«Finma liess uns ins Messer laufen»

Der Ex-Verwaltungsratspräsident der Krankenkasse KPT, angeklagt der ungetreuen Geschäftsbesorgung, macht der Finanzmarktaufsicht vor Gericht harsche Vorwürfe.

Stehen diese Woche vor Gericht: Walter Bosch (rechts) und Bernhard Liechti erscheinen im Amtshaus der Berner Staatsanwaltschaft. (16. März 2015)

Stehen diese Woche vor Gericht: Walter Bosch (rechts) und Bernhard Liechti erscheinen im Amtshaus der Berner Staatsanwaltschaft. (16. März 2015) Bild: Peter Schneider/Keystone

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Im Prozess gegen die frühere Spitze der Krankenkasse KPT vor dem Berner Wirtschaftsstrafgericht hat der angeklagte Ex-Verwaltungsratspräsident Walter Bosch die Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen. Sie seien «an den Haaren herbeigezogen» und «völlig absurd». Er könne heute noch nicht verstehen, weshalb man dem damaligen Verwaltungsrat einen Strick daraus drehe, dass er der Finanzmarktaufsicht (Finma) in «guten Treuen» ein Vorhaben unterbreitet habe. «Wir haben nichts versteckt und verheimlicht.»

Der damalige VR-Präsident der KPT und sein Vizepräsident Bernhard Liechti sind der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung angeklagt. Angezeigt wurden die beiden 2012 von der Finma. Diese stellte fest, dass sich der Verwaltungsrat in unzulässiger Weise bereichert hätte, wenn die geplante Fusion mit der Sanitas zustande gekommen wäre. Bosch stellte sich bei der Befragung durch das dreiköpfige Wirtschaftsstrafgericht auf den Standpunkt, dass alle Entscheide vorläufigen Charakter gehabt hätten.

Rechtliche Frage nie gestellt

Er sei davon ausgegangen, dass die Finma den Deal prüfe und allenfalls zurückweise oder mit Auflagen verbinde, so wie dies die Wettbewerbskommission bei Fusionsabsichten von Unternehmen auch tue. «Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass die Finma uns derart ins Messer laufen lässt.» Die rechtliche Frage habe er sich nie gestellt, sagte Bosch. Das umstrittene Aktienrückkaufprogramm mit einer Rendite von über 400 Prozent sei von einem profilierten Wirtschaftsjuristen, der ebenfalls im Verwaltungsrat sass, überprüft und nicht infrage gestellt worden.

Niemand könne sich vorstellen, unter welchem zeitlichen Druck ein Verwaltungsrat in einem Fusionsprozess stehe. Gleichzeitig müsse man Dutzende von Fäden in den Händen halten, was nicht eine Person allein leisten könne. Die Verhandlungen werden am Nachmittag mit der Befragung des zweiten Angeklagten, des früheren Vizepräsidenten des KPT-Verwaltungsrates, fortgesetzt. Der Prozess dauert voraussichtlich bis Mittwoch, das Urteil wird am Freitagnachmittag eröffnet. (thu/sda)

Erstellt: 16.03.2015, 14:34 Uhr

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