Finma nimmt Bank Frey unter die Lupe

Die Anklage der US-Justiz gegen einen Partner der Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey und einen Manager der Bank Frey hat Folgen: Der Präsident der Bank verlässt die Kanzlei wegen seiner heiklen Doppelrolle in beiden Firmen.

Die US-Justiz wirft der Bank Frey vor, sie habe die Zahl ihrer amerikanischen Kunden bis 2012 verdreifacht: Firmenlogo.

Die US-Justiz wirft der Bank Frey vor, sie habe die Zahl ihrer amerikanischen Kunden bis 2012 verdreifacht: Firmenlogo. Bild: Keystone

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Die Anklage wegen Steuerdelikten des New Yorker Starstaatsanwalts Preet Bharara gegen einen Partner der renommierten Zürcher Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey sowie einen Manager der mit ihr verbundenen Zürcher Privatbank Frey & Co. AG von letzter Woche zieht immer weitere Kreise.

Erst kündigten die beiden Angeklagten. Nach den Bauernopfern trifft es nun einen führenden Kopf von Niederer Kraft & Frey (NKF). Markus Frey, Partner und Sohn eines Mitgründers der Grosskanzlei mit 130 Anwälten, verlässt das Unternehmen. Auslöser der «Entflechtung» ist die Doppelrolle, die Frey spielte: Frey ist Partner und Verwaltungsrat der Kanzlei NKF, gleichzeitig aber auch Gründer, Mehrheitsaktionär und Präsident der Privatbank Frey.

Er wolle eine «klare Trennung» zwischen diesen beiden Funktionen, begründete Frey seinen Austritt, er habe sich zur «Wahrung der Interessen» der Kanzlei entschieden. Vermutlich nicht ganz freiwillig. Denn die personelle Verbindung ist für NKF, die als Beraterin von Schweizer Grosskonzernen zu den besten Adressen zählt, umso heikler, als die Finma nun auch Freys Bank unter die Lupe nimmt.

Finma erwartet Aufarbeitung

So wie die Schweizer Bankenaufsicht zuvor bei anderen Banken wie UBS, Credit Suisse und Wegelin eingriff, die Probleme mit US-Schwarzgeld bekamen. «Wir stehen mit verschiedenen Instituten, die unter anderem durch Anklagen von einzelnen Mitarbeitern betroffen sind, in engem Kontakt», bestätigte ein Finma-Sprecher dem TA auf Anfrage: «Dies gilt auch für die Bank Frey.»

Einzelheiten nennt die Finma nicht. Das Ziel der Intervention ist klar. «Wir erwarten von den Banken, die im grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungsgeschäft mit Problemen konfrontiert sind, dass sie die Angelegenheit aktiv angehen und aufarbeiten», sagt der Sprecher der Finma. Damit ist es der Aufsichtsbehörde offenbar ernst. «Das Vorgehen muss uns überzeugen», beantwortete ein Sprecher der Finma die Frage von «Inside Paradeplatz», ob die erst um die Jahrtausendwende gegründete Bank Frey überleben werde.

Bis heute zumindest ist US-Staatsanwalt Bharara nicht gegen den Bankpräsidenten Frey vorgegangen. Die Privatbank figuriert indes auf der Liste jener 13 Schweizer Banken, die mit der US-Justiz einen Vergleich suchen. Diese Unsicherheiten sind wohl ein Grund, warum die Renommierkanzlei NKF Distanz zu ihrem Partner Frey aufbaut.

Lage 2011 schöngefärbt

Zumal die Anklage gegen einen NKF-Partner und gegen einen Manager seiner Bank sichtbar macht, wie schönfärberisch Frey die Situation im Steuerstreit mit den USA darstellte. Die Bank Frey habe keinen einzigen Kunden von der UBS übernommen, sagte Präsident Frey dem TA Anfang Herbst 2011. In der US-Anklage gegen einen Manager der Bank Frey steht dagegen, diese habe nach dem strafrechtlichen Vergleich der UBS mit Amerika die Zahl ihrer amerikanischen Kunden bis 2012 verdreifacht.

Der Präsident der Privatbank Frey fühlte sich mit seinem Institut wohl allzu lange sicher vor dem Zugriff der USA, da dieses im Ausland keine Filialen unterhält. Die Weissgeldstrategie belasse ihn ziemlich teilnahmslos, sagte Frey seinerzeit dem TA, er verstehe sie nämlich nicht.

Unschuldsvermutung gilt

Die Bank habe keine Altlasten seit 2001 mit nicht deklarierten US-Geldern, betonte Frey vor eineinhalb Jahren gegenüber dem TA. Die letzte Woche ergangene Anklage aus den USA zeichnet ein anderes Bild: Der Chef Privatkunden seiner Bank Frey und ein Partner seiner Kanzlei hätten in einer Reihe von Fällen reichen Amerikanern geholfen, den US-Fiskus um Steuereinnahmen zu betrügen. Die beiden hätten bis 2012, also auch noch lange nach dem Fall UBS, die Verschiebung von Schwarzgeld zur Bank Frey und anderen Banken in der Schweiz organisiert.

Wie das US-Verfahren gegen die Helfershelfer bei NKF und Bank Frey ausgeht, ist offen. Für alle Beteiligten gilt so lange die Unschuldsvermutung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.04.2013, 06:44 Uhr

Markus Frey (Bild: PD)

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