Hintergrund

«Facebook erhält die Handynummern»

19 Milliarden Dollar oder 42 Dollar pro User: Warum bezahlt Facebook einen so hohen Preis für Whatsapp? Marktkennern zufolge strebt das Unternehmen ein übergeordnetes Ziel an.

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Einen Dollar pro Jahr würde Whatsapp mit jedem seiner 450 Millionen User theoretisch verdienen – wenn die Benutzung des Dienstes konsequent in Rechnung gestellt würde. 42 Dollar pro User legt Facebook zum Kauf von Whatsapp auf den Tisch. «Whatsapp bleibt werbefrei und wird keine Kompromisse bei seinen Prinzipien eingehen», schreibt die Risikokapitalgesellschaft Sequoia, die zuletzt 15 Prozent von Whatsapp hielt. Wie passt all dies zusammen?

Dass Facebook 19 Milliarden Dollar für Whatsapp hinblättert, scheint auf den ersten Blick irrsinnig. In ersten Einschätzungen zeigen sich Analysten denn auch überzeugt, dass Facebook mit der Akquisition kurzfristig nicht das grosse Geld machen wird. «Frühestens im Herbst 2015» könne Whatsapp einen bedeutsamen Umsatzanteil beisteuern, lautet noch die optimistischste Einschätzung von J. P. Morgan dazu. Die Investmentgesellschaft Cantor schreibt laut Bloomberg News: «Monetisierung ist hier nicht die Priorität.»

Wettlauf im Silicon Valley

Worum geht es also bei der Übernahme von Whatsapp? Dass die Firma, die bloss 32 Programmierer und keinen einzigen Vollzeit-PR-Verantwortlichen angestellt hat, für Facebook so viel wert ist, hat laut Beobachtern viel mit dem Wettlauf der grossen Internetunternehmen zu tun. Rivalen wie Google und vermutlich auch Apple hätten den Preis hochgetrieben, schätzt die Anlagefirma Piper. Facebook sichere sich den Zugang zu einer halben Milliarde loyaler Benutzer und schalte gleichzeitig einen seiner grössten Rivalen aus, meint ein Experte von Bloomberg News.

«Facebook wird über Nacht zum Marktführer im mobilen Nachrichtengeschäft», sagt Jim Patterson, Chef des Messaging-Dienstes Cotap aus San Francisco. Ein Analyst der Marktforschungsfirma Emarketer meint, dass der Schachzug auch mit der Schwäche von Facebook selbst zu tun habe. Man habe dort realisiert, dass das Unternehmen sich nicht nur auf die Weiterentwicklung der Kernapplikation fokussieren könne, sondern ein ganzes Bündel an Apps benötigen würde, um an verschiedene Altersgruppen, Bevölkerungsschichten und Märkte zu gelangen.

Handynummern als Schlüsselelement

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bleibt vage bei seiner Begründung des Deals. Whatsapp und der hauseigene Facebook Messenger seien für verschiedene Zwecke gedacht, deshalb investiere man weiterhin in die Entwicklung beider Dienste. Ein wesentlicher Unterschied zum Facebook Messenger ist, dass sich Benutzer bei Whatsapp über die Handynummer registrieren, statt ein eigenes Konto basierend auf einem Nutzernamen und einem Passwort zu eröffnen.

Laut dem Analysten Eden Zoller von der Research-Firma Ovum dürfte darin der springende Punkt liegen. «Mit der Akquisition erhält Facebook Zugang zum grossen Archiv von Telefonnummern von Whatsapp», schreibt er, «für Facebook war dies ein fehlendes Bindeglied.» Über die Telefonnummern sei es für Facebook möglich, die Welt des Freundschaftsnetzwerks noch stärker ans Mobiltelefon anzubinden. Laut verschiedenen Beobachtern könnte der hohe Preis, den Facebook für Whatsapp zahlt, am Ende deshalb gerechtfertigt sein.

Erstellt: 20.02.2014, 11:05 Uhr

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