heute eine Aktualisierung ihrer Ziele veröffentlicht und tritt den Bedenken entgegen. Die Bank will ihre Positionen in den angesprochenen Bereichen schneller abbauen, sprich, Vermögenswerte schneller abstossen und Handelsdesks schneller schliessen. Die UBS will die risikogewichteten Aktiven in ihrem «Legacy»-Portfolio und in den «Nicht-Kernbereichen» der Investmentbank von über 100 Milliarden Franken Ende 2012 auf 40 Milliarden Franken per Ende 2015 zurückfahren. Zuvor hatte die Zielmarke bei 55 Milliarden Franken gelegen.

Die Bankführung um Konzernchef Sergio Ermotti kommt den Forderungen der Analysten damit ein Stück weit entgegen. Aus deren Sicht drücken die laufenden Kosten in den Altlastenbereichen zu stark auf den Gewinn. Auch wenn das versprochene Ziel sich nicht um Welten von der bisher angestrebten Marke unterscheidet, so dürfte die UBS damit zumindest klargemacht haben, dass sie es ernst meint mit dem Umbau ihres Geschäftsmodells. Die Gefahr eines Rückfalls in alte Zeiten ist damit vom Tisch.

Initiative im Asset-Management

Die UBS reagiert auch in einer anderen Domäne auf die Stimme des Marktes. Angesprochen ist der Bereich Asset-Management, also das medial wenig Aufsehen erregende Geschäft mit Fonds, Pensionskassen und Grossinvestoren. Diese Sparte fristete in den letzten Jahren ein relativ ruhiges Dasein. Jährlich erzielt wurden Gewinne von gut einer halben Milliarde Franken. Im aktuellen Quartal verringerte sich der Vorsteuergewinn auf 122 Millionen Franken, gegenüber 190 Millionen Franken im ersten Quartal 2013.

Nun will die UBS hier Gas geben: Das Asset-Management, das neu vom Operativchef der Bank, Ulrich Körner, betreut wird, soll mittelfristig eine Milliarde Franken pro Jahr zum Konzerngewinn vor Steuern beitragen. Mit welchen «strategischen Initiativen» die Bank dies bewerkstelligen will, muss sie noch zeigen. Eine gewisse Rolle spielen dürften die Kunden aus dem Private Banking, einer anderen Abteilung der Bank. In den letzten Jahren waren im Asset-Management Geldabflüsse von diesem Kundenstamm verzeichnet worden.

Kapitaloptimierung über Landesgrenzen hinweg

Unter dem Führungsduo Sergio Ermotti und Axel Weber zeigt die UBS, dass sie ein Ohr für die Aussenwelt hat. Die Bank passt sich auch den Forderungen der weltweiten Behörden an. Sie schafft eine Holdingstruktur und kreiert damit eigenständige Gesellschaften in der Schweiz, in Grossbritannien und in den USA. Die verschiedenen US-Gesellschaften werden sogar in einer Zwischenholding zusammengefasst. Aus der Sicht der Regulatoren soll dies die Abwicklung der Bank im Konkursfall erleichtern.

Die UBS vollzieht diese Schritte allerdings nicht ohne Eigennutzen. Sie erhofft sich so eine Reduktion der Kapitalanforderungen gemäss den schweizerischen «Too big to fail»-Bestimmungen. Ein Schönheitsfehler aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist, dass die Bank das frei werdende Kapital in Form einer Sonderdividende gleich an die Aktionäre auszuzahlen gedenkt. Damit senkt die Bank ihre eigene Widerstandsfähigkeit im Krisenfall. Die Alternative wäre, dass die UBS das Kapital in der Bank behält und ihre Bilanz weiter stärkt. Die UBS würde damit beweisen, dass sie nicht nur auf Investoren und Regulatoren hört, sondern auch die langfristigen Interessen der Steuerzahler im Auge hat.

Erstellt: 06.05.2014, 09:21 Uhr

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