Erste Schweizer Bank versuchts mit Schwarmfinanzierung

Crowdfunding gilt mit seiner alternativen Finanzierungsform als Konkurrenz der Bankmodelle. Grund genug für ein Institut, es selber zu versuchen.

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Eine Baselbieter Filmcrew will die Geschichte eines mysteriösen Mordes in Anwil verfilmen. Finanziell unterstützt wird «S Gheimnis vo Ammel» durch 51 Sponsoren mit insgesamt 7000 Franken. Das Spezielle daran: Das Ganze wurde auf einer Crowdfunding-Plattform der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) verwirklicht. Crowdfunding – im Deutschen auch Schwarmfinanzierung genannt – ist eine internetbasierte Plattform, die Investoren und Projekte zusammenführt.

Als erste Bank der Schweiz hat die BLKB 2014 eine eigene Crowdfunding-Plattform gestartet, in Kooperation mit Swisscom. Unter der Domain Miteinander-erfolgreich.ch werden hauptsächlich Ideen im Bereich Kultur, Sport und Soziales finanziert. Die Website orientiert sich am Prinzip des Crowdsupportings. Die Projektinitianten sind dadurch verpflichtet, den Sponsoren eine Gegenleistung zu gewähren. Zum Beispiel durch das Erscheinen im Abspann oder den Erhalt einer signierten CD. Die Bank erhält für die Plattform und ihre Dienstleistungen eine Provision zuzüglich Transaktionskosten.

Die Wurzeln von Crowdfunding

Die BLKB unterstützt auch selbst ausgewählte Projekte, die dem internen Sponsoringreglement entsprechen. Welche Ideen aufgeschaltet werden, entscheidet die Bank. «Wenn wir Chancen für das Projekt sehen, wird es aufgeschaltet», sagt Mediensprecher Christoph Loeb. Die Chance will auch eine lokale Band packen. Die Bieranjas, eine 22-köpfige Brass-Formation aus der Nordwestschweiz, wollen über die Plattform ihre dritte CD-Produktion finanzieren. «Seit der letzten Aufnahme im Jahr 2011 sind einige neue Arrangements zum Repertoire dazugestossen, die es wahrlich auch verdienen, auf einer CD verewigt zu werden», erklärt die Band auf der Website.

Obwohl Crowdfunding erst vor ein paar Jahren populär wurde, ist dessen Solidaritätsgedanke nicht neu. Bereits 1775 begann in Europa mit der Gründung von Ketley's Building Society die gemeinschaftliche Finanzierung durch Bausparkassen. Die Mitglieder dieser Gesellschaft zahlten monatliche Beiträge in einen Kapitalfonds ein, aus dem dann Sparer Darlehen für den Bau von Wohnungen erhielten.

Das Ende der Finanzierung durch Banken?

In Zeiten wirtschaftlicher Krisen erstaunt es nicht, dass heute Plattformen mit alternativen Finanzierungsformen entstehen. Laut einer Studie der Hochschule Luzern wurden in der Schweiz 2013 rund 11,6 Millionen Franken via Crowdfunding vermittelt. Das entspricht einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr und fast einer Vervierfachung im Vergleich zu 2011. «Weitere beeindruckende Wachstumszahlen sind zu erwarten», sagt Andreas Dietrich, Dozent an der Hochschule Luzern.

Müssen sich die Banken nun vor Crowdfunding fürchten? «Kurz- bis mittelfristig eher nicht», sagt Dietrich. «Langfristig kann es in gewissen Kreditsegmenten aber durchaus eine gewisse Konkurrenzierung für Banken durch Crowfunding geben.» Die Schwarmfinanzierung ist in der Schweiz aber trotz starkem Wachstum noch vergleichbar klein. In Grossbritannien beträgt das Volumen mehr als eine Milliarde Franken.

Eine Möglichkeit für Banken, mit dem rivalisierenden Modell umzugehen, ist, selber mit Crowdfunding aktiv zu werden. Die BLKB war sich schnell bewusst, dass Crowdfunding zur Konkurrenz werden könnte. «Für uns heisst das, dass ein Teil des traditionellen Geschäfts wegfällt», sagt Christoph Loeb. Die Bank sei deshalb schon früh eingestiegen.

Swisscom will Projekte weiterentwickeln

Swisscom ist für den Bau der Software verantwortlich und erschliesst für Unternehmen wie die BLKB einen einfachen Weg zum eigenen Crowdfunding-Marktplatz. Laut Oliver Kutsch, operativer Leiter des Bereichs Banking, will Swisscom die Crowdfunding-Angebote weiterentwickeln. «Gerade Crowdlending wäre für eine Bank ein interessantes Modell des Crowdfunding», so Kutsch. Diese Art von Crowdfunding vergibt Kredite mithilfe der Crowd.

Auch andere Institutionen beobachten den wachsenden Markt seit längerem. «Das Interesse von Schweizer Banken gegenüber Crowdfunding-Plattformen ist hoch», sagt Andreas Dietrich. Weitere Geldhäuser würden bald ins Crowdfunding-Experiment einsteigen, um Erfahrungen zu sammeln. «Viele sind derzeit noch in einer frühen Evaluationsphase.» Aufbauend auf dem Solidaritätsprinzip, wäre dies auch ein Schritt zurück zu den Wurzeln von Crowdfunding, der Ketley's Building Society.

Erstellt: 05.02.2015, 15:47 Uhr

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