Fachkräfte auf dem Silbertablett

Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss die Wirtschaft mehr Verantwortung übernehmen.

Würden Frauen im Beruf bleiben, wenn sie Kinder bekommen, wäre der Fachkräftemangel so gut wie behoben. Foto: Keystone

Würden Frauen im Beruf bleiben, wenn sie Kinder bekommen, wäre der Fachkräftemangel so gut wie behoben. Foto: Keystone

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Der Schweizer Wirtschaft mangelt es an Fachkräften, besonders in der Technik- und Informatikbranche. Was ist also zu tun? Die Antwort oder die Lösung ist weiblich. Das sagen nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch deren Berater, die das Problem mit Umfragen und Studien dokumentieren. Würden die Frauen nämlich im Beruf bleiben, wenn sie Kinder bekommen, wäre der Fachkräftemangel so gut wie behoben. Darum fordern die Arbeitgeber mehr Tagesschulen.

Nicht nur in der Wirtschaft sind Tagesschulen beliebt. Mit 77 Prozent Ja-Stimmen haben die Stadtzürcherinnen und -zürcher letztes Jahr dem Projekt Tagesschule 2025 zugestimmt, obwohl das fast 80 Millionen Franken zusätzlich kostet. Diese Schulform reduziert eben die Belastung von Eltern, die Familie und Beruf in Einklang bringen müssen – vor allem, weil die Mittagsbetreuung in die Schule integriert und somit kostenlos wird. 

Mit Betreuungszuschüssen könnten die Arbeitgeber beweisen, dass sie die Entschärfung des Fachkräftemangels interessiert.

Damit ist bereits das Hauptproblem in der ausserschulischen Kinderbetreuung angesprochen: der Preis. Weil heute jeder Zweitverdienst zum grössten Teil für Steuern und Kinderkrippe draufgeht, bleiben viele Frauen lieber zu Hause. Ausgeprägt ist das Problem auf dem Land, wo die ausserschulische Kinderbetreuung teilweise überhaupt nicht subventioniert ist.

Allerdings stellt sich die Frage, wieso die Finanzierung der Kinderbetreuung allein Sache des Staates sein soll, wenn doch hauptsächlich die Unternehmen davon profitieren? Demnächst wird die Schweizer Wirtschaft mit der Steuervorlage 17 weitere Millionen sparen können. Es wäre deshalb ein guter Zeitpunkt, an den Unternehmergeist zu appellieren und im Gegenzug mehr soziale Verantwortung einzufordern, statt der Wirtschaft auch noch die angeblich fehlenden Fachkräfte auf dem Silbertablett zu präsentieren. Mit Betreuungszuschüssen oder anderweitigen Investitionen in die ausserschulische Kinderbetreuung könnten die Arbeitgeber zudem beweisen, dass sie an der Entschärfung des Fachkräftemangels interessiert sind.

Erstellt: 20.11.2018, 18:38 Uhr

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