Etihad spannt mit «gleichgesinnten» Airlines zusammen

Die Golfairline Etihad hat einen Verbund gegründet, dem auch die schweizerische Darwin Airline angehört. Eine neue Konkurrenz für Europas Fluggesellschaften oder nur viel heisse Luft?

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Die arabische Etihad Airways versucht mit allen Mitteln, in Europa weiter Fuss zu fassen. Mit grossen Paukenschlägen stellte sie am Donnerstag einen neu gegründeten Verbund namens «Etihad Airways Partners» vor, in dem sie neben der schweizerischen Darwin Airline (seit Ende 2013 als Etihad Regional bekannt) auch andere «gleichgesinnte Fluggesellschaften» wie Air Berlin, Air Serbia, Air Seychelles und die indische Jet Airways um sich schart.

Bei diesen Airlines hält Etihad unterschiedliche Minderheitsbeteiligungen. Alitalia ist noch nicht mit von der Partie, weil die behördliche Bewilligung für die 49-Prozent-Beteiligung durch die Golfairline noch aussteht. Mit «Etihad Airways Partners» – laut der Airline keine Allianz – sollen den Kunden gemäss Pressemitteilung Vorteile geboten werden, indem die Leistung der teilnehmenden Fluggesellschaften verbessert und das Streckenangebot erweitert wird.

Mehrwert nicht erkennbar

Doch es steckt mehr hinter der Gründung von «Etihad Airways Partners»: Diese sei ein Versuch der Golfairline, mehr Macht in Europa zu gewinnen, sagt Patrick Huber, Chefredaktor der Aviatikzeitschrift «Cockpit». Seit einigen Jahren nämlich bedrängen Airlines aus den Golfstaaten die europäische Luftfahrt, indem sie sich unter anderem bei europäischen Airlines wie Air Berlin, Air Serbia oder Alitalia mit Minderheitsbeteiligungen einkauft. Vor knapp einem Jahr ist Etihad bei der Tessiner Darwin Airline eingestiegen und liefert sich am Schweizer Himmel einen Kampf mit der Swiss.

«Ob die Rechnung mit dem neuen Verbund aufgeht, ist jedoch fraglich», so Huber. «Es ist kein Mehrwert erkennbar, denn mit einigen kleinen, maroden Airlines kann man kein gut funktionierendes Streckennetzwerk schaffen.» Wenn zum Beispiel eine Verbindung von Belgrad via Abu Dhabi auf die Seychellen angeboten werde, könne das für einige Reisende aus Serbien attraktiv sein – doch das Passagiervolumen sei zu klein, um wettbewerbsfähig zu sein.

Ein Problem für kleinere Airlines

Deshalb sei «Etihad Airways Partners» keine Konkurrenz für die klassischen Luftfahrtallianzen Star Alliance, Oneworld und Skyteam, so Huber. Diese hätten mehrere starke Airlines, die gut miteinander vernetzt seien. Bei «Etihad Airways Partners» reiche es nicht, dass nur Etihad Airways als zentrale Verbundsairline Gewicht in der Zivilluftfahrt habe. «Es müssten weitere gewichtige Fluggesellschaften mitmachen – aber wer macht das schon?»

Etihads Europa-Engagement ist laut Huber weniger problematisch für die Luftfahrtbündnisse als vielmehr für kleinere Airlines. So nimmt Etihad Regional am Laufmeter neue innereuropäische Strecken in Betrieb, die teils schon von anderen Fluglinien betrieben werden – zum Beispiel Zürich–Dresden, das bis dahin erfolgreich von der Bodensee-Airline Intersky bedient wurde. Diese gab in der Folge die Strecke auf. «Bleibt der Erfolg auf einer Flugroute jedoch aus, wird sie Etihad Regional wohl schnell aus dem Programm kippen», so Huber.

Ist Etihad Regional genug schweizerisch?

Dem Geschäftsgebaren von Etihad Airways wird in Europa nicht tatenlos zugeschaut: Die EU-Kommission nimmt die Beteiligungen von Etihad an Air Berlin und Alitalia unter die Lupe. Und das deutsche Luftfahrtbundesamt (LBA) hat diese Woche entschieden, dass Etihad ihre Flugrechte in Deutschland verliert und auf 34 Flugverbindungen verzichten muss. Betroffen sind Code-share-Flüge mit Air Berlin, an der Etihad zu 29,2 Prozent beteiligt ist.

Auch in der Schweiz tut sich etwas: Das Bazl führt bis Ende Oktober eine sogenannte Ownership-and-Control-Prüfung durch. Dabei wird untersucht, wem Darwin in Zukunft tatsächlich gehört und wer die Kontrolle über die Fluggesellschaft ausübt. Derzeit verfügt der arabische Carrier nämlich noch über keine Anteile an Darwin Airline, vorgesehen sind jedoch 33,3 Prozent. Falls das Bazl zum Schluss kommt, dass Darwin wegen des starken arabischen Einflusses nicht mehr als Schweizer Airline bezeichnet werden kann, könnte sie Landerechte oder schlimmstenfalls die schweizerische Betriebsbewilligung verlieren.

Deutschland nahm es zuerst nicht so genau

Ob der Fall Air Berlin als Vorbild für die Schweiz dienen kann, kommentiert Bazl-Sprecher Urs Holderegger damit, dass die Situation in Deutschland nicht mit der hiesigen vergleichbar sei. «Das Land verfügt über ein anderes Luftverkehrsabkommen mit den Emiraten als die Schweiz.» Dieses Abkommen wurde offenbar nicht genau eingehalten: So räumte das deutsche Luftfahrtbundesamt diesen Sommer ein, die Flugrechte an Etihad zum Teil zu Unrecht vergeben zu haben. In der Schweiz ist dies laut Holderegger hingegen nicht der Fall. «Wir haben die Vergabe der Flugrechte intensiv abgeklärt und uns bei der Vergabe an die geltenden Abkommen gehalten.»

Über einen Zwischenstand der Untersuchung kann Holderegger keine Auskunft geben. Ob die Gründung des Verbunds «Etihad Airways Partners» einen Einfluss auf die Überprüfung hat, könne zurzeit nicht beurteilt werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.10.2014, 20:22 Uhr

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