Hintergrund

Erste Schweizer Onlinezeitung stellt auf Bezahlinhalte um

Die Zeitung «Schaffhauser Nachrichten» verlangt Geld für alle ihre Internet-Inhalte. Das werde nicht funktionieren, sagt ein Medienexperte.

Weiterlesen ist ab Donnerstag nur noch mit Abonnement möglich: Online-Auftritt der «Schaffhauser Nachrichten».

Weiterlesen ist ab Donnerstag nur noch mit Abonnement möglich: Online-Auftritt der «Schaffhauser Nachrichten».

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Ab Donnerstag sind die Online-Angebote von «Schaffhauser Nachrichten» und Radio Munot kostenpflichtig. Damit macht die Herausgeberin Meier und Cie. AG einen Schritt, über den die Branche seit Längerem intensiv diskutiert. Abonnenten der Zeitung erhalten weiterhin gratis Zugang, wer ein Online-Abonnement löst, kann die Zeitung als e-Paper lesen.

Man habe sich entschlossen, die Internetangebote über Abonnemente zu finanzieren, sagt Stefan Wabel, Leiter Projekte bei Meier und Cie. AG, der Wochenzeitung «Schaffhauser AZ». Zwar verzeichne der Online-Werbemarkt ein grosses Wachstum. Doch die regionalen Medienunternehmen könnten davon nicht profitieren. Für nationale Firmen ist der Schaffhauser Markt zu klein und bei regionalen Unternehmen sei Werbung im Internet noch nicht verankert.

«Mangelnde Grösse»

«Das wird nicht funktionieren», sagt Medienexperte Kurt W. Zimmermann zur Strategie des Schaffhauser Unternehmens. Ein Grund dafür sei die mangelnde Grösse. «Bei einer Nutzerzahl von dieser Grössenordnung kann der Ausfall an Werbegeldern nicht mit Abonnementseinnahmen kompensiert werden.» Anders bei der britischen «Times», die seit einem halben Jahr einen Teil ihrer Online-Inhalte verkauft. Die Nutzerzahl sank zwar von über einer Million auf etwa 100'000. «Trotzdem wird das Unternehmen mit diesen zahlenden Usern 2011 einen satten Umsatz erreichen», schätzt Zimmermann.

Um Bezahlinhalte bei den Usern durchsetzen zu können, müssten die Verlage gemeinsame Sache machen, sagt Zimmermann. «Und dann ergäben sich wahrscheinlich kartellrechtliche Probleme.»

«Freut mich, dass es jemand probiert»

Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien bei der «NZZ», freut sich, dass es endlich jemand probiert, wie er zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt. Je nach Machart gibt er dem Projekt gute Chancen. «Gleiches Angebot mit Bezahlschranken funktioniert nicht. Das wäre schon fast verwegen.» Auch glaubt Hogenkamp nicht, dass Bezahlschranken bei allgemein verfügbaren Neuigkeiten funktionieren. «Bei Regionalnachrichten ist das aber durchaus möglich.»

Ein gemeinsamer Umstieg der gesamten Branche würde nicht funktionieren, sagt Hogenkamp. Irgendjemanden gäbe es immer, der nicht mitzieht. Er glaubt aber an die Möglichkeit, die User umzugewöhnen. Die «NZZ» werde einen kostenpflichtigen Online-Bereich einführen. Wie sich die Branche entwickeln wird, wagt er nicht vorauszusagen. Dass eine Randzeitung wie die «Schaffhauser Nachrichten» eine wegweisende Rolle übernehmen könne, glaubt er nicht.

«Es gibt keine Alternative»

Norbert Neininger, Verleger und Chefredaktor der «Schaffhauser Nachrichten», sieht keine Alternative zu den bezahlten Inhalten. «Wir können doch nicht das Wertvollste, was wir produzieren, verschenken. Die Verlage suchen derzeit intensiv nach Wegen, um die Inhalte auch online zu verkaufen.»

Er habe eigentlich nicht den ersten Schritt machen wollen, sagt Neininger. Aber da er seit Längerem gegen die Kostenlosigkeit der Internetzeitungen anschreibe und diese als Unsinn bezeichne, komme er nicht darum herum. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.01.2011, 17:01 Uhr

«Bei dieser Grössenordnung funktioniert es nicht»: Kurt W. Zimmermann, Medienexperte. (Bild: Keystone )

Er freut sich, dass eine Zeitung den Schritt wagt: Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien «NZZ».

Paid Content

Die Kostenlosigkeit von News-Angebote im Internet beschäftigt die Verleger und Internetunternehmer seit einigen Jahren. Da es schwierig ist, nachträglich eine Kostenpflicht einzuführen, wird von einigen Verlagen eine Mischform angestrebt mit Gratisinhalten neben Beiträgen, die nur durch Bezahlung erhältlich sind.

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