«Es gibt nicht genügend Frauen»

Headhunter halten nicht viel von der vorgeschlagenen Geschlechterquote. Die Umsetzung sei nicht möglich.

Ist eine Frauenquote von 30 Prozent in der Schweiz möglich? Freie Sitze in Führungsgremien von Unternehmen sollen möglichst von Frauen besetzt werden. Foto: Plainpicture/Cultura

Ist eine Frauenquote von 30 Prozent in der Schweiz möglich? Freie Sitze in Führungsgremien von Unternehmen sollen möglichst von Frauen besetzt werden. Foto: Plainpicture/Cultura

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«Ich befürworte sehr einen höheren Frauenanteil und grundsätzlich mehr Diversität in den Chefetagen», sagt Christina Virzí. Sie ist Partnerin und Mitgründerin von The Female Factor, einem Headhunter-Unternehmen, das sich auf die Vermittlung von hoch qualifizierten Managerinnen spezialisiert hat. Von einer Frauenquote aber hält sie nichts. Ihre Begründung: «Wenn Unternehmen unter Druck eine Quote erreichen und dann einhalten müssen, kommt es zu Fehlbesetzungen. Man kann sich dann nicht die Zeit nehmen, für einen offenen Job die bestmögliche Person zu suchen, ob Mann oder Frau.»

Die Ansicht wird von ihren Berufskollegen geteilt. Auch Guido Schilling ist gegen eine Frauenquote. Immerhin glaubt er, dass die Unternehmen auf Stufe Verwaltungsrat die Vorgaben des Bundesrats erreichen können. «Die Quote von 30 Prozent innert fünf bis acht Jahren ist ambitiös, aber realistisch.» Das sieht Christina Virzí ähnlich: «Für einen Anteil von 30 Prozent im Verwaltungsrat sind genügend Frauen verfügbar», sagt sie und ergänzt sogleich, «doch auch hier ist keine Quotenpflicht sinnvoll, da die Unternehmen ohnehin in diese Richtung gehen.» Guido Schilling belegt das mit Zahlen: Gegenwärtig seien 13 Prozent aller Verwaltungsratssitze in den 100 grössten Schweizer Unternehmen von Frauen besetzt. «Werden nur die neu gewählten Verwaltungsräte betrachtet, liegt der Anteil gar bei 22 Prozent», sagt er.

Geschäftsleitungen als Problem

Anders sehe es in den Geschäftsleitungen aus, sagen die Headhunter. «Es gibt schlicht noch nicht genügend Frauen, die die nötige Erfahrung mitbringen», sagt Christina Virzí. Sie ist überzeugt, ein Anteil von mehr als 15 Prozent sei hier momentan nicht möglich. Sandro Gianella, Partner beim Headhunter Knight Gianella, macht einen Zahlenvergleich, um die Frauenknappheit zu verdeutlichen. «Wenn sie von 200 Unternehmen ausgehen, die für die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat 5 weibliche Führungskräfte benötigen, so ergibt dies einen Bedarf von 1000 Frauen.» Pro Jahr müssten die Unternehmen so 200 Frauen finden. «Das ist wahnsinnig anspruchsvoll», so Gianella.

«Der Zwang zu einer Quote von 30 Prozent innert fünf Jahren würde die Schweizer Wirtschaft abwürgen», ist Guido Schilling überzeugt. Frauen seien heute bei den grossen Unternehmen im mittleren Kader gut vertreten. In den Geschäftsleitungen kämen sie jedoch nur auf einen Anteil von 6 Prozent. Der Trend spreche zwar ebenfalls für mehr Frauen, aber um auf die vom Bundesrat geforderten Werte zu kommen, brauche die Schweizer Wirtschaft sicher noch 15 bis 20 Jahre.

Immerhin sei die Schweiz bei der Erhöhung des Frauenanteils besser dran als Deutschland, sagt Christina Virzí, «weil die Unternehmensführungen hier sehr viel internationaler sind und vielfach Englisch gesprochen wird». Voraussetzung sei allerdings, dass auch weiterhin die Frauen für die Führungskräfte aus dem Ausland rekrutiert werden könnten, sagt sie.

Unternehmen könnten es sich ohnehin gar nicht mehr erlauben, auf Frauen zu verzichten. «Setzt ein Unternehmen an der Spitze konsequent nur auf Männer, ist dies für den Nachwuchs abschreckend», sagt Guido Schilling. Junge Frauen registrierten das und wählten bewusst fortschrittliche Unternehmen.

Erstellt: 28.11.2014, 22:25 Uhr

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