Fast einsam an der Spitze

In Deutschland wird heftig um Frauenquoten gestritten. In der Schweiz gehen einige Grossunternehmen mit gutem Beispiel voran. Dennoch bleiben Top-Managerinnen eine Seltenheit, wie eine Übersicht zeigt.

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«Ich bin keine Quotenfrau, sondern die beste Person für den Job», sagte Isabelle Welton vor einem Jahr in einem Gespräch mit «NZZ executive», nachdem sie zur neuen Länderverantwortlichen von IBM Schweiz ernannt worden war. Die heute 47-jährige IBM-Chefin hatte gemäss eigenen Aussagen beharrlich auf diese Spitzenposition hingearbeitet. Ihr kam aber auch entgegen, dass IBM zu den Unternehmen gehört, die die «gender diversity» ernst nehmen. Welton lehnt zwar Quotenfrauen ab. Sie befürwortet aber Frauenquoten – weil sonst die Gefahr bestehe, dass bei der Frauenförderung in der Wirtschaft nichts passiere. Bei IBM sind mittlerweile ein Drittel der Beförderungen Frauen vorbehalten.

Die Forderung nach gesetzlichen Quoten, die zurzeit in Deutschland heftig diskutiert werden, stossen in der Schweizer Wirtschaft auf Skepsis und Ablehnung. «Quoten sind ein künstlicher Eingriff in den Markt und nicht durch Leistung legitimiert», meinte Peter Hasler, Post-Präsident und früherer Direktor des Arbeitgeberverbandes. Gerold Bührer, Präsident von Economiesuisse, lehnt Frauenquoten ebenfalls ab. Laut einem «Blick»-Bericht geht der frühere FDP-Nationalrat davon aus, dass es in den nächsten Jahren ohnehin mehr Frauen in Managementpositionen geben werde.

Schweiz: Frauenanteil bei sieben Prozent

Auch die bürgerlichen Parteien – SVP, FDP und CVP – können sich nicht für Frauenquoten begeistern. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Schweiz punkto Gleichstellung in der Wirtschaft – im internationalen Vergleich – noch einige Zeit hinterherhinken wird. In Schweden und in Finnland beträgt der Frauenanteil in den Spitzenpositionen der grössten börsenkotierten Unternehmen jeweils 26 Prozent, wie eine EU-Statistik zeigt. In der Schweiz liegt der Frauenanteil bei sieben Prozent.

In vielen europäischen Ländern läuft der Trend in die andere Richtung. So planen Frankreich, Holland und Spanien in den nächsten fünf Jahren die Einführung von Quoten: Ziel ist, den Frauenanteil in den Geschäftsleitungen auf 40 Prozent zu erhöhen. In Norwegen gibt es bereits seit einigen Jahren die Regelung, dass börsenkotierte Unternehmen im Verwaltungsrat einen Frauenanteil von 40 Prozent erreichen müssen.

25 Prozent Frauen im Nestlé-Verwaltungsrat

In der Schweiz bewegt sich Nestlé aus freien Stücken in diese Richtung. Mit Carolina Müller-Möhl, Naina Lal Kidwai und Titia de Lange sitzen seit dem letzten Jahr drei Frauen im Verwaltungsrat des Nahrungsmittelmultis Nestlé, die Frauenquote beträgt nun 25 Prozent. Mit Petraea Heynike sitzt erstmals eine Frau in der Konzernleitung.

Trotz positiven Beispielen von Frauenförderung in der Wirtschaft: Insgesamt bleiben Frauen in Top-Positionen eine Ausnahmeerscheinung in der Schweiz. Und prominente Mangerinnen (siehe Bildstrecke) sind noch seltener.

Erstellt: 10.02.2011, 14:45 Uhr

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