Ex-Julius-Bär-Banker bekennt sich schuldig

Der deutsche Matthias Krull hat in Miami vor Gericht zugegeben, bei der Geldwäsche von «Hunderten Millionen von Dollars» mitgewirkt zu haben.

Veruntreuung: Ein früherer Manager der Zürcher Bank gesteht vor Gericht in Florida. (Archiv)

Veruntreuung: Ein früherer Manager der Zürcher Bank gesteht vor Gericht in Florida. (Archiv) Bild: Steffen Schmitdt/Keystone

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Ein früherer Relationship Manager der Privatbank Julius Bär, Matthias Krull, hat sich am Mittwoch vor einem Gericht in Miami schuldig bekannt, an einer Geldwäscherei-Verschwörung im Umfang von über 500 Millionen Dollar mitgewirkt zu haben. Dies meldete das US-Justizministerium. Fahnder hatten Krull Ende Juli am Flughafen von Miami verhaftet; Krull hatte Julius Bär Ende Mai verlassen.

Hintergrund ist ein enormer Fall von Veruntreuung von Staatsgeldern des venezolanischen Ölkonzerns Petróleos de Venezuela (PDVSA). US-Ermittler gehen davon aus, dass korrupte Funktionäre und Zudiener bis zu 1,2 Milliarden Dollar an öffentlichen Geldern abgezweigt haben.

Laut US-Gerichtsdokumenten gab Matthias Krull zu, bei der Julius Bär als «Türöffner» für private Kunden agiert zu haben, vor allem für Venezolaner. Der 44-jährige war zuletzt in Panama stationiert, sein Rang war Managing Director und/oder Vice President. Vier von Krulls mutmasslichen Bär-Kunden sind nun im US-Verfahren als Mitverschwörer genannt, was Fragen bezüglich der Geldwäsche-Abwehr der Schweizer Bank aufwirft.


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«Komplexe gefälschte Investment-Strukturen»

Laut Krull begann die Verschwörung im Dezember 2014. Die Beschuldigten tricksten laut US-Angaben mit verschiedenen Wechselkursen, um PDVSA zunächst rund 600 Millionen Dollar zu entziehen, später wuchs die Gesamtsumme auf 1,2 Milliarden an. Krull selbst kam nach eigenen Angaben 2016 hinzu, als ihn einer seiner Kunden fragte, ob er beim Waschen eines Teils der Gelder helfen könnte. Die Millionen seien dann über «komplexe gefälschte Investment-Strukturen» und Immobilien in Miami gewaschen worden. Ein Netzwerk von professionellen Geldwäschern habe dabei mitgewirkt.

Krull kooperiert mit den Justizbehörden. Er muss laut seinem Deal mit der Justiz dennoch mit einer Strafe von bis zu zehn Jahren Gefängnis rechnen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.08.2018, 23:29 Uhr

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